Es gab da eine Zeit, in der des Nachts noch keine Lichter leuchteten. Dann war es dunkel. Das ist das Wesen der Nacht. Das Dunkle  prägte natürlich auch das menschliche Leben. Was sich da so alles in den Gehirnen herumgesponnen hat, lässt heute noch das Gemüt erschaudern. Fantasie- und Sagenwesen entstanden und geisterten in der Vorstellung der Menschen herum. 
Gespenster ist da noch das wohlfeilste von allen. Vampire, Drudenkopf, Weichselzopf, oder auch Nachtalp hießen unter anderem die Gestalten die Angst machten, vor denen man sich verstecken musste, die man am besten mied. Damals dachten die Menschen, da draußen gäbe es Leben. Ob da ein Bürgermeister für die dunkle Zeit sinnvoll gewesen wäre? Was hätte er tun können? Die Frage bleibt im Raum stehen, weil wir es nicht wissen. Es waren ja vor allem Fabelwesen und dafür hat wohl ein Nachtwächter gereicht. Wenn gar keine Wesen unterwegs sind, dann braucht man aber auch keinen Bürgermeister. Des Nachts nämlich scheint die Reutlinger Innenstadt wie ausgestorben. 
Das weiß auch Finanzbürgermeister Alexander Kreher zu berichten. Die Passantenfrequenzen seien vor allem werktags nach 24 Uhr deutlich gesunken, die Attraktivität der »Stadt nach acht« habe nachgelassen.  Das einstmals intakte Leben im Verborgenen zwischen den Kneipen, Discos und Clubs, das wir alle in unserer Jugend genießen durften, ausgestorben. Da hört sich die Antwort  vonseiten der Stadtverwaltung doch vernünftig an. Wo kein Leben ist, da braucht’s auch keinen Bürgermeister, so lautete jüngst  die Stellungnahme im Finanzausschuss  aufgrund einer Anfrage der Freien Wähler im vergangenen Februar. Auch schon wieder eine Weile her. Das Anliegen  richtete sich dahin, ein Bindeglied zu schaffen zu den Behörden, das aber nicht nur als Ordnungskraft wirke, sondern auch behilflich sei bei der Erstellung von Partykonzepten. Also ein  Geburtshelfer für das eingeschlafene Nachtleben, der die bestraft, die nachts unterwegs sind, wenn sie allzu sehr über die Strenge hauen. Falls sie ihn nicht verhauen. Das Nachtleben gehört zur Stadt wie das Rathaus oder der Kirchturm. Genauso wie die Straßen. Die sollen aber bald autofrei sein, was der OB jüngst andachte. Noch während seiner Amtszeit, das sind noch gut sieben Jahre, will Thomas Keck den Verkehr aus dem Stadtkern verbannen, also eine autofreie Altstadt. 
Dann hätte sich auch das erledigt, was die WiR-Fraktion jüngst beantragte. Sie fordern die Stadtverwaltung auf, »unberechtigt Parkende auf Behindertenparkplätzen und  Ladesäulen abzuschleppen oder gerechtfertigtes Abschleppen umzusetzen«. Gerade in der Metzgerstraße ist dieser Unfug an der Tagesordnung. Vor allem auf Parkplätzen für Menschen mit Behinderung ist dies besonders ärgerlich. Wenn keine Autos mehr fahren dürfen, hat sich das erledigt. 
Da schlägt der OB zwei Fliegen mit einer Klappe.  Der Nachtbürgermeister ist da eine andere Hausnummer. Das ist ein dickes Brett, das es zu bohren gilt. Alexander Kreher versichert, dass die Stadt nicht untätig sei, und nennt die Sperrzeitreduzierung für die Außengastronomie als Beispiel.  Warten wir es also ab. So ganz abwegig ist die Idee ja gar nicht. Nur wer soll das machen? Man findet ja kaum mehr für den Tag einen geeigneten Schultes. Man braucht sich nur in der Nachbarschaft umschauen.