Das Wetter vermasselt so manche Laune. Wer bei Regen radeln geht, der zählt schon zu der verrückteren Sorte. Wer bei Wind, Regen und Kälte einen Mountainbike-Marathon fährt, dem gehört aber auch ein gehöriger Respekt. Wir wollen hier einmal zwei solcher Kandidaten vorstellen, die beide die gleiche Leidenschaft fürs Radfahren mitbringen, aber ganz unterschiedliche Voraussetzungen. Der eine, Hans Schaible, ist ein alter Hase, der jährlich bis 20 Rennen fährt. Stefan Schwertle dagegen ist ein Neuling, der sich erstmals traute einen Marathon zu fahren. Dann das. In Münsingen schüttet es wie aus Kübeln und der Wind peitscht die Nässe bis auf die Knochen. Nicht einmal Hunde gingen bei diesem Wetter auf die Straße, aber die Mountainbiker an den Start – ein sonntägliches Schlammbad inklusive. Am Ende fühlten sie sich bärenstark, nachdem sie durchnässt und voller Dreck durchs Ziel gefahren sind. »Das gefällt mir«, sagt der Gomadinger Schaible, »da wird einem ja warm vom Fahren«. Der Gomadinger gehört zu den alten Hasen und war mit 62 Jahren der Zweitälteste im Feld von rund 500 Fahrern und zeigte eine beachtliche Leistung. In seiner Altersklasse hat Schaible gewonnen, insgesamt fuhr er nach 1:56, 53 Stunden auf Rang 114 durchs Ziel. Sieger Christopher Maletz war mit 1:32,02 Stunden nicht mal eine halbe Stunde schneller. Für Hans Schaible gehört Rad fahren zum Alltag, seit 20 Jahren fährt er durch die Wälder rund um seine schöne Heimatgemeinde und seit fünf Jahren hat er den Wettkampf entdeckt. Rund 8 000 Kilometer sitzt er pro Jahr im Sattel und fühlt sich pudelwohl dabei. Manch jüngerer Teilnehmer hat von ihm nur das Hinterrad gesehen, wenn überhaupt. Einer davon war Stefan Schwertle. Kneifen kam für den Werkzeugmacher bei seiner Premiere nicht infrage. »Ich wollte das Mal erleben, in der Masse mit anderen so ein Rennen zu fahren und nicht nur allein oder mit ein paar Kumpels meine Runden zu drehen. Das war der Reiz für mich«, so der 46-Jährige, der erst vor zwei Jahren mit dem Radeln begonnen hat. »Letztes Jahr hab ich schon dran gedacht mich anzumelden, aber da hatte ich noch nicht den Mumm dazu und auch nicht die Fitness.« Kurz vor dem Start war der Ingstetter, der jetzt in der Nähe von Heidelberg wohnt, dann doch etwas aufgeregt und hat sich vorgenommen, sein Rennen zu fahren. Schwertle schaukelte sein Rad und sich wohl behalten nach 2:35,06 Stunden ins Ziel und blickt stolz auf seine Leistung zurück. Trotz widriger Umstände steht bald wieder so ein Rennen in seinem Terminkalender. »Ich bin infiziert«, schwärmt Schwertle und ergänzt. »Schlimmer kann es ja wettertechnisch nicht mehr kommen.« –diet