9. SEPTEMBER 2010
ÖSCHELBRONN. Es geht immer nur in eine Richtung. Bahnradfahren sieht langweilig aus. Doch es ist für die Ausbildung des Radrennsportlers fundamental. Im Velodrom des RSV Öschelbronn trifft sich deshalb immer häufiger der Nachwuchs aus dem ganzen Land.
Eintönig rattert das Motorrad. Runde um runde dreht Patrick Banfi. Michael Pfeffer, Moritz Pfeiffer und Fabian Schnaith hängen abwechselnd dem Teamchef des Elite Team Halanke am Hinterrad und rasen mit rund 50 Kilometer pro Stunde durchs Oval. Der eine lässt sich zurückfallen, der andere kämpft sich wieder ran.
Dernyfahren nennt das der Fachmann. Bei Sechstage-Rennen oder alle vier Jahre bei Olympia steht diese Sportart im Fokus. Die drei Radrennfahrer trainieren für das längste Bahnrennen der Welt die 1001 Runde des RSV Öschelbronn. Und fahren hauptsächlich auf der Straße.
Doch die Bahn als Trainingsort steht bei Ihnen ganz oben auf dem Plan. Wie auch beim RSV Öschelbronn. Der kleine Radsportverein baute vor 80 Jahren das Oval und leistet sich den Luxus immer noch. Vor vier Jahren erweiterten sie das Velodrom mit einem Dach. Somit finden Radrennsportler hier ein ideales Trainingsgelände vor.
Petro Nappa nutzt mit dem Nachwuchs des Vereins regelmäßig die Holzbahn. »Das ist ein wichtiges Trainingsmittel. Es baut Tempogefühl auf, und man lernt vorausschauendes Fahren.« Mit 15 Kinder und Jugendlichen im Alter von elf bis 16 Jahren düst er immer wieder im Kreis herum. Ohne Bremsen und ohne Gangschaltung.
Die Steilwandkurve hoch und wieder herunter. Keinem wird dabei schwindlig, verraten sie. »Man lernt Rad fahren, ohne zu bremsen«, sagt Pedro Nappa.
Das bringe nämlich Sicherheit für die Straßenrennen, zu denen sie alle schon gehen. »Sie müssen erahnen, was in zehn Sekunden passiert um darauf zu reagieren«, so der Jugendtrainer.
Genau das vermisst Albrecht Bosler bei Radsportlern, die noch nicht auf der Bahn waren. Der Vorsitzende des Württembergischen Radsportverbandes drehte selbst noch nie Runden im Oval. Doch bei dem 60-Jährigen steht es ganz oben auf der Liste seiner Vorhaben.
Der Pädagoge ist fest davon überzeugt, dass jeder Mountainbiker von Trainingseinheiten auf der Bahn profitiert. »Sie schalten alle zu viel. Sie müssen wieder kurbeln lernen.«
Immer mehr Nutzer
Der Appell des Vorsitzenden scheint Früchte zu tragen. Denn immer häufiger nutzen Nachwuchstrainer die Möglichkeit in Öschelbronn. Doch um den Nachwuchs sieht es nicht so gut aus. Doping hat dem Breitenradsport zugesetzt. Rennen müssen abgesagt werden, weil Sponsoren kein Geld mehr in den »verseuchten Sport« stecken.
Albrecht Bosler selbst musste den Großen Preis von Kirchheim in diesem Jahr absagen, weil er keine Geldgeber fand. Wenn aber die Jugendlichen keinen Anreiz mehr bekommen sich in Wettkämpfen zu beweisen, dann fehlt die Motivation den Sport auszuüben.
Zudem sahen sich die jungen Radrennfahrer immer wieder Anfeindungen ausgesetzt.
Boslers Sohn Benedict, der ein talentierter Mountainbiker war und Mitglied des Landeskaders, gab seinen Sport auf, nachdem er von der positiven B-Probe seines Trainingspartners Stefan Schumacher hörte.
Viele Talente zogen einen Schlussstrich. Doch Albrecht Bosler sieht nicht schwarz für den Radsport. Mit eigenen Dopingkontrollen will der Verband wieder Vertrauen schaffen und Kindern und Jugendlichen den tollen Radsport wieder näher bringen. Eine Möglichkeit ist dabei auch die Bahn.
Denn hier fährt jeder im Trockenen. Und langweilig wird es auch nicht.
Tipp: Auch Freizeitradsportler können die Bahn nutzen. Immer dienstags ist offenes Training und wer kein Bahnrad hat, der leiht sich eines aus. Infos unter www.rsvo.de