Am Sonntag, 16. Februar, öffnet der frisch sanierte Hölderlinturm wieder seine Pforte. Bei freiem Eintritt können dann Besucher die neu eingerichteten Museumsräume erkunden. Seit Sommer 2017 ist das Bauwerk geschlossen, weil umfangreiche Umbau- und Sanierungsarbeiten notwendig geworden waren. Die Wiedereröffnung erfolgt fahrplangemäß und pünktlich zum Beginn der landesweiten Programmreihe »Hölderlin 2020«, die den 250. Geburtstag des Dichters würdigt. Der Festakt soll nach Angaben der Stadt am Samstag, 15. Februar, im Beisein von Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Kulturstaatsministerin Monika Grütters gefeiert werden. 
Man darf sich freuen, dass die Restaurierung des Hölderlinturms zügig und unspektakulär vonstattenging, sowas ist heutzutage nicht selbstverständlich. Der Turm, in dem Friedrich Hölderlin von 1807 bis zu seinem Tod 1843 die zweite Hälfte seines Lebens verbrachte, ist aber nicht nur idyllisches Aushängeschild, sondern ein bedeutender literarischer Erinnerungsort mit bewegter Geschichte. 
Die ältesten Teile des Hauses waren einst Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung. 1778 wurde auf den Turmsockel ein achteckiges Geschoss gesetzt und das neue Turmdach mit dem Hausdach verbunden. 1807 erwarb Schreinermeister Ernst Friedrich Zimmer das Gebäude und zog dort mit seiner Familie ein. Im selben Jahr nahm Zimmer den seelenkranken Friedrich Hölderlin in sein Haus auf, der Dichter bewohnte das Turmzimmer. Bis 1865 blieb das Haus im Besitz der Familie Zimmer. 
Nachdem das Gebäude 1875 durch einen Brand schwer beschädigt worden war, wurde es in veränderter Form wieder aufgebaut. Der Turm erhielt seine heutige runde Gestalt. 1921 kaufte die Stadt das Haus mit finanzieller Unterstützung der Vorläufer-Organisation der Hölderlin-Gesellschaft, der »Vereinigung zur Erhaltung und Erwerbung des Hölderlinturmes«. 1954 wurden das Erdgeschoss und der erste Stock der Hölderlin-Gesellschaft übergeben und eine erste Hölderlin-Ausstellung eingerichtet. Erst 1978 wurde das Turmzimmer wieder zugänglich.
Im Zuge einer umfassenden Renovierung 1983 und 1984 fanden die baulichen Verhältnisse der Zeit, als der Dichter dort lebte, weitestgehend Berücksichtigung. 1985 wurde das Haus mit einer neuen Dauerausstellung wieder eröffnet. 
Bei der aktuellen Sanierung ist ein weiteres Stockwerk mit einbezogen und die Ausstellung zu Friedrich Hölderlin neu konzipiert worden. Im zweiten Stock befinden sich künftig die Räume der Hölderlin-Gesellschaft und der Museumsleitung. 

Im Zentrum der Ausstellung steht das einzig erhaltene Möbelstück des Dichters: der Tisch, auf den er »mit der Hand geschlagen, wenn er Streit gehabt – mit seinen Gedanken« – so schrieb es einst Hölderlins Pflegerin Lotte Zimmer. Seine intensive Auseinandersetzung mit Sprache, insbesondere mit Rhythmen und Betonungen, wird im Hölderlinturm zur körperlichen Erfahrung für Besucherinnen und Besucher. Ein Sprachlabor lädt dazu ein, Hölderlins literarische Arbeit zu verfolgen und selbst mit Silben, Worten und Versen zu experimentieren. Im angrenzenden Garten, der unter der Federführung der Wüstenrot-Stiftung neu angelegt wurde, lassen sich Hölderlins Texte auf einer eigens dafür konzipierten »Gedichtlaufstrecke« sogar in Bewegung übersetzen.

Mithilfe von Grafiken, Filmbeiträgen und Interviews nimmt die Ausstellung Hölderlins frühe Studienjahre am Tübinger Stift und die Eckpunkte in seinem Leben und Werk in den Blick. Dabei wird auch die große Inspirationskraft sichtbar und hörbar, die der Dichter für Literatur, Musik und bildende Kunst hatte. »Das bedeutendste Exponat ist allerdings der Hölderlinturm selbst. Trotz seiner problematischen Authentizität regt er noch immer die Imagination an und vermittelt uns eine Vorstellung von Hölderlins Lebensalltag und von der Entstehung seiner späten Turmgedichte«, sagt Dr. Sandra Potsch, die Leiterin des Museums im Hölderlinturm.
Bis zu seiner umbaubedingten Schließung im Sommer 2017 kamen auch wieder mehr Besucher in das denkmalgeschützte heimliche Wahrzeichen der Universitätsstadt, und man kann nur wünschen, dass sich dieser Trend weiter fortsetzt.