Nein, es war kein Fasnetsscherz, obwohl der Termin ausgerechnet am »Schmotziga Doschdig« stattfand. Zu Scherzen aufgelegt waren die Herren und Damen trotzdem, denn schließlich kommt es nicht alle Tage vor, dass ein Ort sich »Staatlich anerkanntes Heilbad« nennen darf. Bad Urach darf es und verfügt damit über ein Alleinstellungsmerkmal in der Region. Die erste von zehn Ortstafeln montierte Fritz Link, Präsident des Heilbäderverbands Baden-Württemberg gemeinsam mit Bad Urachs Bürgermeister Elmar Rebmann am Radweg Ortsausgang in Richtung Dettingen. Mit dabei waren auch Torsten Clement, der Amtsleiter für Tourismus, Kultur und Stadtmarketing, Eva Marie Rühle, Berufsbildungsexpertin, stellvertretende Vorsitzende des DEHOGA Baden-Württemberg und Betreiberin einer Reha-Klinik in Bad Urach, Andrea Bernadi, Geschäftsführerin der Albthermen und Uli Wüstner, Geschäftsführer der Fachkliniken Hohenurach. 
Bürgermeister Elmar Rebmann machte keinen Hehl daraus, wie wichtig der Zusatz im Ortsschild ist, bezeichnete aber gleichwohl die Vergabepraktiken als »heikle Angelegenheit«. Schließlich müsse mit solch einer Vergabe sorgsam umgegangen werden, damit kein »Wildwuchs« entstehe. Sein Bürgermeisterkollege Fritz Link, der gleichzeitig auch der Präsident des Heilbadverbands Baden-Württemberg ist, erklärt, welch langen Atem es braucht. Die Initiative sei 2018 gestartet. Da hier im Ländle bekanntlich die größte Dichte an Heilbädern herrsche, sei es schon längst überfällig gewesen. Ein vom Land beauftragtes »Gutachten zur Fortentwicklung des Heilbäder- und Kurortewesens in Baden-Württemberg«, wie es im Amtsdeutsch heißt, hatte unter anderem die Herausstellung des kurörtlichen Prädikats empfohlen. Das »Staatlich anerkannte Prädikat« stelle das Alleinstellungsmerkmal eines jeden Ortes deutlich besser heraus. Link sprach von der Wichtigkeit des »Binnenmarkektings«. 
Nun schreien bekanntlich nicht gleich alle Hurra, wenn es um Veränderungen geht, und die bürokratischen Hürden stellen auch im Ländle eine gewisse Herausforderung dar. Das bestätigte Eva Maria Rühle. Sie habe als Vertreterin des Heilbäderverbands ebenfalls an Links Seite mitgekämpft. Hartnäckigkeit und viel Geduld seien von Nöten.
 Was folgte, waren enorm viele Gespräche. Schließlich sei ein parlamentarischer Abend sehr fruchtbar gewesen, verriet Link. Zuvor haben 38 höher prädikatisierte Heilbäder und Kurorte den Antrag in ihre Stadt- beziehungsweise Gemeinderäte eingebracht und endlich die entsprechende Zustimmung erhalten. 
Der stellvertretende Ministerpräsident und Innenminister Thomas Strobl sprach seine Empfehlung aus und schließlich gab am 17. Dezember 2019 das gesamte Landeskabinett »Grünes Licht«. Daraufhin dürften einige Sektkorken geknallt haben – immerhin werden insgesamt 240 Ortsschilder umgestaltet. Auf die Frage nach den Kosten, konnte Torsten Clement, der Tourismus-Chef, nur lächeln. »Dank des Großauftrags kosten die zehn Uracher Ortstafeln die Stadt nur 800 Euro«. 
Rebmann erklärte noch abschießend, dass die Stadt sich sehr wohl in der Verpflichtung sehe, den hohen Standard zu halten. Schließlich werde das Prädikat in regelmäßigen Abständen überprüft. Sich ihrer Sache sicher stiegen Rebmann und Link auf die Leiter und legten selbst Hand an. In dem Moment war das Ganze auch ziemlich easy, denn das Sträßle nach Dettingen, welches eigentlich ein Radweg ist, wurde nicht so stark frequentiert. Aber während des Pressetreffs blieb es keineswegs ruhig am Ortsausgang. Fette SUV»s passierten die Straße. Uli Wüstner, der Geschäftsführer der ortsansässigen Fachkliniken, machte gar Autos mit Frankfurter und Münchner Kennzeichen aus. Kein Wunder: Wahrscheinlich waren es Kurgäste die sich perfekt mit den sogenannten »Schleichwegen« auskennen. 

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