REUTLINGEN. Mit einem Treffen von 13 inklusiven Bands aus ganz Deutschland ging am vergangenen Samstag das sechste internationale Festival »Kultur vom Rande« zu Ende. An acht Tagen haben deutlich über 6 000 Besucher die insgesamt 80 Einzelveranstaltungen zum Motto »Überall und irgendwo« gesehen. Gut 800 Teilnehmende haben sich an den 14 Workshops und an weiteren Mitmach-Aktionen beteiligt, darunter der Kunstbaustelle im Bürgerpark. An den Aufführungen, Kunstprojekten, Ausstellungen und am Mitmach-Programm wirkten zusammen mehr als 600 Künstler und Akteure mit und ohne Behinderung mit. Auf der Bühne und beim Straßentheater traten zwölf Ensembles aus neun Ländern auf. Rund 100 Helfer sorgten für den reibungslosen Ablauf.  »Das Programm war so vielfältig wie noch nie«, zieht Elisabeth Braun als künstlerische Leiterin des Festivals Bilanz. »Wir hatten nicht nur so viele Kulturpartner wie noch nie im Boot, sondern haben mit den Innenstadt-Geschäften, in denen unsere Bands beim Reutlinger Stadtfest aufgetreten sind, auch einen ganz neuen Personenkreis erreicht.« Die Rückmeldungen seien durchweg positiv ausgefallen. Darüber hinaus sei das Festival auch inhaltlich höchst heterogen gestaltet gewesen. »Es waren sämtliche Facetten der Kulturarbeit in unserem Programm zu finden«, sagt Elisabeth Braun, »wir waren so breit aufgestellt wie nie.«

Neue Aspekte darunter waren das Thema Design, das eigens in Auftrag gegebene Erlebnistheater und ein zusätzliches Theaterangebot für Kinder und Jugendliche unter professioneller Leitung. Damit Menschen mit Behinderung und Benachteiligung nicht nur alle drei Jahre bei einem großen Festival auftreten und mitmachen können, ruft das Organisationsteam von Kultur vom Rande eine Servicestelle als Projekt »Kultur ohne Ausnahme« ins Leben. Sie soll einen leichteren Zugang zur Kultur ermöglichen. »Unser Anliegen soll sich im kulturellen Leben der Stadt verstetigen«, sagt Braun. »Dazu geben wir unsere  Erfahrungen aus den Festivals und Projekten weiter.« Für das künftige Kulturbüro hat bereits ein Probebetrieb begonnen, von Januar 2015 an soll dann die Servicestelle mit einer Fachkraft und einer szenekundigen Expertengruppe besetzt werden. Finanziert wird das Büro aus Mitteln der Aktion Mensch. »Die organisatorische Herausforderung für ein Festival mit so vielen ganz unterschiedlichen Beteiligten ist höchst spannend«, sagt Rosemarie Henes von BAFF, die Kultur vom Rande vor 14 Jahren gemeinsam mit Elisabeth Braun aus der Taufe hob. Vor allem zusätzliche bürokratische und institutionelle Hürden hätten dieses Mal allerdings einen enormen Mehraufwand verursacht. »Das ist mit normaler Arbeitskraft einfach nicht zu schaffen«, so Rosemarie Henes. Mit welchem Konzept sich Kultur vom Rande weiterentwickelt, soll nun zusammen mit dem neu geschaffenen Kulturbüro erarbeitet werden.