Sogar heute. Ganz Deutschland erfuhr in der Nachrichtensendung zur besten Zeit um 19 Uhr von den Problemen von Reutlingen – und wie das Bundesverwaltungsgericht die Reichsstädter entlastet. Einmal durchpusten. Doch Thomas Keck blieb erst einmal die Freude im Halse stecken, genau wegen heute. 
Als er den Bericht über das Urteil am nächsten Tag  ansah, da regte sich der OB doch ziemlich auf. Schließlich war da der Eindruck entstanden, Reutlingen sei dreckig. Gleichwohl den Rathausoberen und den verantwortlichen  Verwaltungsmitarbeitern fiel schon ein Brocken so groß wie die Achalm vom Herzen nach dem Urteil, was im Kern besagt: Reutlingen muss keine Fahrverbote befürchten – vorerst. Die Leipziger Richter kippten demnach das Urteil des Mannheimer Verwaltungsgerichtshofs, die zwingend Fahrverbote gefordert haben. 
Der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit obsiegte. Die Stadt sei auf einem guten Weg die Grenzwerte einzuhalten. Da haben es die Reutlinger jetzt also von allerhöchster Ebene schriftlich. Die Bemühungen oft belächelt, manchmal unglücklich, immer wieder schlecht gemacht von Bürgern und den Medien  fruchten und es sieht zumindest momentan so aus, als ob sie eingehalten werden. 
Gleichwohl sahen die Richter um ihren Vorsitzenden Andreas Korbmacher  nicht alles durch die rosa Brille. Die positiven Prognosen eines Fachgutachtens etwa seien nicht wirklich belastbar und schwer nachvollziehbar. Zudem gäbe es in der Lederstraße, trotz der Möglichkeit, die Stadt durch den  Scheibengipfeltunnel zu umfahren, noch zu viel Verkehr in der Lederstraße. 
Die aktuell gültige vierte Fortschreibung des Luftreinhalteplans basiert auf Messwerten aus dem Jahr 2017. Darauf bezieht sich auch das Urteil des Verwaltungsgerichtshofs vom März 2019. Der Stickstoffdioxid-Jahresgrenzwert senkte sich  von 60 Mikrogramm im Jahr 2017 auf 46 Mikrogramm im Jahr 2019.  Prognostiziert ist, dass der Jahresmittelwert für das Jahr 2020 unter dem Grenzwert von 40 Mikrogramm liegen wird. Die letzten Impulse zur Senkung der Messwerte unter den Grenzwert gab ein Maßnahmenpaket, das aus dem städtischen Haushalt und mit Fördermitteln von Bund und Land finanziert und Ende vergangenen/Anfang dieses Jahres umgesetzt worden ist. 
 Weitere Wirkung entfalten werden in diesem Jahr  das im September 2019 umgesetzte neue Stadtbuskonzept und das 365-Euro-Ticket, hofft der OB. »Ich bin überzeugt davon, dass sich das positiv auf die Luftqualität, das Klima die Gesundheit der Reutlingerinnen und Reutlinger – und schlussendlich auch auf die Messwerte auswirken wird«, kommentierte Thomas Keck das Urteil. Am Ende bleibt eines: Die Anstrengungen haben sich gelohnt und lohnen sich weiter. Nicht nur um die Luft an der Messstation zu verbessern, sondern in ganz Reutlingen und drum herum. Saubere Luft tut allen gut.             -diet