Sebastian

Interview der Woche
 

Gemeinschaftsschule

Gemeinschaftsschule: Baden-Württemberg bekommt eine neue Schulform: Die Gemeinschaftsschule, bei der Kinder von der 1. bis zur 10. Klasse gemeinsam unterrichtet werden. Was halten Sie von diesem Schulkonzept?

 
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Viele Wege führen nach Reutlingen

Schilderwald.
Foto: pr

24. JUNI 2010
 

Fragen Sie mich nicht, was mich vergangenen Sonntag geritten hat. Ich weiß es nicht. Vielleicht war es dieses surrende Geräusch, das fröhliche Geplapper und Geklingel, das sich in aller Herrgottsfrüh unter meinem Schlafzimmer versammelte. Radfahrer.

Fit für den Wochenendausflug. Hörbar gut gelaunt und sportwillig. Und offensichtlich angelockt von den neu angebrachten Radwegschildern, die die Strecke vor meinem Haus als Abschnitt einer von irgendeiner Krankenkasse ausfindig gemachten Route auswiesen.

Die Radwegjünger diskutierten unten auf der Straße so lange darüber, wie gesund und noch dazu abenteuerlich "Biken" ­- also Neudeutsch Radfahren ist ­ dass ich gar nicht mehr anders konnte. Aufgestanden, auf's Rad geschwungen und den Vorbildern nachgeeifert! Will man, muss man da doch mithalten als ebenfalls gesundheits- und abenteuerliebender Mensch.

Doch wenn ich gewusst hätte, was auf mich zukommt... ich hätte Odysseus angerufen und ihm gesagt: "Mensch, übernimm doch Du diese Irrfahrt!" Vielleicht wäre es mir anders ergangen, ich wäre der offenbar erfahrenen Truppe auf ihrem Weg gefolgt. Doch der Sebastian wäre nicht der Sebastian, würde er nicht ab und an anders sein, als die anderen.

Und anders handeln als die anderen. Und so folgte ich nicht ausgefahrenen Krankenkassen-Radwegen, sondern den etwas spärlicher gesetzten übrigen Wegmarken für Radfahrer. Hier ein kleines graues Schild, irgendwo festgeschraubt an einem Laternenpfahl, da plötzlich ein Aufkleber oder die Straßenmarkierung samt dazu gehörigem blauem Verkehrsschild.

Oder auch mal alles auf einmal. Noch besser: plötzlich gar nichts mehr. Als ob mir die fehlenden Markierungen klar und deutlich zurufen wollten, dass dieser Radweg im Nirgendwo endet. Oder einfach direkt auf der Straße. An mir vorbeirauschende Autos inklusive. Wirklich abenteuerlich. Und gefährlich.

Dabei wollte ich doch einfach nur nach Reutlingen! Nicht in die Pampa und erst recht nicht wegen eines durch einen rasanten Autofahrer verursachten Unfalls ins Krankenhaus. Kann man sich denn wirklich nur auf die Krankenkassen-Wege verlassen, will man am Ende seines Radabenteuers lebendig nach Hause zurückkehren?

Ja, ein wenig übertreib‘ ich jetzt schon. Aber in der Übertreibung liegt manchmal auch die Kraft, die vielleicht Veränderung schafft. Und die ist, ging 's nach mir, eindeutig notwendig, will man sicher nach Reutlingen kommen. Mit ein paar einheitlichen Schildern wär's doch schon getan. Ich weiß, dass es dafür Vorschriften gibt.

Aber wenn die nicht eingehalten werden...Und wie wär 's mit hübsch auffälligen Radfahrerstreifen, die nicht von anderen Verkehrsteilnehmern wie Bussen befahren werden dürfen (siehe Tübinger Mühlstraßen-Desaster)? Und Schluss mit den Wegen ins Nichts, das wäre auch schon was!

Findet übrigens auch der verkehrspolitische Sprecher der Landtags-SPD, Hans-Martin Haller, der derzeit sogar einen eigenständigen Etat für den Radwegebau fordert. Und der dem Land vorschlägt, dass die Zuschüsse mit der Forderung verbunden werden, eine klare Beschilderung der Radwege auch umzusetzen. Keine so schlechte Idee, finde ich.

Vielleicht macht sich auch einer der (frisch gekürten) Landtagswahl-Kandidaten aus Reutlingen für all diejenigen stark, die umweltschonend und gesundheitsförderlich auf dem Drahtesel unterwegs sind? Da es aber erfahrungsgemäß immer etwas länger dauert, bis solche Vorschläge durch und umgesetzt sind, bastele ich mir meine eigene Tour in die Achalmstadt.

Wie wär' s mit einer Kombination aus Krankenkassen-Strecke, literarischem Radweg, Rund-um-den-Ort-Strecke und Landung auf einer befahrenen Kreuzung alias Aktionspfad?
 
 

rw

24.06.2010 - aktualisiert: 24.06.2010 09:03 Uhr

 

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