Interview der Woche
 

"Deutschland schafft sich ab"?

In seinem Buch "Deutschland schafft sich ab" äußert sich Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin unter anderem über Sozial-, Bildungs- und Einwanderungspolitik und sorgt damit für kontroverse Diskussionen. Was halten Sie davon?

 
Stadthalle Reutlingen
 
Sonntagsbraten
 
Alles was Recht ist
 
Autotest
 
Autotest
 
Drucken

Mehr Licht als Schatten

Hört auf.
Foto: Anja Chmielewski

15. JULI 2010
 

REUTLINGEN. Am 16. Juli kommt die neu gewählte Vollversammlung der IHK zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammen, bei der ein neuer Präsident gewählt wird. Der bisherige Amtsinhaber, Eberhard Reiff, tritt nach zehn Jahren nicht wieder an. Zeit für einen Rückblick mit Licht und Schatten.

Für den scheidenden IHK-Präsidenten Eberhard Reiff sind die "zehn Jahre flott vorbeigegangen". Trübsal blasen ist bei ihm aber nicht angesagt. Schließlich war es Reiff selbst, der darauf gedrungen hat, das Amt auf zwei Wahlperioden zu beschränken. "Zehn Jahre sind genug Zeit, um zu bewegen, zu verändern und anzustoßen", erklärt er.


Dieser Tage zog er Bilanz seiner Amtszeit und dabei geriet Reiff schon mal ins Schwärmen. "Ich kenne kein Amt für einen Unternehmer, wo man so viele andere Unternehmer kennenlernt". Und man bekomme tiefe Einblicke in die Wirtschaft.

Für Reiff "ein Gewinn". Nicht unerwähnt ließ Reiff die Gespräche mit Spitzenpolitikern und die Kontakte zu den besten Auszubildenden der Region, die er mit auszeichnen durfte. Angetreten war der heute 60-Jährige vor zehn Jahren, weil er "Verantwortung übernehmen" und nicht von der Galerie aus "kritisieren" wollte.

Von Anfang an hat der Chef der Reiff-Gruppe auf ein straffes Zeitfenster geachtet. "Wenn ich wollte, hätte ich eine Sieben-Tage-Woche gehabt", betont er. Investiert habe er in dieses Amt einen halben Tag pro Woche, meist freitags ab 16 Uhr.

Die Kammer sei unter ihm "wirtschaftlicher, politischer und transparenter" geworden. "Wir sagen jedes Jahr was wir kosten, was wir verdient haben und was in den Rücklagen steht." Gleichzeitig konnten bei gestiegenen Mitgliedszahlen, Plus 38 Prozent, die Beiträge um 47 Prozent gesenkt werden. "Das ist eine gute Botschaft an die Unternehmen", so Reiff.

Ein besonderes Anliegen war ihm stets die Bildung. Stichwort "Wirtschaft macht Schule". Mittlerweile sind hier 160 Schulen aus der Region Neckar/Alb mit 124 Projekten mit 200 Unternehmen zusammengekommen. Natürlich gibt es auch Dinge, über die sich Reiff ärgert oder die er gerne noch durchgebracht hätte. "Dass Boehringer nicht in Tübingen gelandet ist, tut uns leid".
Was ihn sehr getroffen habe, sei die Anzeige eines Unternehmers bei der Staatsanwaltschaft wegen Veruntreuung von Geldern bei der B 27. "Das war der unangenehmste Moment in den zehn Jahren". Gerne hätte er den Ausbau der Infrastruktur noch auf den Weg gebracht. "Wenn die Infrastruktur passen würde, hätten wir noch mehr wirtschaftlichen Erfolg", ist sich Reiff sicher.
 
 

Anja Chmielewski

15.07.2010 - aktualisiert: 15.07.2010 09:05 Uhr

 

Lesermeinungen

(keine Lesermeinung vorhanden)

 






nach oben