ENINGEN. »Ich habe mir damals einen Traum erfüllt«, blickt Birgit Wester auf das Jahr 2015 zurück. Vor nunmehr vier Jahren ließ die Diplom-Kauffrau sozusagen ihr altes berufliches Leben hinter sich und wurde zur Vollerwerbs-Imkerin. Ein Traum mit Abstrichen: Derzeit geht es den Bienen nämlich nicht sehr gut und damit auch der Imkerin. Zu kühl, zu wenig Sonne: »Die Bienen hungern«, fasst sie die bedrückende Situation zusammen. Die Bestäubung der Obstbäume habe zwar noch geklappt, da es genug Pollen gegeben hätte – doch nun fehlt den Bienen der Nektar. Weil’s einerseits zu kühl ist und weil darüber hinaus immer wieder Wiesen viel zu früh abgemäht werden. Die Fachfrau behilft sich, stellt in ihre Bienenstöcke ein Glas Honig: »Ich füttere zu«, erklärt sie ihr Tun. »Im Augenblick sieht’s mit Honig schlecht aus.« 

Feste Standorte
Von Nektar ist keine Spur zu sehen auf den Waben, die Birgit Wester bei Dauerregen auf einer Streuobstwiese über der Eninger Arbachsporthalle präsentiert. Dort hat sie zwei Bienenstände stehen, 13 weitere sind an verschiedenen festen Standorten in Reutlingen und auf der Alb platziert. Sie hat sich gegen eine Wanderbienenhaltung entschieden, die Tiere würden dabei ihrer Meinung nach viel zu schnell in Panik geraten. Die Imkerin hat sich damit in gewisser Weise auch gegen einen höheren Ertrag, aber für einen entsprechend intensiven Geschmack entschieden: Je nach Standort entfaltet der Honig andere Aromen, die Unterschiede sind deutlich zu schmecken. »Kein Honig gleicht dem anderen«, erklärt Birgit Wester. Ihre Entscheidung für feste Standorte ihrer 15 Stände und damit für eine artgerechte Haltung bedeutet jede Menge Organisation, wann sie wo ist und sich um ihre Stände kümmert, denn die Zahl der von ihr betreuten Bienen ist stattlich: In einem Stand leben sieben Völker, ein Volk besteht aus bis zu 40 000 Bienen. Doch leben kann Birgit Wester nicht von ihrer Imkerei namens »BienenElfe«, die Streuobstpädagogin hält deshalb unter anderem auch Vorträge oder organisiert Workshops.

Unterstützt wird sie zudem vom Bäckerhaus Veit aus Bempflingen, laut Marketingchefin Susanne Erb-Weber sei der Verzehr von heimischen Honig aktiver Umweltschutz: »Er geht uns alle an und jeder kann etwas dafür tun«, ist sie sich sicher. Geschäftsführer Johannes Klümpers sieht das Bäckerhaus Veit in der sozialen Verantwortung, auf das Thema Bienen aufmerksam zu machen: »Damit es mit den Insekten wieder aufwärts und nicht nur abwärts geht.« Seit drei Jahren hat das Bäckerhaus Veit deshalb die Patenschaft von drei Bienenvölker von Birgit Wester übernommen, die Bienenköniginnen heißen übrigens nach engagierten Veit-Mitarbeiterinnen Gundula, Marie und Sonja.             –oec