5. AUGUST 2010
Die Love Parade in Duisburg forderte 21 Todesopfer, hunderte Verletzte und hinterlässt jede Menge Wut im Bauch, nicht nur bei den Angehörigen. Diese Katastrophe wirft jede Menge Fragen auf, auch für Konzerte die hier in der Region durchgeführt werden. Wir fragten nach bei Paul Woog, Mitgeschäftsführer der Konzertagentur SKS Michael Russ GmbH in Stuttgart, wie er das Desaster einschätzt?
Herr Woog, wer trägt Ihrer Meinung die Schuld am katastrophalen Ausgang der Love Parade?
Paul Woog: Die Planung solcher Großveranstaltungen erfolgt im Zusammenspiel zwischen dem Veranstalter und der Stadt als genehmigende Behörde. In Stuttgart sind auch alle Beteiligten, wie Polizei, Feuerwehr, Security, Vermieter des Geländes, Öffentlicher Nahverkehr, Verkehrsbehörde schon im Vorfeld an solchen Planungsprozessen beteiligt. Dass in Duisburg niemand im Vorfeld auf diese Situation aufmerksam gemacht haben soll, scheint doch fragwürdig. Die Stadt wollte die Loveparade unbedingt haben und man kann annehmen, dass sie die Bestimmungen dafür sehr weit ausgelegt hat. Dass der Veranstalter auf der anderen Seite nicht die ausreichende Professionalität mitgebracht hat um dies zu erkennen, ist aus meiner Sicht ebenso bedauerlich.
Rock-am-Ring-Chef Marek Lieberberg spricht von einer »Todesfalle«. Sehen Sie das auch so?
Paul Woog: Ich denke nicht, dass ein solches Unglück von den Verantwortlichen wissentlich in Kauf genommen wurde. Die Erfahrungen mit solchen Mega-Events haben nur wenige, wie zum Beispiel Marek Lieberberg und Ja, mit dieser Erfahrung kann man sagen: Das ist eine Todesfalle.
Was zählt mehr: Profitgier oder die Sicherheit des Menschen?
Paul Woog: Ein Menschenleben ist unbezahlbar.
Veranstalter Rainer Schaller ist Fitness-Kettenbetreiber. Kann eigentlich jeder Konzerte organisieren oder braucht es dafür bestimmte Vorraussetzungen?
Paul Woog: Veranstaltungen kann jeder organisieren, allerdings gibt es seit Jahren spezielle Ausbildungen und Studiengänge, welche für die unterschiedlichen Anforderungen des Berufes qualifizieren.
Haben Sie schon einmal ein Konzert wegen Sicherheitsbedenken absagen müssen?
Paul Woog: Wir haben so ein eingespieltes Netzwerk und eine hoch professionelles Ordnungsamt, dass dies zumindest mir noch nicht passiert ist. Allerdings haben wir schon für viel Geld zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen, weil wir im Vorfeld noch nicht mit den Planungen zufrieden waren.
Ganz gleich, wer im Endeffekt schuldig gesprochen wird, mit welchen Konsequenzen rechnen Sie für die Zukunft?
Paul Woog: Ich rechne mit höheren Sicherheitsauflagen und einem bundesweiten Abgleich der Genehmigungsverfahren und -kontrollen. Damit verbunden werden vielerorts höhere Ticketpreise, zumindest bei Großveranstaltungen sein.