REUTLINGEN/REGION. Kalender gibt es viele: In Hochglanzdruck und vor landschaftlich herrlicher Kulisse wird meist das neue Jahr dem Betrachter »schmackhaft« gemacht. Manch einer denkt beim Anblick der Fotos, welch schöne Ecken die Region zu bieten hat und plant sogleich einen Kurztrip, möglicherweise auch einen ganzen Urlaub dorthin. Ziel erreicht. Mit einem Lächeln im Gesicht können sich die Herausgeber gegenseitig auf die Schulter klopfen.

Feine Sache, dachte auch der »Wir sind anders«-Verein. Die Mitglieder sind Frauen und Männer der Fleischerzunft, die ihr Handwerk überaus lieben und richtig in Szene setzen wollen. Bereits das dritte Mal geht’s vor die Kamera. Anfangs, so berichtet Agnes Häberle, posierten nur die Mädels - mittlerweile hatten auch die Jungs Mega-Spaß am Fotoshooting. Sven Tholius, selbst Metzger und Motivationstrainer, coachte die Gruppe. Für einen Tag wurden Wurstküche und Fleischertheke gegen das Museum von Norbert Wittmann’s Weißwurst-Akademie in Neumarkt in der Oberpfalz getauscht. Fesche Posen und markige Sprüche zieren jedes einzelne Kalenderblatt. Die Metzgerei Schneider aus Pliezhausen nimmt gleich zwei Monate ein: Im Juli machen Jochen Schneider und Agnes Häberle die Mitarbeiterförderung im Betrieb deutlich – im September demonstrieren Laureen Schneider und ihr Partner die Leidenschaft zum Handwerk. Die klare Ansage dahinter lautet: Das Fleischerhandwerk ist anders als so mancher denkt. Es macht Spaß, ist facettenreich und interessant.

Fotostrecke 2 Fotos

Im Gespräch mit Agnes Häberle wird deutlich, wie gut die Chancen für junge Leute stehen, in dem Handwerk Karriere zu machen. Sie selbst machte ihre Wünsche gegenüber ihrem Chef relativ schnell deutlich. Jochen Schneider erinnert sich, als die damals 20-Jährige beim Vorstellungsgespräch gleich von Meisterschule und Filialleitung sprach. »Das hat mich schwer beeindruckt«, gab Schneider zu. Und Häberle bekam ihre Chance. Heute leitet die 31-Jährige eine Filiale in Plochingen mit neun Angestellten. Unverkennbar brennt sie für den Job, denn jeden Tag gibt’s Neues auszuprobieren. Klar, spielt ihr auch der momentane Zeitgeist in die Karten. Denn wer hätte vor ein paar Jahren solch einen Hype ums Grillen gemacht? Heute haben Pulled Pork und Spare Rips ein ganz anderes Image als früher. Essen wird zum Event – drum herum erhält der Abend Partycharakter.

Die Leute nehmen sich Zeit und hinterfragen beim Fleischkauf Herkunft und Geschmack. Häberle und Schneider freut die Entwicklung, auch wenn’s an Nachwuchs mangelt. Gerade mal neun Azubis gebe es derzeit bei Schneider, wobei locker 30 Lehrlinge einen Platz finden würden. Für die beiden eine Katastrophe: Es könne doch nicht sein, das kaum einer mehr Metzger werden möchte – andererseits aber leckere Wurst und Fleisch zum täglichen Bedarf gehören. Das Handwerk hat für die Beiden nach wie vor noch immer »Goldenen Boden«. Mit dem Kalender, respektive dem Erlös, soll die Nachwuchsförderung des Deutschen Fleischerverbands gefördert werden. Momentan steht das gute Stück für 19.90 Euro im Rahmen der Nacht der Museen in Böblingen am 17. November zum Verkauf.                                                                                                                                                      –pi

www.fh-wirsindanders.com