Die israelischen Biologen Amotz und Avishag Zahavi haben 1975 eine Theorie aufgestellt, in der sie Überlegungen aus der Evolutionsforschung sowie empirische Befunde aus der Verhaltensforschung ineinander verwoben haben. Nach dem sogenannten Handicap-Prinzip kann ein Handicap, was übersetzt Nachteil bedeutet, auch Stärke demonstrieren. Wer trotzdem nämlich den Wettbewerb mit seinen Artgenossen gewinnt, der geht gestärkt daraus hervor und wird als besonders potent, lebenstüchtig und dadurch als attraktiv wahrgenommen.
Wer sich dafür entscheidet, einen Verein zu führen, nimmt von vornherein einen Nachteil in Kauf: nämlich viel Zeit in diese Aufgabe zu investieren. Wer einen Golfklub führen will, dem unterstellen wir eine gewisse Nähe zu diesem faszinierenden Sport in freier Natur und hier ist ein Handicap gang und gäbe. Daran lässt sich nämlich die Spielstärke eines Golfers messen. Unsere beiden Sportsfreunde heute haben etwa das gleiche Handicap. Michael Hubberten gibt es mit 25,7 an, Uwe Rogotzki mit 25,5. Eines haben sie gemeinsam: Sie haben sich zur Aufgabe gemacht, den GC Reutlingen-Sonnenbühl als Vorsitzende zu führen.
Hubberten dankte nun nach drei Jahren ab und erinnert sich an eine Zeit, die »sehr, sehr viel Spaß gemacht« hat. Wenn jetzt also das Grün die Golfbegeisterten wieder unwiderstehlich zu sich ruft, dann packt auch der 67-Jährige wieder sein Wägelchen und schreitet frohgemut über »den wunderschönen Platz hier oben«. Die Faszination des Golfsports hat Hubberten schon vor drei Jahrzehnten gepackt, damals war der Jurist Mitbegründer des Golfklubs auf der Alb. Und darf nun befreit von seinen administrativen Aufgaben wieder den Ball frei durch die Lüfte schießen. »Wenn die Kugel fliegt, dann bin ich auch frei«, sagt er und erläutert, dass der Sport sehr viel Konzentration erfordert, bei der man völlig den Kopf freikriegt. »Beim Laufen beschäftige ich mit den Alltagsdingen. Beim Golf vergesse ich sie.« Bei Uwe Rogotzki ist das nicht anders. Nur mit einem Unterschied: Der Reutlinger führt nun den Klub. Also gehört das zu seinem Alltag. Der 72-Jährige will den Verein nach vorne bringen und sieht im Altersumbruch die wichtigste Arbeit an sich. Nachwuchs soll sukzessive mehr in den Verein geführt werden. Auch neue Sponsoren will der Unternehmer gewinnen und eine Turnierserie etablieren. Um Golf auch für eine breite Öffentlichkeit attraktiv zu machen.
Ruhe findet er nun wirklich nur noch auf dem Platz, »das genieße ich auch mal alleine«. Dann kann er auch sein Handicap verbessern. Mit dem anderen Handicap verbessert er den Verein und wird nach dem Prinzip der Biologen attraktiver. Ein Handicap muss also kein Nachteil sein.     –diet