TÜBINGEN. Die neue VR Bank Tübingen hat mit der Bilanz 2017 ihren ersten Jahresabschluss vorgelegt. Im Juli 2017 waren die Volksbank Tübingen und die VR Bank Steinlach-Wiesaz-Härten zur neuen Genossenschaft verschmolzen. Die Zahlen für 2017 sind positiv, doch die Vorstände erwarten für die kommenden Jahre Rückgänge. Die VR Bank Tübingen meldet einen Bilanzgewinn von gut drei Millionen Euro für das Jahr
2017. Die Bilanzsumme liegt bei 1 304 Millionen Euro, rechnerisch ein Wachstum von zwei Prozent.


Auch das Ergebnis der fusionierten Bank liegt über der Summe dessen, was die beiden Banken noch separat und unabhängig voneinander geplant hatten: Beide hatten ein Betriebsergebnis von jeweils 5,5 Millionen Euro prognostiziert – gemeinsam erreicht wurden nun 12,4 Millionen Euro, also 1,4 Millionen mehr als erwartet. Die Kundenzahl pendelte sich bei 9 500 ein. Das betreute Kundenvolumen inklusive der Bestände bei Verbundpartnern lag bei 2 870 Millionen Euro. Das sind 84 Millionen Euro mehr als die addierten Vorjahreswerte der beiden ehemaligen Banken, ein Zuwachs von drei Prozent. »Wir haben 2017 sogar Marktanteile hinzugewonnen, obwohl uns die Verschmelzung der beiden Banken beschäftigt hat«, sagt Werner Rockenbauch, einer der vier Vorstände. »Vor allem bei Immobilien-Finanzierungen sind wir gewachsen«, erklärt sein Kollege Thomas Taubenberger. Aber auch als Immobilien-Vermittler, im Wertpapier-Geschäft und bei Geldanlagen in Gold hat die VR Bank gute Resultate.


Trotz dieser Zahlen sind die Vorstände nicht optimistisch. »Die Entwicklungen, die uns Sorgen machen, haben längst begonnen«, sagt Vorstand Thomas Bierfreund. »Das Niedrigzinsniveau, das nun schon seit Jahren anhält, wird auch in unserer Bilanzstruktur immer deutlicher sichtbar.« In den kommenden Jahren werde die Bank jährliche Rückgänge beim Zinsüberschuss von durchschnittlich 1,5 Millionen Euro zu verkraften haben, kündigt er
an. »Deswegen wissen wir schon heute, dass unsere Ergebnisse in den nächsten Jahren rückläufig sein werden – wie bei vielen anderen Banken auch.«

Verschmelzung war richtig
Umso mehr zeige sich, wie richtig und wichtig die Verschmelzung der beiden Banken gewesen sei, sagt Vorstand Eberhard Heim. »Die neue, deutlich größere Bank wird mit diesen Entwicklungen besser umgehen können.« Bereits jetzt könne man deutliche Kostensenkungen erkennen. Mittelfristig erwarte die Bank Einsparungen in einer Größenordnung von mindestens 1,5 Millionen Euro pro Jahr. Durch Fluktuation sei die Zahl der Beschäftigten inzwischen um 27 auf 280 verringert worden. Alle vier Vorstände sind überzeugt: Zwar klinge das über dem Plan liegende Ergebnis 2017 noch gut, sehe auch im Vergleich der baden-württembergischen Genossenschaftsbanken gut aus.

Vier Prozent Dividende
Doch das Ergebnis habe die Vorjahreswerte nicht mehr erreicht, und dieser Trend werde sich in den kommenden Jahren fortsetzen. Durch die Fusion sei die Bank für diese Herausforderungen aber gerüstet. Und die Genossenschaftsmitglieder werden für 2017 noch einmal eine Dividende von vier Prozent erhalten.

Infos
Die VR Bank Tübingen ist eine genossenschaftliche Bank mit rund 64 000 Kunden und über
31 000 Mitgliedern. 280 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich in derzeit 21
Niederlassungen um die Geldgeschäfte der Kundschaft. Das betreute Gesamt-Kundenvolumen lag 2017 bei rund 2,87 Milliarden Euro.