Die Zeit rauscht an uns vorbei, da übersieht man schon so allerlei. Mit einem Gedicht eröffnen wir unseren heutigen Sportsfreund, der im Grunde genommen viele Sportsfreunde zum Inhalt hat. Vor 300 Jahren war noch nicht einmal Goethe geboren. Der Geheimrat und geschätzte Dichter gehört zu dieser Kolumne wie der Buchstabe S zum Alphabet und begleitet uns mit Weisheiten schon ein ganzes Leben lang. Zwar dauert das noch keine 300 Jahre, doch am Ende eines Jahres blicken wir ja immer zurück nach vorn.
Den Sportsfreund gibt’s ja schon ziemlich lange, dachten wir so bei uns und schnappten den Rechenschieber. Nachdem wir sämtliche mathematische Formeln vergewaltigt haben, die Rechenmaschine verbogen, kamen wir auf eine unglaubliche Zahl. Mehr als 300 Sportsfreunde erblickten bislang das Licht der Welt und manch ein Produkt geistiger Akrobatik zwang Leser sogar zu einer Reaktion. »Toller Artikel, so eine Qualität sind wir von unserer Lokalpresse nicht gewohnt«, schwärmte Stefan Allgaier vom WSV Mehrstetten über den »Sauheld« am 25. Juli 2013 und verfasste damit ein besonderes Lob. Beim Erinnern und Stöbern im Archiv entdeckten wir Menschen, die förmlich auf die Kolumne warten und enttäuscht sind, wenn, aus welchen Gründen auch immer, kein WOCHENBLATT ins Häusle flattert, also sprich kein Sportsfreund. Karin Geisenhofer etwa trauerte im Juli 2012 darüber, kein Blättle am Donnerstag zu bekommen. »Das ist sehr schade, mir fehlt insbesondere der Sportteil, Ihr Sportsfreund.«

Kurze Zeit später flog ein kurzes aber herzliches »Super« in Versalien geschrieben in die Redaktion, da war die Welt der Geisenhofers zumindest in Sachen Sportsfreund wieder in Ordnung. »Schöner und gelungener Artikel«, das lasen wir immer wieder von Menschen, die auch mal an die einsamen Schreiber denken, die sich das Hirn zermartern, um eine Geschichte ein bisschen anders zu erzählen. Offensichtlich, das wissen wir auch aus persönlichen Gesprächen, kommt der freundliche Sportsfreund gut an. Das freut uns genauso wie jede einzelne Rückmeldung.
Wolfgang Schiller schrieb am 2. Juli 2015: »Ich habe gerade ihren Artikel online gelesen: Sie sind einfach Klasse. Herzlichen Dank.« Sein Vereinskollege Hubert Werz sprach von »einem absolut genialen Artikel«; der Anlass dafür war allerdings traurig. Es war die Erinnerung an den tragischen Tod von Winfried Nau vom TSV Upfingen; beim Lesen, so teilte uns Hubert Werz im persönlichen Gespräch mit, »musste man fünf Mal schlucken und hatte Tränen in den Augen«. Das Traurige hat uns genauso begleitet wie der Spaß und die Wortspielerei, es gab dramatische Geschichten, die wir nie vergessen werden. Der tragische Tod von Uli Hagen, mit dem wir immer wieder zusammengesessen sind, konstruktive und freundliche Gespräche geführt haben, ließ den Schreiber der Zeilen nicht kalt. Wir zitieren aus der Reaktion von Michael Hubberten vom TSV Undingen auf den Sportsfreund am 21. August 2010: »Ihr Artikel am Donnerstag hat mich und alle, mit denen ich sprach, tief bewegt. Kam doch deutlich zum Ausdruck, dass Sie zu Uli eine ganz persönliche Verbindung hatten, die über das Berufliche weit hinausgegangen ist«.

Der Sportsfreund ist und bleibt ein Freund der Menschen, ihrer Ideen, seien sie noch so verrückt, oder gerade dann finden sie hier einen Platz, wo sie sich äußern können. Über 300 Mal haben wir uns mit Menschen unterhalten, sie befragt nach Persönlichem, nach ihrem Befinden, nach ihren Sehnsüchten. Immer wieder tauchten auch Protagonisten wiederholt auf wie etwa Stephan und Andreas »Vater« Rein, Michael Graw, Katharina und Christian Brauße, David Horvath oder jüngst die Schwarzgelben Reutlinger. Der Sportsfreund ist ein Spiegel des Lebens mit Geschichten, die für eine Meldung zu unwichtig, aber viel zu wichtig sind, um vergessen zu werden. Die Kolumne lebt aus dem Leben und entwickelt sich wie die Figuren weiter. Deshalb gibt es für einen zweiten Auftritt keine Beschränkung. Nur der Wandel ist beständig, heißt es so schön und da blicken wir am Ende ein bissle zurück und voraus. Kommendes Jahr wartet die Fußball-Europameisterschaft auf uns. Da war doch was?
Jogis Jungs mussten nach dem Halbfinale 2012 gegen Italien die Segel streichen und nach Hause fahren. Der Sportsfreund rappte damals munter drauf los. Wir zitieren noch einmal und hoffen, es werde diesmal anders kommen als damals. »Tränen fielen von der Wange, uns allen wurde so bange, da half nur der Griff zum Wein, konnte das alles sein? Zwei Tore schenkte Ballotelli ein, die Italiener jubeln Bravotelli, fein. O Graus, wieder im Halbfinale raus.« Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, und wir Sportsfreunde bleiben wach und beobachten das Geschehen mit offenen Augen. Was auch immer passieren mag. Geschichten gibt es immer. Wir machen weiter und bleiben heiter.
Und enden einmal mehr mit dem guten alten Goethe. »Die alte Natur bringt fort und fort überall Neues und Dauerndes hervor.«    –diet