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Ungeliebte Weihnachtsgeschenke

Herbert Lawo.
pr

26. JANUAR 2012
 

Jedes Jahr an Weihnachten werden unzählige Tiere trotz aller Warnungen verschenkt. Wenn sie nicht mehr gebraucht werden oder die Beschenkten merken, dass die Tiere der Pflege und Fürsorge brauchen, werden manche wieder ausgesetzt. Oft landen die Kreaturen dann in Tierheimen. Wir haben beim Reutlinger Tierheim nachgefragt, wie es in diesem Jahr aussieht. Der Vorsitzende des Tierschutzvereins Reutlingen, Herbert Lawo, stand uns Rede und Antwort.
 

Herr Lawo, wie viele Tiere mussten sie in den vergangenen Tagen als sogenannte Geschenke aufnehmen.
Herbert Lawo: In den ersten beiden Wochen des Jahres haben wir im Reutlinger Tierheim insgesamt 73 Tiere aufgenommen, darunter sind 25 gefundene Katzen beziehungsweise Hunde, die anderen wurden abgegeben. Ob es sich dabei um Tiere handelt, die erst zu Weihnachten verschenkt wurden, erfahren wir meist nicht. Da einige davon noch relativ jung sind, könnte man daraus schon schließen, dass es sich um unbedachte, nicht abgesprochene Geschenke handelt. Erfahrungsgemäß kommt die Phase aber noch, in der das tierische Geschenk zur Last wird, weil es Arbeit macht, Aufmerksamkeit und Beschäftigung einfordert, Geld kostet. Eine Zeit lang nehmen die Halter das meist in Kauf, bevor sie sich dann zur Trennung vom Tier entscheiden. Das wird vermutlich im Laufe der nächsten Wochen sein.

Welchen Grund geben die Leute bei der Abgabe an?
Herbert Lawo: Die genannten Gründe sind vielfältig: Keine Zeit mehr, zum Beispiel wegen veränderter Arbeitssituation, in einer neu bezogenen Wohnung dürfen keine Tiere mehr gehalten werden, die Kinder haben kein Interesse mehr an den Tieren, die Lebenssituation ändert sich, etwa infolge einer Trennung vom Partner ist die Betreuung nicht mehr möglich oder ein neuer Partner tritt ins Leben, der keine Tiere mag, Allergien sind immer noch oft genannt, aber auch verschlechterte finanzielle Verhältnisse beziehungsweise unerwartet hohe anfallende Kosten zum Beispiel für medizinische Versorgung der Tiere, oder Abgabe aus Krankheits- oder Altersgründen des Halters. Es gibt aber auch ein paar Fälle, in denen die Halter aufgrund mangelnder Versorgung der Tiere zur Abgabe aufgefordert worden waren.

Versuchen Sie die Leute noch umzustimmen oder akzeptieren sie die Entscheidung der Abgabe sofort?
Herbert Lawo: Dies ist immer im Einzelfall zu klären. Es gibt Fälle, in denen den Haltern mit Beratung geholfen werden kann, Situationen zu schaffen, die eine gute tiergerechte Fortsetzung der Tierhaltung ermöglichen. Wenn aus dem Gespräch aber erkennbar ist, dass man der Tiere überdrüssig ist oder die Lebenssituation einfach nicht zur Tierhaltung passt, dann machen Umstimmungsversuche keinen Sinn.

Welche Tierarten sind es denn vor allem, die zu Ihnen gebracht werden?
Herbert Lawo: Die oben genannte Zahl setzt sich aus über 40 Katzen, 12 Hunden und etwa 20 Kleintieren zusammen. Bei den Kleintieren führen Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster, Rennmäuse und Farbratten die Liste an, aber auch Degus, Chinchillas, exotische Schildkröten, Echsen, Fische und verschiedenste Vögel kommen ins Tierheim. Immer wieder kommen auch ganz exotische Tiere, deren Art und Haltungsanforderungen erst mit hohem Aufwand überhaupt bestimmt werden können.

Warum handeln die Menschen nach wie vor so verantwortungslos. Die Medien sind doch vor Weihnachten immer voll mit Warnungen, man solle das nicht tun?
Herbert Lawo: Informieren und informiert sein klaffen leider auch in diesem Fall weit auseinander. Ich denke aber, dass selbst viele informierte Menschen die Anforderungen von Tierhaltungen und was das für den persönlichen oder familiären Lebenszusammenhang bedeutet, sehr unterschätzen, nach dem Motto "Mir passiert so etwa doch nicht ...!". Andererseits tragen wohl auch das Konsumdenken und die Verkaufsstrategien von Tierhändlern dazu bei, dass die Verlockung, zum Beispiel fordernde Kinderaugen zufriedenstellen zu wollen, die Bedenken überlagern. Obwohl Tiere fühlende Lebewesen sind, geht die Gesellschaft leider oft noch mit ihnen um als wären es Sachen, Einfühlungsvermögen und der Bezug zu ihren natürlichen Bedürfnissen fehlen oft. Wir fordern schon lange, dass der Kauf von Tieren rechtlich an den verpflichtenden Nachweis vorhandener geeigneter Haltungsbedingungen und entsprechender Sachkunde gebunden wird.

Was passiert mit den Tieren?
Herbert Lawo: Die Tiere werden natürlich zunächst individuell tiergerecht versorgt, untergebracht und medizinisch betreut, und dann versuchen wir für jedes ein geeignetes passendes neues Zuhause zu finden.
 
 

Interview von Dieter Reisner

26.01.2012 - aktualisiert: 26.01.2012 09:07 Uhr

 

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