Dass Jugendliche ein Jahr als Au Pair im Ausland verbringen ist nicht neu. Seit ein paar Jahren haben auch Frauen im fortgeschrittenen Alter diesen Trend für sich entdeckt. Sie gehen als »Oma auf Zeit« in eine Gastfamilie außerhalb von Deutschland. Über die Aufgaben und worauf man achten sollte, sprachen wir mit Michaela Hansen, Inhaberin einer Vermittlungsagentur.


Frau Hansen, seit wann gibt es die »Oma auf Zeit«?
Michaela Hansen: Seit Anfang 2010 vermitteln wir jung gebliebene »Omas« weltweit und das mit großem Erfolg.

Ab welchem Alter kommt man dafür in Frage?
Michaela Hansen: Unsere Damen sind zwischen Ende Vierzig und Mitte Siebzig. Reiselust kennt keine Altersbeschränkung, deshalb geben wir auch keine vor. Diese wollen wir ja gerade mit unserem Angebot abbauen. Die wenigsten Frauen der Generation 50 plus konnten in jungen Jahren für eine längere Zeit ins Ausland gehen.

Welche Voraussetzungen muss man erfüllen?
Michaela Hansen: Wichtigste Voraussetzung ist, dass man Lust auf die neue Herausforderung als Granny Aupair ins Ausland zu gehen hat. Es ist immer ein ganz individuelles kleines Abenteuer, auf das man sich einlässt. Dazu braucht man Mut, Toleranz und Lebensfreude. Darüber hinaus haben sich Geduld, Anpassungsfähigkeit und eine gute Portion Humor bewährt.

In welche Länder wird in der Regel vermittelt?
Michaela Hansen: Wir vermitteln weltweit. Bisher sind über Granny Aupair mehr als 500 Frauen in über 40 Länder gereist - von Australien über Asien, Europa bis nach Amerika.

Was erwartet die »Omas auf Zeit« dort? Was gehört zu ihren Aufgaben?
Michaela Hansen: Unsere Grannies entlasten die Familien, zu denen sie reisen. Sie spielen, malen, backen oder singen mit den Kindern. Die Aupair-Oma bringt die Kinder in die Schule oder den Kindergarten und hilft bei den Hausaufgaben. Als Granny auf Zeit teilen sie die Freuden des Alltags mit ihren Schutzbefohlenen und sind den Tag über Ansprechpartnerin für die kleineren Sorgen und Nöte der Jüngsten.

Gibt es auch »Opas auf Zeit«?
Michaela Hansen: Frauen werden von den Familien eindeutig bevorzugt.

Auf was muss man achten, wenn man sich vermitteln lässt?
Michaela Hansen: Bevor man einer Familie zusagt, sollte man sich mit ihr über möglichst viele Details und Voraussetzungen des Aufenthaltes einig werden. So kommt es später nicht zu Überraschungen und beide Seiten wissen, worauf sie sich einlassen. Einige Punkte, über die man im Vorfeld sprechen sollte sind Aufgabenbereiche, Wohnsituation, Tagesablauf, Freizeitgestaltung, gemeinsame Aktivitäten, Infrastruktur, kulturelle Unterschiede und so weiter.

Welche Kosten kommen neben den Agentur-Mitgliedsgebühren auf die Teilnehmerinnen zu?
Michaela Hansen: Viele unserer Familien übernehmen die Reisekosten für die Granny ganz oder anteilig. Es ist empfehlenswert, eine zusätzliche private Reisekranken- sowie eine Auslandshaftpflichtversicherung abzuschließen. Nur die einzigartigen Erlebnisse und Eindrücke, die stillen Momente und die großen Freuden, die unseren Frauen auf ihrer Reise begegnen, sind unbezahlbar.

Zahlt die Gastfamilie eine finanzielle Aufwandsentschädigung?
Michaela Hansen: Als Granny Aupair hat man im Gegenzug bei freier Kost und Logis die einmalige Gelegenheit, die Lebensweise eines fremden Landes zu erkunden und seine Sprache zu erlernen. Unsere Vermittlung ist keine Jobvermittlung. Die Details des Aufenthaltes sprechen die Frauen direkt mit der Familie ab. Es ist eine private Reise, während man anstatt in einem Hotel bei einer lieben Familie. Ein Taschengeld kann man mit der Familie direkt aushandeln werden. Geldverdienen sollte nicht im Vordergrund stehen. Unsere Philosophie ist der kulturelle Austausch.
 Fragen von Anja Chmielewski