Gemeinschaftsschule: Baden-Württemberg bekommt eine neue Schulform: Die Gemeinschaftsschule, bei der Kinder von der 1. bis zur 10. Klasse gemeinsam unterrichtet werden. Was halten Sie von diesem Schulkonzept?
Wer hätte das gedacht: So kurz vor der Sommerpause geht es noch einmal hoch her in Reutlingen. Und damit meine ich nicht die Baustellen, die pünktlich zur Ferienzeit wie Pilze aus dem Bode zu schießen scheinen. Obwohl eine Baustelle ist es auch, die sich da im Rathaus aufgetan hat. Eine Integrations-Baustelle. Denn mit dem von Politikern und Politikerinnen vor allem in Wahlperioden gerne neben dem Wort "kinderfreundlich" gehäuft benutzten Wort "Integration" scheint es im Reutlinger Gemeinderat an manchen Stellen zu hapern. Vor allem dann, wenn es um die Praxis geht. Aufgedeckt hat das Dilemma die mittlerweile schon rund eine Woche zurückliegende Gemeinderatssitzung.
Als "beschämend" wurde sie betitelt und als "trauriges Zeugnis". Denn die Mehrheit des Gemeinderats stimmte gegen einen Wunsch der Reutlinger und Reutlingerinnen, die sich im Ausländerrat engagieren. Den Wunsch, einen einzigen (!) ständigen beratenden Sitz im Verwaltungs-, Kultur- und Sozialausschuss (VKSA) zu bekommen. Lag's daran, dass die Stadtverwaltung in Person von Oberbürgermeisterin Barbara Bosch und ihrem Sozialbürgermeister Robert Hahn die Vorlage für das "Nein" gegeben hatten und einige Räte eifrig diesem Votum hinterher eilten? Glänzende Ausnahmen: zum Beispiel Rainer Buck von den Grünen, Knut Hochleitner von der FDP oder auch Kurt Gugel von der FWV. Oder lag das Gegenvotum daran, dass manche das Ganze als zu "strukturlos" empfanden wie es zum Beispiel ein Teil der SPD bei einem nachgeklappten Pressegespräch betonte?
Was auch immer es war verständlich erscheint es für Außenstehende kaum, was da passiert ist. Nur eines ist klar und deutlich: Über Jahre engagierte Mitglieder des Ausländerrates schmissen den Bettel gebündelt hin. Auch Susanne Gnant von der SPD gab ihren Sitz im Ausländerrat auf. Ihre Fraktionskollegen wollten sich dazu in der im Nachhinein anberaumten erklärenden Pressekonferenz aber nicht auslassen. Zurück bleibt ein bitterer Nachgeschmack: In Reutlingen will's mit der Integration irgendwie nicht klappen. Da hilft's nicht, wenn ein schön klingendes Konzeptpapier zur Integration am Ende jener besagten Gemeinderatssitzung einstimmig verabschiedet wird.
Da hilft's nicht, wenn die SPD in Gestalt von Fraktionschef Helmut Treutlein, von Sebastian Weigle und Ramazan Selcuk ein paar Tage später zu erklären versucht, was sie eigentlich mit ihren Voten gemeint hat. Dass sie eigentlich nur die bessere Lösung wollefür den Ausländerrat. Weil doch der Sitz im VKSA nur ein "Alibi-Sitz" sei. Ganz anders natürlich als die von ihnen vorgeschlagene Konzeption, dass Verwaltung und Gemeinderat künftig alle Themen auf ihren "Integrationsbezug" überprüfen sollten und diese Themen dann zur Vorberatung in den Integrationsrat gehen. Die Vorstellung der SPD von "klaren Strukturen", die dann zum Dialog führen. Nichts anderes sei Integration Dialog, eine Brücke zum anderen. Schade nur, dass ein Teil der SPD selbst sich in diesem Dialog in gewisser Weise verweigert, indem sie dem Ausländerrat seinen größten Wunsch ausschlägt und die Brücke zwischen sich und den dort Engagierten niederzureißen droht. Wenn sie das nicht schon hat. Wegen eines einzigen Sitzes.
Und schade, dass ein Teil der SPD offenbar nicht sieht, dass ein Dialog nicht so funktioniert, dass sie den Migranten und Migrantinnen zeigt, wie Integration richtig geht. Dabei gäbe es andernorts schon gute Beispiele: Im Berliner Lotsenprojekt "Die Brücke" zum Beispiel sind Migranten längst als die eigentlich Fachkundigen in Sachen Integration akzeptiert. Und zeigen den Beamten in den Bezirksämtern und auch schon mal Bezirksräten, was sie womöglich falsch machen im Umgang mit Migranten. Gerade auch, weil sie zu wissen meinen, was das Beste für Ausländer ist.