Interview der Woche

Interview der Woche
 

Gemeinschaftsschule

Gemeinschaftsschule: Baden-Württemberg bekommt eine neue Schulform: Die Gemeinschaftsschule, bei der Kinder von der 1. bis zur 10. Klasse gemeinsam unterrichtet werden. Was halten Sie von diesem Schulkonzept?

 
Stadthalle Reutlingen
 
Alles was Recht ist
 
Sonntagsbraten
 
Autotest
 
Autotest
 
Drucken

"Stressbedingte Erkrankungen haben in den letzten Jahren zugenommen"

Peter Kolb von der AOK-Die Gesundheitskasse
Neckar-Alb.
Foto: pr

9. September 2010
 

Wirtschaftskrise, Arbeitsplatzverlust, Existenzangst ­ all das sind Faktoren, die vielen Menschen in der heutigen Zeit zu schaffen machen. Die Folgen sind meist stressbedingte Krankheiten, die immer häufiger auftreten und oftmals schwer zu behandeln sind. Wie ernst es tatsächlich ist und was man dagegen tun kann, das beantwortet uns Peter Kolb von der AOK Neckar-Alb.
 

Herr Kolb, wie hoch schätzen Sie die Zahl der daran erkrankten Personen in der Region ein?
Peter Kolb: Stressbedingte und psychische Erkrankungen haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Im Jahr 2009 kamen beispielsweise bei der AOK Neckar-Alb auf 100 Mitglieder 6,5 Arbeitsunfähigkeitsfälle mit psychischen Störungen. Im Durchschnitt war das Mitglied 23 Tage krank. Das macht rund ein Zehntel aller Krankheitsfehltage aus. Die tatsächliche Zahl an erkrankten Personen wird sicher noch höher liegen, da oft Krankheiten wie zum Beispiel Rückenschmerzen oder Magen-Darm-Erkrankungen nicht selten durch Stress ausgelöst werden.

Welche Symptome treten am häufigsten auf?
Peter Kolb: Klassische Symptome sind Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, nervöse Unruhe und Gereiztheit. Vor allem der Magen-Darm-Trakt reagiert sehr sensibel auf Stress. Es kann daher zu Magenschmerzen, Durchfall oder Geschwüren kommen. Verkrampfungen und Verspannungen der Muskeln führen ebenfalls zu Schmerzen. Auch Allergien können durch Stress ausgelöst werden. Hält der Stresszustand an, wird das Immunsystem geschwächt. Steigt der Druck auf die Psyche, steigt im Körper auch der Blutdruck an, die Folge ist oft Bluthochdruck. Im schlimmsten Fall kann dauernder Bluthochdruck zu Diabetes, Schlaganfall oder einem Herzinfarkt führen.

Gehen Frauen und Männer unterschiedlich mit der Situation um?
Peter Kolb: Verschiedene repräsentative Umfragen haben in den letzten Jahren bestätigt, dass Frauen und Männer ganz unterschiedlich auf Stress reagieren und damit umgehen. Auch die uns bei der AOK vorliegenden Zahlen scheinen dies zu bestätigen. Danach sind Frauen generell gesundheitsorientierter. Eine ganze Reihe von AOK-Gesundheitsangeboten zu diesem Bereich werden fast nur von Frauen belegt. Sie melden sich auch trotz der Doppelbelastung mit Familie und Beruf seltener krank.

Welche nützlichen Wege gibt es aus der Stressfalle?
Peter Kolb: Zuerst einmal gilt es herauszufinden, was den Stress auslöst. Ist er hausgemacht, beispielsweise durch ständige Unpünktlichkeit, »Nicht- Nein- Sagen- Können« oder »das vor sich herschieben« von Problemen und Aufgaben, sollte man Prioritäten setzen. Man sollte sich in Ruhe überlegen, was wirklich erledigt werden muss und was man delegieren oder aufschieben kann. Nicht so leicht zu lösen sind meist Probleme in der Beziehung, der Familie oder im Beruf. Wer hier nicht mehr weiter weiß sollte keine Scheu haben, Hilfe von außen anzunehmen. Denn über Probleme zu sprechen hilft beim Stressabbau. Was immer hilft und ganz wichtig ist, sich immer wieder Auszeiten und Phasen der Ruhe gönnen sowie täglich lachen. Lachen ist die beste Medizin, beseitigt Stress, löst nervöse Spannungen und reaktiviert das Immunsystem.

Sind eigentlich bei dem Krankheitsbild präventive Maßnahmen sinnvoll?
Peter Kolb: Präventive Maßnahmen sind absolut sinnvoll. Wer Körper und Geist immer wieder Entspannungsphasen gönnt, ist weniger anfällig für stressbedingte Krankheiten. Wirksam sind vor allem Entspannungstechniken, bei denen man lernt, gezielt mit Stress umzugehen. Methoden wie Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training oder Yoga sind in letzter Zeit zu Recht sehr in Mode gekommen. Die Wirkungen von wiederholten akuten Stressbelastungen auf Körper und Psyche werden begrenzt und die Ausbildung von chronischen Stressreaktionen werden vermindert oder sogar vermieden. Eine sehr gute präventive Maßnahmen besteht vor allem in sportlicher Betätigung. Denn ein trainierter Körper verarbeitet Stress-Belastungen sehr viel besser. Auch spezielle Atemtechniken können die gereizten Nerven beruhigen.
 
 

Die Fragen stellte Gabi Piehler

09.09.2010 - aktualisiert: 09.09.2010 11:22 Uhr

 

Lesermeinungen

(keine Lesermeinung vorhanden)

 






nach oben