Man klemmt den Ball ein, zieht ihn leicht nach hinten, fährt in Schuss-Position, holt aus und lässt den Spieler mit Schwung nach unten rasen. Dann knallt’s. Dann jubelt’s. Dann ärgert sich’s. Was sich wie aus einem Handbuch für spezielle Tricks für spezielle Kicker anhört, ist es auch. Nur stehen die Spieler am Tisch, blicken sich aus gerade einmal 80 Zentimeter direkt ins Auge und schießen scharf: die Kugel auf dem Tisch mit den kleinen Männlein ins gegnerische Tor.
Auch dabei gibt es Tricks und Finten, man glaubt es kaum und man vermutet es schon – es gibt auch bei diesem Kneipensport eine Meisterschaft. Der TCF Reutlingen präsentiert eine solche in unserer Region. Am 5. und 6. März stellen die 17 Mitglieder des Tischkickervereins mit Hilfe eines Sponsors 150 Tische in die neue Schönberghalle in Pfullingen und dann kämpfen die Protagonisten um den baden-württembergischen Meistertitel. Der Sieger kann im Übrigen auch aus Mönchengladbach oder Rostock kommen. Es ist eine offene Meisterschaft, mit Doppel-Wettbewerben am Samstag und Einzel am Sonntag. Da sind dann locker mal rund 300 Personen rund um die Tische in der neuen Halle.
Da zeigen dann die Cracks des Sports, wie schnell und kraftvoll sie die Stangen mit den elf Spielern drehen können, und wie bewegt sie sich in die Psyche des Gegners eindringen. »Denn Psychologie spielt auch eine Rolle dabei«, sagt Daniel Edelmann der bei den Reutlinger Tischkickern, die in Pfullingen freitags trainieren, der Mann für die Öffentlichkeitsarbeit ist.
Der 29-Jährige kam wie viele zu diesem Hobby: vor rund zehn Jahren drehte er mit Kumpeln die Stangen in der Kneipe, schlürfte dabei ein leckeres Bierchen, sie hauten sich die Bälle um die Ohren und hatten jede Menge Spaß dabei. Im Studium machte er dann grad so weiter, man kann ja nicht immer nur lernen, man muss auch das Leben studieren und dort kickerte er halt um Punkte mit viel Spaß. Dabei lernte er seinen Kickerkumpel kennen und erfuhr im vergangenen Jahr, dass es in Pfullingen einen Reutlinger Klub gibt.
Also fuhr der Ofterdinger mal dahin, fand die Leute Klasse, zeigte Ehrgeiz, wollte lernen, hat gelernt und darf nun auch auf Ligaturniere. Bis zu seinem Engagement beim TCF stand der Servicetechniker vornehmlich im Tor, »ich hatte immer einen guten Spieler vor mir«.
Doch nun beherrscht er auch die Schusstechnik besser, wie eingangs erwähnt. Ja auch das will gelernt sein.
Da fällt uns doch ein weiser Satz aus Russland ein: »Brüderchen, du kannst den Wind niemals nach der Mühle drehen; Dreh die Mühle nach dem Wind, und sie wird vortrefflich gehen.«     –diet