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Das größte Glück der Erde...

Jetzt bloß auf das richtige Pferd setzen.
Foto: pr

1. JULI 2010
 

Gleich eimerweise haben sie es vergossen, was sag ich: scheineweise. Das größte Glück der Erde lag vergangenes Wochenende tatsächlich ­- wie eine leicht abgewandelte Gedichtzeile von Friedrich von Bodenstedt es besingt -­ auf dem Rücken der Pferde. Genauer: Auf dem der Pferde im Gestüt Marbach im Landkreis Reutlingen.

Diesem weltbekannten Gestüt nämlich hat Ministerpräsident Stefan Mappus am Samstag seinen Besuch abgestattet. Zusammen mit seinem ganzen Kabinett. Die Frohbotschaft, die Mappus dem ältesten deutschen Staatsgestüt zu verkünden hatte: Gespart werden soll an "unserem Aushängeschild im Land" nicht.

Geldsegen, Geldregen könnte hinter solch einer Aussage stecken. Oder zumindest eine milde Gabe. "Sapperlot, mein lieber Scholli" - ­ um den letztlich in Sachen Kletterhalle anerkennend ausgesprochenen Satz unserer Oberbürgermeisterin zu zitieren -­ das ist ein Ding! Solch Bekenntnisse hört man gern, gerade in Zeiten, in denen in (fast) sämtlichen Haushaltskassen die Löcher klaffen und darum gespart wird.

Doch es kommt noch schöner! Denn bevor Ministerpräsident Mappus für' s (große oder kleine) Glück der Pferde sorgte, hatte er zusammen mit Umweltministerin Tanja Gönner von der CDU selbst das Glück, eine Million Euro entgegenzunehmen. Nicht für die eigene Tasche natürlich. Sondern für das Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Gespendet wurde der durchaus ansehnliche Betrag von der Allianz-Umweltstiftung.

Mit dem Geld sollen in den kommenden zehn Jahren Einzelprojekte gefördert werden, die ineinandergreifen. Und die darüber hinaus im Rahmen der Erhaltung, Pflege und Entwicklung des Biosphärengebietes umgesetzt werden. Eine gemeinsame Erklärung dazu haben die Stiftung und das Land Baden-Württemberg am "glücklichen Samstag" auch gleich noch unterzeichnet.

Was für ein Geschenk für das Biosphärengebiet auf der Schwäbischen Alb! Ein Geburtstagsgeschenk fast, denn auf den Tag genau vor einem Jahr war es von der Unesco offiziell anerkannt worden. Soweit. So gut. So wunderbar. Spannender dürfte es nun werden, was mit dem Geld tatsächlich passiert.

Noch klingen sie ja recht weit gefasst, die "Vergaberichtlinien" für die "ineinandergreifenden Einzelprojekte". Doch wer wird am Ende der Glückssträhne stehen und ein Stück von der Torte abbekommen? Klar ist, dass es viele (gute) Initiativen und Ideen gibt, die um die Schwäbischen Alb und das Biosphärengebiet kreisen.

Doch wie viele von denen greifen tatsächlich ineinander? Nur ein Beispiel dafür dürften die verschiedenen Gütesiegel sein, die auf der Alb umherschwirren wie Fliegen um das Gold der Bauern -­ den Mist. Da gibt es Wanderwegsiegel, spezielle Marken oder Labels für verschiedene Produkte von der Alb, Prädikatssiegel für besondere Gastronomie et cetera pp.

Die Arbeitsgruppe, die unter der Beteiligung der Allianz-Stiftung geeignete Projekte ausfindig machen und ausarbeiten soll, wird es nicht leicht haben, die richtigen Ideen auszusieben. Ganz zu schweigen von der Frage, wie viel Förderung, wie viel Expansion dem Biosphärengebiet auf der Alb dann tatsächlich zuträglich ist.

Dem Biosphärenreservat Rhön droht derzeit zum Beispiel die Aberkennung des Unesco-Titels, weil auf seine Gesamtfläche gesehen 1 800 Hektar zu wenig als Naturschutzgebiet ausgewiesen sind. Die leckere Geburtstagstorte in Form von einer Million Euro, die dem Biosphärengebiet kredenzt wurde und die nun zu verteilen ist, könnte am Ende also schwer im Magen liegen. Wenn nicht auf die richtigen Pferde gesetzt wird.
 
 

rw

01.07.2010 - aktualisiert: 01.07.2010 08:26 Uhr

 

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