»Auf diesem Weg verlier ich Stück für Stück, ein Schritt vor und zwei zurück«, heißt es in einem Songtext von Ulla Meinecke. Das Leben verläuft nicht immer geradlinig, manchmal weicht man aus, um vorwärtszukommen oder tritt gar zurück um sich eine neue Lebensqualität zu erschaffen. Der Sport ist da wie in vielem ein Spiegelbild oder gar Vorbild für die Motivation, an sich zu arbeiten. Nehmen wir einmal die Weitspringer, nehmen wir uns ein Beispiel an dem Gomaringer Gianni Seeger. Was für Laien sooo einfach aussieht, gehört zur Kategorie Tüftelei. Könnte also, nur so nebenbei, von einem Schwaben erfunden worden sein.
Aber um bei der Sache zu bleiben: Kraft allein genügt ja nicht. Also da rennt einer oder eine mit Hochgeschwindigkeit und fliegenden Haaren auf einen Balken zu, trifft ihn oder trifft ihn nicht, das genau ist die Frage, und hebt ab und fliegt und landet im Sand, verdammt. Man ärgert sich oder lächelt verzückt, aber nur selten schießen die Glückshormone sturzbachgleich über einen gelungenen Flug wie bei Bob Beamons legendärem 8.90 Meter Satz. Wie viel tausende Trainingssprünge ein Leichtathlet in dieser Sportart während seiner aktiven Zeit gesprungen ist, lässt sich kaum sagen, aber eines mit Sicherheit. Um den optimalen Sprung im Wettkampf - und nur das zählt ja - auf den Balken zu zaubern, braucht es viele viele viele Versuche, Übungseinheiten und eben Tüftelei. »Der Abstand und die Schritte sind entscheidend für das gute Gefühl«, und das wiederum für den Erfolg des Springers.
Das erfahren wir im Gespräch mit Gianni Seeger, einem sehr ehrgeizigen und zielstrebigen jungen Leichtathleten, der in seiner Freizeit nicht im Viereck springt, sondern tüftelt. Und sich einen Sport auserwählt hat, bei dem trotz großem Trainingsfleiß und Eifer nicht das große Geld im winkt, sondern persönlicher Ehrgeiz und das Triumphgefühl, über sich selbst hinausgewachsen zu sein. Das klappt ja nicht immer. 
Beim Sprint- und Sprungcup des VfL Pfullingen haderte der 17-Jährige mit seinem Anlauf, den er kurz vorher neu justiert hatte. Die Schrittfolge passte nicht, er hat trotzdem gewonnen. Aber eine Woche zuvor beim ersten Wettkampf des Jahres war er schon sehr nah an sein Saisonziel herangeflogen. 7,49 Meter stand da auf der Anzeigetafel. Das schürte Hoffnung auf die Teilnahme an der WM und mehr will der Gomaringer ja nicht. Zwei Schritte vor und drei zurück oder umgekehrt, verraten wird das Schrittgeheimnis von Seeger nicht, gleichwohl verraten wir das Ergebnis seiner täglichen Tüftelei. Bei den Landesmeisterschaften schaffte Seeger den Satz über die WM-Norm, da passte alles wie genormt, 7,59 Meter weit flog der Blondschopf in sein Glück, vier Zentimeter weiter als gefordert. Doch einmal gut ist nicht immer gut, sie wissen ja, der Anlauf. Bei der DM der Aktiven in Kassel dagegen lief es nicht so rund, da musste wieder getüftelt werden, einer vor und zwei zurück, und dann landete er auf Rang neun mit 7,36 Meter. Aber die WM-Norm ist ja geknackt, und das Finale bei den Aktiven erreicht, war für den 17-Jährigen von vornherein das große Ziel. Da können wir nur sagen: weiter so. Auf diesem Weg gewinnt er Stück für Stück, sein Weitspringer-Glück.     –diet