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»Bei Hochklasse-Architektur müssen die Details stimmen«

In Kürze fällt der Startschuss für die Fassaden-Montage.
pr

10. März 2011
 

In Sachen Akustik scheint alles paletti. Der Elchtest für den perfekten Klang ist zwar noch nicht gemacht, wohl aber schon vorgeprobt: Bei einem Hör-Check im Klanglabor der Uni Stuttgart haben sich der Chefdirigent und der Intendant der Württembergischen Philharmonie unlängst von der Güte des Konzertsaals überzeugt. Das Fazit von Intendant Cornelius Grube: »Die Voraussetzungen für eine gute Akustik seien gegeben«.


Das Herz des Gebäudes klopft also schon fast. Fehlt nur noch die Hülle, könnte man meinen. Und genau damit ist das Planungsteam um Architekt, Projektleitung und Bauausschuss gerade beschäftigt. Die Fassade - man kennt sie vom Architekturmodell - wird den Bau in changierende warme Brauntöne kleiden. Sie wird über die nächsten Monate hin montiert und soll dem schönen Klang im Inneren den äußeren Glanz verleihen. Architekt Max Dudler und die Mitglieder des Bauausschusses haben dem Farbkonzept gerade das letzte i-Tüpfelchen verpasst: Vor zwei Wochen sind sie in Berlin zu Abstimmungsgesprächen zusammengekommen.
Im April beginnen die Vorarbeiten für die Montage am Gebäudesockel.

Drei Wochen später werden die ersten Fassadenelemente eingesetzt. Die Metallplatten, mit denen bis zu 80 Meter lange Gebäudeseiten verkleidet werden, stammen von einer Spezialfirma und verfügen über eine hochwertige Pulverbeschichtung. Nicht jeder war in der Vergangenheit mit der geplanten Farbe einverstanden.
Diverse Spannungsmomente brachte vor allem die Initiative von Wir-Stadtrat Jürgen Straub, der sich um die, seines Erachtens, delikate Oberfläche sorgte. Zu viel Reinigungsaufwand und zu wenig Schutz vor Grafittis, so seine Vermutung, würden auf Dauer den Stadtsäckel belasten. Sein Vorschlag: Einfach die geplante Pulverbeschichtung der Fassade mit »schützenden« Zusätzen versehen.

Im Bauausschuss sprach dazu ein Experte der Herstellerfirma. Die bislang geplante Beschichtung sei DIN geprüft, so der Fachmann der Würfel GmbH & Co. aus Sontra. Eine neue Zusammensetzung würde ein aufwändiges Prüfverfahren nach sich ziehen. Ein spezieller Zusatz, der insbesondere vor Graffitis schützen könnte, würde die Fabe überdies speckig erscheinen lassen.
»Man muss sich in dieser Frage auf Fachleute verlassen«, betont Projektgruppen-Chef Klaus Kessler. Der Vorschlag Straubs, die Farbrezeptur eigenhändig zu verändern, würde den Floridatest nach sich ziehen, ein Prüfverfahren für Fassadenbeschichtungen. »Und das«, so Kessler, »würde zwei Jahre in Anspruch nehmen«. Für die Bau-Planung ein Unding. »Im schlimmsten Fall hätten wir dann eine Testfassade«, erläutert Kessler. Und ob das gut gehe, stehe in den Sternen.
»Wir müssen natürlich jeden ernst gemeinten Vorschlag zur Kostenreduzierung prüfen«, stellt er klar. Doch die Unsicherheiten überwiegen den vermuteten Nutzen. Außerdem habe der Vorschlag Straubs eh kein Votum im Bauausschuss finden können.


Fakt ist, die Fassade wird in regelmäßigen Abständen von Verschmutzungen gereinigt - wie das bei anderen öffentlichen Gebäuden auch Usus ist. Kessler: »Bei der Stadthalle handelt es sich schließlich um Hochklassearchitektur«. Und da müsse in jedem Bereich Sorgfalt regieren. Das betrifft selbstredend auch die Montage. Sobald in Kürze die ersten Baue-Elemente aus der Produktion kommen, werden sie millimetergenau eingepasst. Immer ein Feld nach dem anderen. Die Bauteile sind 2,70 Meter mal 3,80 Meter und 2,70 Meter mal 6,70 Meter groß und jedes Element ist eine Tonne schwer. Sie bestehen aus Wandsegmenten, Pfeilern und Fenstern. »Die Montage läuft enorm präszise ab«, unterstreicht Kessler. Per Kran werden sie übers Baugerüst gehoben und dann direkt vor der Wand in Speziallaschen eingefädelt. »Die zulässigen Maßtoleranzen im Zentimeterbereich dürfen hier im Rohbau keine Rolle spielen; hier ist Maßarbeit, wie wir es in der Automobilbranche vorfinden, Pflicht«, betont Kessler. »Da stimmt alles haargenau«.


Für interessierte Besucher steht seit Längerem schon ein Musterelement der Fassade neben dem alten Krankenhäusle. Ganz ohne Grafitti, versteht sich. Bis die neue Hülle sitzt, wird der Gebäudesockel übrigens auf andere Weise fein gemacht: Seit einigen Tagen hängt ein monumentales Werbebanner der Mercedes-Niederlassung Pfullingen an der 80 Meter langen Südseite des Baus. Kessler und sein Team sind eifrig dabei, auch die anderen Seiten zu vermarkten: »Wir wollen ja finanziell eine Punktlandung machen. Da sind uns kreative Ideen willkommen, die ein bisschen zusätzlichen Spielraum schaffen«.

Anja Allmeritter

10.03.2011 - aktualisiert: 14.07.2011 11:07 Uhr

 






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