TÜBINGEN. Die Gesellschaft für Wohnungs- und Gewerbebau Tübingen (GWG) baut – und zwar diesmal für sich selbst. Eine neue Geschäftsstelle kommt in die Eisenbahnstraße 8 in Tübingen, schräg gegenüber des Kauflands. Der Altbau aus dem Jahr 1948 soll dafür abgerissen werden. Und da man sich als Baugesellschaft auch gerade durch sein Geschäftsgebäude präsentieren möchte, ist es GWG-Geschäftsführer Uwe Wulfrath wichtig, dass am neuen Gebäude neben optimaler Funktionalität auch die Optik stimmt: »Bescheiden, nicht protzig, aber innovativ – wir möchten ein Gebäude, das uns entspricht als diejenigen, die für bezahlbaren Wohnraum in der Stadt zuständig sind.«

Ökologisch

Ökologische Bauweise sind dem Unternehmen ein Anliegen: Der Neubau soll »wirtschaftlich, qualitätsvoll und nachhaltig« sein. Um also das beste Gesamtpaket zu bekommen, wurden Architekten europaweit zum Wettbewerb aufgerufen. »Das ist Kennzeichen Tübinger Planungskultur, im Rahmen eines Wettbewerbes nach der besten Lösung zu suchen und nicht einfach irgendjemanden zu beauftragen«, sagt Tübingens Baubürgermeister Cord Soehlke bei der Präsentation der Siegerentwürfe im Foyer des Technischen Rathauses. Die Bewerber hatten sich zahlreich gemeldet: Ursprünglich seien 88 Bewerbungen eingegangen, 22 Entwürfe standen zur finalen Bewertung. »Das ist sehr ungewöhnlich für einen Architektur-Wettbewerb«, sagt Jury-Vorsitzender und Stuttgarter Architekt Prof. Jörg Aldinger. »Normalerweise muss man die Büros regelrecht bitten.« Die neunköpfige Fachjury aus GWGlern und Architektur-Experten haben zunächst fünf Entwürfe in die engere Auswahl gewählt und dann – übrigens einstimmig – einen Siegerentwurf gekürt: »Von M« aus Stuttgart hat das Rennen gemacht.

Kubisch mit Staffelgeschossen

Die »Von M«- Architekten haben ein kubisches Gebäude entworfen mit Staffelgeschossen, die symmetrisch zurückspringen.
Dazu offene Besprechungsplätze mit Kaffeetheke in Reichweite für eine gute Kommunikation. Platz zwei ging an Muffler Architekten aus  Tuttlingen und dritter Sieger wurde das Ulmer Architekturbüro Braunger Wörtz.

Neubau dringend benötigt

Die GWG, Tübingens größter Vermieter mit über 2000 eigenen Wohnungen, braucht den Neubau dringend: Im bisherigen Gebäude in der Konrad-Adenauer-Straße sind ehemalige Wohnungen zu Büroräumlichkeiten umfunktioniert worden - »suboptimal für die Kommunikation zwischen den Teams«, so Wulfrath, »außerdem null barrierefrei.« Besonders freut sich Baubürgermeister Soehlke über die Platzwahl der GWG: Das Gebiet um die Eisenbahnstraße sei »im Mittelpunkt verschiedener Entwicklungen« und gehöre »nicht zu den Sahnestückchen der Stadt«. Auch Oberbürgermeister Boris Palmer, der kurz auf eine Stippvisite in die Präsentation hereinschneite, ist froh, »dass Sie in ein bisher aufwertungsfähiges Stück Stadt hineinbauen«. 

Im Frühjahr Entscheidung

Ob »Von M« auch tatsächlich baut steht allerdings noch nicht hundertprozentig fest. »Wir besprechen uns nun mit den Büros der drei besten Entwürfe, um zu sehen welcher Entwurf die besten Entwicklungspotentiale hat«, erklärt Wulfrath. »Der Bewerber mit den meisten Punkten bekommt den Auftrag, allerdings definiert das Wettbewerbsergebnis bereits 50 von 100 Punkten, daher ist es sehr wahrscheinlich, dass es auch beim Siegerentwurf bleibt.« Die finale Entscheidung fällt im Frühjahr nächsten Jahres. Bei den rund 6000 Quadratmetern Fläche des »Von M«-Entwurfs dürfte die GWG auf Kosten von rund 6 Millionen Euro kommen, Grundstückserwerb eingeschlossen. Baubeginn ist für 2020 geplant und 2001 soll das neue Gebäude bezugsfertig sein.                                                                                                                        –nads