Der Sport produziert Dramen, weckt Emotionen, schürt Ehrgeiz. Dafür lieben ihn Millionen, betreiben ihn mit Hingabe, auch wegen seinem positiven Einfluss auf die Gesundheit wie auf das Sozialverhalten. Die Sehnsucht nach der Reinheit des Sports lebt in all jenen, die tagtäglich oder mehrmals wöchentlich die Schuhe schnüren, um zu rennen, kämpfen, fechten, schwimmen, schlagen, keuchen, siegen. Dieser Sport produziert aber auch eine Industrie; seine Bedeutung hat sich in den vergangenen Jahren verändert, »er sei eine Art Leitkultur, ein globalisiertes Sinnstiftungsangebot in einer unübersichtlichen, unsicheren Zeit«, schreibt das Nachrichtenmagazin »Der Spiegel«. Vor allem ist es ein Riesengeschäft mit Milliarden Umsatz, und wo viel Geld fließt, ersäuft die Moral. Und mit ihr das Fair Play. Als 2007 die Doping-Affäre im Radsport seinem Höhepunkt entgegenfuhr, sagte Dopingfahnder Werner Franke, solange es um so viel Geld in Ausdauersportarten geht, so lange betrügen die Menschen. Man konnte sich damals nicht vorstellen, dass diesem Sumpf noch ein tieferer, schmutzigerer weltumspannenderer folgt. Die Korruption in der Fifa toppt alles bislang da gewesene, Funktionäre legen eine hohe kriminelle Energie an den Tag, die an die Mafia erinnert. Ein ganzes Land wird wegen kollektivem Doping von Wettkämpfen ausgeschlossen, da wundert es nicht, dass die Menschen skeptisch sind gegen Großprojekte wie die Olympiabewerbung Hamburgs. Fair Play ist da gefragter denn je. Wer anders als die Protagonisten auf dem Feld, im Sattel, oder auf der Laufbahn könnten dafür sorgen, dass der Sport wieder vermehrt für Werte wie Ehrgeiz, Einsatz, Engagement steht. Die deutschen Handballer mit den beiden Mössingern Co-Trainer Axel Kromer und Physiotherapeut Peter Gräschus haben es bei der EM bewiesen und ernteten mit dem Titel nicht nur den Erfolg mit ihrer Unbefangenheit und unbändigem Willen, sondern auch die Sympathie in weiten Teilen der Welt. Im gleichen Atemzug torpediert ein Weltmeister mithilfe des Schiedsrichters den Fair-Play-Gedanken. Als Mats Hummels sein Eigentor geschossen hat, hätte er nicht protestieren müssen und zugeben können, dass es eben kein Foul war. Das wäre groß gewesen. Vielleicht täte auch ein Blick über den Tellerrand zu den Tischkickern gut. Sie setzen auf das Prinzip Fair Play. Jeder Spieler ist in der Verantwortung, strittige Szenen etwa, wenn einer zu sehr an den Stangen zieht, werden von den Spielern besprochen. Kommt es zu keiner Einigung, kommt ein Schiedsrichter. In Pfullingen ist das am 5. und 6. März in der Schönberghalle zu beobachten. Oder funktioniert das eben nur, weil es um wenig Geld geht? Die Gier unterscheidet den Menschen von anderen Lebewesen, sie führt nicht nur einzelne an den Abgrund, sondern eine ganze Spezies. Neugier hat den Menschen groß gemacht, Habgier holt ihn vom Sockel.     –diet