Sebastian

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Gemeinschaftsschule: Baden-Württemberg bekommt eine neue Schulform: Die Gemeinschaftsschule, bei der Kinder von der 1. bis zur 10. Klasse gemeinsam unterrichtet werden. Was halten Sie von diesem Schulkonzept?

 
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Im Paradies faulen die Äpfel

Im Paradies faulen die Äpfel.
Foto: pr

26. AUGUST 2010
 

Nach meinem selbst gemachten Apfelmus lecken sich die Kollegen und Kolleginnen die Finger. Darauf bin ich stolz und geb's hiermit ohne hausmännnliche Bescheidenheit zu Protokoll. Schließlich steckt eine Menge Arbeit dahinter: Von der nicht gerade rückenfreundlichen Ernte über das Ausschneiden bis hin zum Einkochen.

Mühe, die sich offensichtlich nicht jeder machen will. Diesen Eindruck hat auch der Bauer, dem ich den Apfelsegen für mein hundertprozentiges Bio-Mus verdanke. Als Besitzer mehrerer großer Streuobstwiesen findet er nämlich kaum noch Abnehmer für sein Fallobst. Auch dann nicht, wenn er in regionalen Zeitungen unter der Rubrik "zu verschenken" inseriert.

Nur wenige Angebote können die (Reutlinger) Bürger offenbar aus ihren Stuben auf die Wiesen locken. Frei-Hauslieferung des Gratis-Obstes zum Beispiel. So lautete nämlich die Ansage, die er von einer jungen Familie bekam, die so gerne Bio-Obst wollte, sich aber im Reformhaus keines leisten konnte.

Doch die Äpfel, Zwetschgen, Birnen oder Marillen, die er anbot selber auflesen? Das kam den besagten Interessenten nicht in den Sinn. Schade. Ich produziere zwar Apfelmus, Zwetschgengsälz und Co ohne Unterlass -­ aber bei der Menge, die auf den mir frei gegebenen Wiesen anfällt, komm ich gar nicht nach.

"Sag mal -­ warum sammelst Du denn Deine Äpfel nicht selbst und bringst sie zum Saftmachen", habe ich darum vergangene Woche meinen Bekannten gefragt. Der schaute nur Mitleid erregend und sagte mir, dass er für den Doppelzentner so wenig Geld bekomme, dass der Erlös gar nicht reiche, um die Kosten zu decken, die er mit Apfelbaum und Co hätte.

Aha! Ich hakte weiter nach. Und was er dann von Internetportalen wie "mundraub.org" halte, die zum Pflücken von herrenlosem Obst aufforderte. "Naja", grummelte er in seinen Bart, die werden doch wohl kaum mehr Erfolg haben wie ich mit meiner Anzeige.

Von wegen! Die Internetseite weist deutschlandweit Obstbäume aus, von denen sich Menschen mit Appetit und Vitaminbedarf bedienen können. Im Norden Deutschlands quillt der Lageplan von Hinweisen geradezu über.

Einige Einträge gibt es auch schon für Reutlingen und Umgebung. Meist sind die Einträge von Benutzern der Initiative selbst eingestellt. Von den eingetragenen Bäumen wissen die Nutzer (oder meinen die Nutzer zu wissen), dass sie niemandem gehören und nicht abgeerntet werden.

"Donnerwetter", sagt mein Streuobstwiesenbekannter. "Vielleicht trag ich mich da auch ein." Doch ein wenig kritisch ist er schon. Das merke ich an seinem schief gezogenen Mund. "Was, wenn dann auch das Obst von den Bäumen des Nachbarn aus Versehen mit dran glauben muss?", scheint der zu fragen. Denn wie kann er ausschließen, dass die Interessierten nicht auch an anderen Bäumen ernteten als an den von ihm Freigegebenen?

Recht hat er ja mit seinen Zweifeln. Und daher muss er sich wohl auf das Credo der "Mundräuber" verlassen können, die auf ihrer Internetseite davor warnen, Diebstahl zu begehen. Nachfragen ist das oberste Gebot! Denn die sogar vom Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung ausgezeichnete Initiative "Mundraub" will tatsächlich nur vermeiden, dass Früchte an herrenlosen Bäumen vergammeln.

"Wir hoffen, dass ihr die Schätze vor eurer Haustür wiederentdeckt und ihr für Bioäpfel und Ökokirschen aus Übersee, zumindest zwischen Juli und November, bald nur noch ein weises Schmunzeln übrig habt." Da kann ich, Sebastian, doch nur sagen: "Also, auf Ihr ehrlichen Sammler, auf in den Paradiesgarten. Und dann zeigt mir, ob Euer Apfelmus, Euer Zwetschgenkompott oder Euer Marillengsälz besser ist als meines!"
 
 

26.08.2010 - aktualisiert: 26.08.2010 08:22 Uhr

 

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