So viel Lob gibt es selten. So viel Anerkennung – bundesweit –  erlebt die Idee und Vollendung eines Bauprojektes  selten. 
Als Startschuss für das Hölderlin-Jahr wurde am vergangenen Wochenende mit einem großen Festakt der sanierte Hölderlin-Turm samt Museum feierlich der Öffentlichkeit übergeben. Viel Prominenz hat sich dazu in der Alten Aula in Tübingen eingefunden: unter anderem die Kulturstaatsministerin Monika Grütters war gekommen sowie Ministerpräsident Winfried Kretschmaqnn. 

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Einhelliges Urteil:  großartig
Der Dichter Friedrich Hölderlin wurde vor 250 Jahren geboren und starb 1843. Zeitungen, Radios und Fernsehsender – online wie Print –  aus dem gesamten Bundesgebiet  berichteten vorab und danach   ausführlich über dieses Ereignis. Alle mit einhelligem Urteil: das haben sie großartig gemacht. Allen voran der Ministerpräsident des Landes: Winfried Kretschmann wollte vor dem Festakt in der Alten Aula noch ein wenig eins sein mit dem Ort und die Atmosphäre dieses besonderen Platzes aufsaugen. So richtig gelang es ihm ob der vielen Interviewanfragen nicht, dafür fiel sein Urteil eindeutig aus: Er sei beeindruckt von der Art der Literaturvermittlung im Turm, der ein Magnet für Hölderlinbegeisterte aus aller Welt sei.  Dieser Ort lasse Hölderlin, dessen Verse den Körper vibrieren lassen, so die Stuttgarter Zeitung und dessen Sprache »verstörend schön« sei, aber für viele unverständlich bliebe,  wieder aufleben. 
Genau das ist das große Verdienst dieses Museums, das nicht vor modernen Medien zurückschreckt, sondern sie nutzt im besten Sinne. Um die Verse und das Leben einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Eintritt dafür ist der beste Beweis: es kostet nichts. 
Die Ausstellung ist keine Heldenverehrung eines toten Dichters, sondern sie macht Dichtung lebendig. Wie das geht? In den verschiedenen Räumen kann man sich die Gedichte nicht nur vorlesen lassen, sondern durch Handauflegen auch den Rhythmus erfahren. Es gibt audiovisuelle Effekte, interaktive Bildschirme, oder ganz einfach und sehr effizient, Sätze, Zeilen und Verse an der Wand im Treppenhaus, zwischen den Zimmern. Eine Holzplatte vibriert im Versmaß der Zeilen. Man kann in einem Computerspiel Verse über Hindernisse springen lassen oder im Garten ein Gedicht in verschiedenen Geschwindigkeiten ergehen. Die Macher dieses Museums, die Architekten, Kuratoren, die Museumsleiterin Dr. Sandra Potsch, die Stadt Tübingen, das Deutsche Literaturmuseum Marbach und sein Kurator Dr. Thomas Schmidt sie alle und auch die Handwerker aus den verschiedensten Gewerken, jeder einzelne der an diesem Werk beteiligt war, haben einen pragmatischen weitsichtigen geerdeten Blick für die Konzeption selbst wie auch für die Umsetzung.Sie haben sich alle nicht davon beeindrucken lassen, dass der Turm nicht mehr der Ort war, an dem Hölderlin einst gelebt und gewirkt hat. Der Originale ist 32 Jahre nach dem Tod des Dichters niedergebrannt. Was als einziges authentisch die Hand Hölderlins berührt hat, ist der kleine Tisch im runden Turmzimmer hoch über dem Neckar, auf den er immer eingeschlagen hat, wenn er »Streit mit seinen Gedanken« hatte, wie es seine Vermieterin Lisa Zimmer ausgedrückt hat oder wenn er die Verse hörbar ausgemessen hat. Vor allem der Stadt Tübingen gilt es zu danken, denn sie nahm 1,72 Millionen Euro in die Hand für diesen Ort, der wie kein Zweiter die Unistadt auf Bildern repräsentiert. Kaum ein Bild der Stadt kommt ohne ihn aus. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 2,15 Millionen Euro. Das Land Baden-Württemberg gewährt einen Zuschuss von 185 000 Euro, die Wüstenrot-Stiftung 250 000 Euro. Die Neugestaltung des Gartens schlägt mit 400 000 Euro zu Buche. Dies finanziert auch die Wüstenrot-Stiftung. -diet