Ja ich glaub’s ja nicht. Oder doch? Was glaub ich denn? Es ist kaum zu glauben: Der Glaube oder das, was die Menschen daraus gemacht haben, die Religion, tritt momentan mit der hässlichsten Fratze auf, dem Fanatismus und macht sich damit Feinde. Kein Wunder. Einige Wenige missbrauchen ihn und lassen Menschen morden, verbreiten Angst und Schrecken, im Namen des Glaubens. Dabei ist der ureigenste Sinn des Glaubens der Fels in der Brandung, eine Festung im Leben, die Halt gibt und Schutz.
Für jeden Menschen, für Moslems, Christen, Juden, Hindus, Buddhisten – jedem, woran er glaubt, jedem, wie es ihm gefällt. Aber es ist keine gute Zeit dafür, Kirchen sind leer, die Menschen rasen hinter ihren Terminen her, innehalten ist so beliebt wie der Sprung ins Eiswasser. Da braucht es immer wieder Anstöße, den berühmten Tritt in den Hintern (ich glaub, mich tritt ein Pferd), um die Gehirnzellen zu aktivieren, darüber nachzudenken, was wirklich wichtig ist, um es auch in Worte zu fassen. Die Sportregion in Stuttgart ging diesen Schritt. Michael Bofinger und sein Team haben vor über einem Jahr nachgedacht, und nachgefragt. Bei Sportlern und Menschen, die im Sport verwurzelt sind.
Die Sportregion an sich hat sich zum Ziel gesetzt die interkommunale Zusammenarbeit des Sports zu verbessern, sie möchte Anstöße geben, verbinden. Im Jahr des Kirchentages in Stuttgart fragten sie mutig nach dem Glauben des Einzelnen. Und wollten jeden Tag eine Antwort. Und fanden jeden Tag eine Antwort. »Es war überragend«, sagt Michael Bofinger. Der Geschäftsführer gibt zu, dass sie blauäugig das Thema begonnen hätten, weil »wir uns dem Umfang nicht bewusst waren«. Doch es lief. Die Menschen liefen zur Hochform auf. Als ob sie darauf gewartet hätten.
TV-Moderator Frank Buschmann etwa schnappte sich nach der Anfrage sofort sein Smartphone, ließ seinen Herzensgedanken freien Lauf, zeichnete sie auf und machte damit nicht nur Bofinger glücklich, der mal wieder einen Tag abhaken konnte. Es öffneten Promis wie Knut Kircher oder Weltklasse-Ringer Frank Stäbler ihr Innerstes genauso wie viele normale Menschen, was den Geschäftsführer besonders gefreut hat. 365 Glaubensstimmen, 365 unterschiedlichste Texte. »Wir haben eine große Bandbreite. Das ist das Schönste bei der Sache«, lautet das Fazit des Machers. Die Texte sind unter www.sportregion-region/daranglaubeich nachzulesen. Es lohnt sich.
Da lassen wir doch noch einen großen der Zunft zu Worte kommen, Kollege Heinrich Heine (1797 bis 1856): »O schwöre nicht und küsse nur, Ich glaube keinem Weiberschwur! Dein Wort ist süß, doch süßer ist, Der Kuss, den ich dir abgeküsst! Den hab ich, und dran glaub ich auch. Das Wort ist eitel Dunst und Hauch.«    –diet