Interview der Woche

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Gemeinschaftsschule

Gemeinschaftsschule: Baden-Württemberg bekommt eine neue Schulform: Die Gemeinschaftsschule, bei der Kinder von der 1. bis zur 10. Klasse gemeinsam unterrichtet werden. Was halten Sie von diesem Schulkonzept?

 
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Mehr Übergriffe auf Polizisten

pr

15. Juli 2010
 

Die Übergriffe auf Polizeibeamte haben zugenommen. Beleidigungen sind an der Tagesordnung, Attacken werden immer brutaler. Deshalb hat die Innenministerkonferenz der Bundesländer Ende Mai das Strafmaß bei Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte von zwei auf drei Jahre erhöht. Wir haben bei der Sprecherin der Polizeidirektion Reutlingen, Andrea Kopp, nachgefragt.

Hallo Frau Kopp, die Übergriffe auf Polizeibeamte nehmen zu. Wie sieht die Bilanz für die Polizeidirektion Reutlingen aus?
Andrea Kopp: Leider scheint dies ein genereller Trend zu sein, der auch vor dem Landkreis Reutlingen nicht Halt macht. Auch wir haben im vergangenen Jahr eine Steigerung um fast zehn Prozent auf insgesamt 69 Fälle verzeichnen müssen. Das heißt, dass es im Durchschnitt jeden fünften Tag zu einer Widerstandshandlung oder einer Körperverletzung zum Nachteil von Polizeibeamten kommt. 25 Beamtinnen und Beamte der Polizeidirektion Reutlingen wurden durch derartige Straftaten im vergangenen Jahr im Dienst verletzt.

Wie erklären Sie die Zunahme?
Kopp: Eine einfache Antwort auf das Warum gibt es nicht, dazu sind die Entwicklungen in der Gesellschaft zu komplex. In mehr als zwei Drittel der Fälle ist aber Alkohol im Spiel. Die Aggressionen, die überhöhter Alkoholkonsum oft auslöst, entladen sich dann auch im Kontakt mit der Polizei. Häufig kommt es auch zu Gewalt aus Gruppen heraus.

Werden Polizisten nicht mehr Ernst genommen und haben keine Autorität mehr?
Kopp: Heute glauben viele Menschen, es gäbe für sie keine Grenzen, oft weil sie im privaten Umfeld keine erleben. Das beginnt aber schon weit vor einem tätlichen Übergriff. Es sind die gezielten Provokationen, mit denen aus Gruppen heraus die eigene, angebliche Stärke unter Beweis gestellt werden soll. Damit haben die Beamtinnen und Beamten täglich zu kämpfen und dies macht eine vernünftige Kommunikation in solchen Situationen naturgemäß sehr schwierig, manchmal fast unmöglich.

Wie verhalten sich die Beamten, wenn es eskaliert?
Kopp: Das lässt sich nicht pauschal beantworten, weil es von der jeweiligen Situation und vom Gegenüber abhängt. Es ist alles andere als leicht, sich in Bruchteilen von Sekunden in einer oft unübersichtlichen Lage für eine Maßnahme zu entscheiden, die sowohl die Konfliktsituation beruhigt, als auch ein weiterhin konsequentes Einschreiten gewährleistet. Denn genauso, wie eine Eskalation zu verhindern ist, dürfen keine rechtsfreien Räume entstehen. Das ist immer wieder eine Gratwanderung.

Schulen Sie die Kollegen entsprechend? Kopp: Regelmäßiges Einsatztraining ist ein absolutes Muss. Dabei werden auch taktische Aspekte und situative Handlungskompetenz vermittelt. Aber Training, gerade wenn es um Gewalt und Bedrohungslagen geht, hat seine Grenzen. Letztlich werden sich aber nicht alle Ausnahmesituationen, und seien sie noch so realistisch nachgestellt, trainieren lassen.

Gibt es bestimmte Tage oder Zeiten, wann so etwas gehäuft vorkommt?
Kopp: Gerade bei den durch Alkoholkonsum ausgelösten Straftaten ist naturgemäß ein Schwerpunkt an den Wochenenden und zu Nachtzeiten festzustellen. Aber Gewalt hält sich nicht an den Kalender. An jedem Tag kann es vorkommen, dass der sonst unbescholtene Familienvater, der gerade mit Alkohol am Steuer erwischt wurde, vor der Blutprobe plötzlich wild um sich schlägt oder die Beamten beim Schlichten eines Beziehungsstreits selbst in die Schusslinie geraten.

Wie gehen die Beamten mit Beleidigungen um?
Kopp: Es ist immer wieder bewundernswert, wie besonnen sie selbst bei üblen Beschimpfungen reagieren. Wie in anderen Berufsgruppen auch, hat jeder seine ganz persönliche Schwelle, wann die Beleidigung beginnt. Was am einen abprallt, trifft den anderen tief. Auch wenn es da Unterschiede gibt, muss jeder mit einer Anzeige rechnen, der einen Polizeibeamten beleidigt.

Fragen von Dieter Reisner

Dieter Reisner

15.07.2010 - aktualisiert: 15.07.2010 09:48 Uhr

 






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