Sebastian

Interview der Woche
 

Gemeinschaftsschule

Gemeinschaftsschule: Baden-Württemberg bekommt eine neue Schulform: Die Gemeinschaftsschule, bei der Kinder von der 1. bis zur 10. Klasse gemeinsam unterrichtet werden. Was halten Sie von diesem Schulkonzept?

 
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Kann doch mal passieren?

Kein schöner Anblick.
Foto: pr

2. SEPTEMBER 2010
 

Ich muss vorbeugen. Bevor der Winterspeck kommt, heißt es also für mich: Täglich joggen und damit den Stoffwechsel in Gang bringen. Zum Glück habe ich es nicht weit zum Sportplatz meiner Wahl -­ den Wiesen rund um Kirchentellinsfurt.

Eine meiner Lieblingsstrecken ist der Weg vorbei am Baggersee, dann ein kleines Stück an der Straße entlang nach Altenburg und dort über die Brücke. Dort begegne ich dann meist irgendwelchen Bekannten, die gerade ihren Hund ausführen. Und die ihre Nase -­ so sagen sie ­- seit ein paar Wochen gestrichen voll haben.

Grund: Der Mülleimer unter dem sogenannten Hundekotbeutel-Spender quillt über mit Tüten voll von tierischen Hinterlassenschaften. "Seit Ewigkeiten ist der nicht mehr geleert worden", beschwert sich eine Dame, die es wissen muss. Fast täglich kommt sie hierher.

Den Hundekotbeutel-Spender, den die Technischen Betriebsdienste der Stadt Reutlingen dahinter vor längerer Zeit einmal aufgestellt hatten, fand sie damals gleich gut. "Endlich keine Tretminen mehr", habe sie da gedacht. Und sich gefreut, dass nun all diejenigen, die keine eigene Tüte bei sich haben, sich nicht mehr rausreden können.

Es sei auch ganz gut angelaufen mit diesen Beuteln. Doch plötzlich prangte auf dem Hundekotbeutel-Spender ein orangener Aufkleber. Zu lesen war darauf eine Nachricht der Technischen Betriebsdienste an alle Hundebesitzer.

Die Technischen Betriebsdienste bedankten sich dafür, dass die Hundebesitzer die Hundekotbeutel der Stadt benutzt hätten. Doch nun sollten sie wieder ihre eigenen Beutel benutzen, da dieser Automat "bis auf Weiteres" nicht mehr befüllt werde. Aha. Dass der Mülleimer darunter aber auch nicht mehr geleert würde, davon war dort nichts zu lesen.

"Mensch, Sebastian", fragte mich meine Bekannte, "kannst Du nicht mal nachhaken, was da los ist?" Und weil mir dank der an diesem Tag herrschenden Wärme und dem sich aus den Hundekottüten schälenden Gestank recht schnell klar wurde, dass es sich um eine wirklich dringende Angelegenheit handelt, habe ich mich gleich bei den Technischen Betriebsdiensten gemeldet.

Unter der auf dem orangenen Aufkleber angegebenen Nummer. Als aufrichtiger Journalist habe ich natürlich zugegeben, dass ich die Antwort für die Presse brauche. Und bekam gleich eine Rückfrage. Ob es denn rote Beutel seien, die ich da gesehen habe. Das seien nämlich die Beutel der Stadt. Ich bejahte. Ja, die Mehrzahl der aus dem Mülleimer quellenden Beutel seien -­ so mein erster Eindruck -­ rote Beutel gewesen.

Ein paar wenige blaue und schwarze hätte ich allerdings auch gesehen. Oberflächlich zumindest. Dann Schweigen am anderen Ende. Ich solle mich doch bitte bei der Pressestelle der Stadt melden, die würde mir als Journalist Auskunft erteilen. "Aber ich will es auch als Privatmann wissen", sagte ich der Stimme am anderen Ende der Leitung, "und darum habe ich die Nummer gewählt, von der es auf dem orangenen Aufkleber hieß, ich bekäme Auskunft."

Doch nichts zu machen. Wäre ich nur Privatmann, dann hätte man mir geantwortet. Aber so. Nun gut, bei der Pressestelle der Stadt angerufen. Dienstagmorgens, kurz nach zehn. Ich fragte nach, was es denn mit dem vollen Mülleimer und den fehlenden Hundekotbeuteln in Altenburg auf sich hätte. "Kein Problem", hieß es dort, man würde bei den Technischen Betriebsdiensten anrufen und für mich nachfragen.

Ich teilte mit, dass ich das schon getan hätte, und verwies auch auf die Antwort. Man wies mich darauf hin, dass es doch bekannt sei, dass sich die Presse an die Pressestelle wenden solle. Ja, das wisse ich, ich hätte aber auch als Privatmensch angerufen. Wie auch immer. Die Antwort wolle man mir bald liefern. Man würde mich zurückrufen.

Doch kurz vor elf war dem noch immer nicht so. Offenbar war das Hundekotproblem in Altenburg doch keine ganz so leicht zu beantwortende Frage. Vielleicht mussten (Hygiene-)Experten zurate gezogen werden? Oder wurde etwa gleich jemand losgeschickt, der das Malheur beseitigen sollte? Schließlich war wieder eine Schönwetterfront angekündigt.

Nicht auszudenken, was mit den vom Wochenendregen durchtränkten Hundekotbeuteln unter Hitzeeinwirkung alles passieren könnte. Etwa eine Stunde nach meiner Anfrage dann die Antwort direkt von den Technischen Betriebsdiensten Reutlingen.

Die Hundekotbeutel seien einer Sparmaßnahme infolge knapper Kassen in Reutlingen zum Opfer gefallen. Nicht nur in Altenburg, sondern generell. Das sei schon länger bekannt gegeben worden, stoße aber noch immer auf Verärgerung. Verständlicherweise. Aber da könne man im Moment nichts machen.

Und der nicht geleerte Mülleimer? Der sei "versehentlich eine Woche lang nicht geleert worden". Die Sache würde aber sofort erledigt. Na gut. Oder auch nicht. Zumindest jedenfalls kann der Sommer jetzt ja noch mal ganz heiß und ohne Hundekotgestank zurückkommen.
 
 

rw

02.09.2010 - aktualisiert: 02.09.2010 08:37 Uhr

 

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