Verwöhnt ist die Region Neckar-Alb nicht gerade mit hochkarätigen Sportveranstaltungen, die das Prädikat Weltklasse verdienen. Die Fußballer des SSV Reutlingen taumeln dem Abstieg aus der Oberliga entgegen, die Volleyballer des TV Rottenburg entkamen dem Absturz aus Liga eins mit einem dicken blauen Auge, die Walter Tigers Tübingen kämpfen seit Jahren im Basketball gerade so ums Überleben. Die TSG Münsingen stellte den Bundesliga-Betrieb ein, zu dem sich immer Mountainbike Welt und Europameister angemeldet haben. Der Allstar-Cup der Degenfechter mit internationalen Größen bleibt da eine Ausnahme, und die TuSsies aus Metzingen geben sich alle Mühe, den Spitzenplatz in der Liga wie auch in Europa zu erobern. Das ist insgesamt sehr dürftig, doch es gibt ein Ereignis im Jahreslauf, das seit einem Vierteljahrhundert herausleuchtet wie der hellste Stern am Firmament. Der Achalm-Cup verdient das Prädikat Weltklasse wie kaum eine andere sportliche Veranstaltung. Am Samstag, 19. März öffnet sich der Vorhang dieses einzigartigen Schauspiels zum 26. Mal in der Oskar-Kalbfell-Halle in Reutlingen. Dann treten die Akteure – Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung – an die Tische und spielen sich die Freude aus dem Leib. Das Tischtennis-Turnier ist ein Paradebeispiel für Inklusion, das die TSG Reutlingen um Martin Sowa und Albrecht Tappe einst aus der Taufe gehoben hat. Ein prachtvolles Beispiel dafür, was Sport bewegt. Nicht nur Körper und Muskeln: Es ist eine Seelenübung, die die Gemüter begeistert, Gänsehaut machend schön, Glück versprechend. Es sei gewarnt: Wer einmal diese Lebensfreude, den Spaß am Spiel, den Kampfeswillen, die Hingabe bis zur Erschöpfung, den Mut erlebt hat, der wird beim nächsten Champions League Spiel der Fußballer schwer enttäuscht sein und wird süchtig. Die Bilder dieses Tages vergisst niemand mehr. Das reine Lachen der Akteure, die Mühe, die Konzentration, kindliches Strahlen, da geht es nicht ums Gewinnen, sondern um das, was Sport in seinem ureigensten Sinn allen schenken kann: Lebensfreude, das tiefe Vergnügen, glücklich zu sein, mit dem, was man tut. Das zeigt sich schon in der Vorfreude. Schon nach den Sommerferien beginnt die Ungeduld der Teilnehmer, das Warten auf diesen kleinen, großen Moment in der Sporthalle. Egal ob das geübte Spieler sind oder Neulinge, die ohne Netz spielen, sagt Albrecht Tappe. Da tritt uns einmal mehr unser alter Kumpel Goethe ebenso freudestrahlend entgegen und erinnert uns an das, was die Teilnehmer des Achalm-Cup vorleben: »Willst Du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah. Lerne nur das Glück ergreifen. Denn das Glück ist immer da.«     –diet