Gemeinschaftsschule: Baden-Württemberg bekommt eine neue Schulform: Die Gemeinschaftsschule, bei der Kinder von der 1. bis zur 10. Klasse gemeinsam unterrichtet werden. Was halten Sie von diesem Schulkonzept?
Mit ihrer Arbeit sorgt Margret Wannenmacher bei den behinderten Kindern von Tumelo für strahlende Gesichter. pr
5. AUGUST 2010
Leid, Elend, Vernachlässigung das sind Dinge, mit denen Margret Wannenmacher Erfahrung hat. Seit rund fünf Jahren engagiert sich die Walddorfhäslacherin für ein Projekt, bei dem sie Schlimmes erlebt und gesehen hat. Gemeint ist Tumelo Home, ein Heim für behinderte Kinder im südafrikanischen Johannesburg. Hier leben 30 Kinder vom Säugling bis zum jungen Erwachsenen auf engstem Raum zusammen.
WALDDORFHÄSLACH. Margret Wannenmacher hat das Heim zum ersten Mal vor rund sieben Jahren gesehen. Das war, als sie ihre Freundin besuchte, die in einer Behinderteneinrichtung arbeitet. Der Besuch wurde zum einschneidenden Ereignis. "Ich habe entsetzlich viele Leid gesehen", beschreibt sie. Kinder, die auf Decken am Boden lagen, denen die Nase lief und die vollkommen sich selbst überlassen waren. Schreckliche Lähmungen, verrenkte Gliedmaßen. Kälte und Schmutz gehörten zum Alltag der kleinen Heimbewohner. "Ich habe danach gedacht: Kann ich so weiterleben wie bisher?" Die klare Antwort war: nein! Seither versucht Magret Wannenmacher mit großem persönlichem Einsatz ein Stück Heile Welt in afrikanische Kinderherzen zu bringen.
Nach ihrer Rückkehr begann sie Spenden zu sammeln. Als erstes Projekt wurde ein Anbau geplant. "Der Aufenthaltsraum war viel zu klein", betont Wannenmacher. Dank der Spenden aus Deutschland konnte 2006 ein rund 80 Quadrameter große Raum bezogen werden. Jetzt liegen die Kinder nicht mehr nur am Boden. Viele laufen herum, spielen und haben einen geregelten Tagesablauf. Besonders hilfreich war, dass ebenfalls auf Betreiben von Magret Wannenmacher eine Beschäftigungstherapeutin angeheuert werden konnte. Sie hat den Bewegungsradius der Kinder vergrößert, viele haben gelernt, sich fortzubewegen und besser zu kommunizieren. Die Therapeutin hat nebenbei gleich die Betreuerinnen der Kinder geschult. Auch sie bieten jetzt regelmäßig Beschäftigungsprogramme an.
Ein weiterer Baustein im Hilfsprojekt war die Hygiene. Am anfang lagen dreckige Decken auf dem Boden, auf denen gegessen, geschlafen, gespielt wurde. "Schreckliche Zustände", befand Wannenmacher, und ließ nicht locker, bis ihre Schützlinge zum Essen an Tische saßen. Mittlerweile gibt es sogar eine Einbauküche im Tomelo Home. "Die Kinder sind zum Teil sehr schwer behindert", beschreibt Wannenmacher. Geistige und körperliche Behinderungen, dazu Schwerstmehrfachbehinderungen. In Südafrika ist die Einstellung zu behinderten Menschen schwierig, betont sie. Die Kinder würden oft von ihren Familien weggesperrt oder sogar ausgesetzt. Tumelo Home gebe ihnen ein neues Zuhause.
Als nächstes soll das Haus einen Generator erhalten. "Dann kann auch während eines Stromausfalls gekocht werden", erklärt die rührige Walddorfhäslacherin. Sie packt eben da an, wo es wirklich fehlt. "Heute", beschreibt sie, "liegt niemand mehr apathisch herum, heute herrscht im Tomelo Home Lebhaftigkeit und Freude! Wenn ich komme, werde ich von den Kleinen regelrecht umgerannt. Dann umarmen wir uns". Am 9. August fliegt Margret Wannenmacher wieder in ihr zweites Zuhause nach Südafrika.
INFO: Das Spendenkonto für Tumelo Home besteht bei der Volksbank Reutlingen, BLZ 640 901 00; Konto: 3 36 43 50 02. Stichwort "Spenden für Afrika";