REUTLINGEN. Das war ein Gänsehautmoment: nach 16 Jahren gibt Barbara Bosch das Zepter als Stadtoberhaupt von Reutlingen ab. Letztmals stand die Oberbürgermeisterin nun als Gastgeberin des Bürgerempfangs am Rednerpult und sprach zu den Gästen. »Es war mir eine Freude und Ehre, im Namen der Stadt den Auftakt in das neue Jahr mit ihnen gemeinsam zu begehen«, sagte Barbara Bosch in der voll besetzten Stadthalle. Diese Worte und natürlich die Verdienste der Rathauschefin honorierten die Gäste mit lang anhaltenden stehenden Ovationen. Die OB genoss sichtlich gerührt diesen warmherzigen Moment. Und sie blickte zurück und voraus.

Traditionell eröffnet wurde der Vormittag durch ein musikalisches Schmankerl des Bläserquintetts der Württembergischen Philharmonie Reutlingen. »Sie blasen uns nicht den Marsch, sondern sehr schöne Musik«, so die einleitenden Worte von Oberbürgermeisterin Barbara Bosch am Dreikönigstag. Unter der musikalischen Leitung von Sebastian Volk durften die Gäste in der gut besuchten Stadthalle den Klängen von Antonio Vivaldi lauschen. Derart gut eingestimmt gab es einen kurzen Jahresrückblick und die Aussichten auf das neue kommunalpolitische Jahr. 

Das Noch-Stadtoberhaupt sprach in ihrer letzten Rede dieser Art unter anderem über Verunsicherung, Ohnmacht und Angst bei einem zurückgehenden Zukunftsoptimismus in Deutschland, über die Zunahme und Wichtigkeit der Digitalisierung, mit den daraus resultierenden Aufgaben einer Stadt, echte menschliche Begegnungen weiterhin zu ermöglichen - zum Beispiel durch mehrere Bürgerhäuser. Auch die Wohnraumsituation kam zur Sprache. Mit reichlich Applaus und Zustimmung wurde die Aussage honoriert, dass die GWG städtisch bleibt. Sie sei das Instrument beim Wohnungsbau und diene der städtischen Aufgabe der Daseinsvorsorge.

Auch Reizthemen dabei

Natürlich wurde auch das Thema Mobilität und die damit einhergehende Verkehrslage in Reutlingen angeschnitten, die in letzter Zeit doch für reichlich Verdruss sorgte. Mit einem vom Bund bezuschussten Umweltpaket und dem Ausbau des Stadtbusnetzes möchte die Stadt Umwelt und Bürger besänftigen. »Zusammen mit der Umsetzung des Masterplans Radverkehr werden wir den Verkehr in der Stadt zugunsten von Fußgängern, Rad- und Busfahrern verändern, ohne dabei das Auto zu verteufeln«, so die Ankündigung der Oberbürgermeisterin.

Von außergewöhnlichen Menschen und Verdienstmedaillen

Neben einer diskussionsanregenden Neujahrsrede standen natürlich auch weitere Punkte auf dem Programm. So der Bühnenauftritt des 16-jährigen Hannes Nedele. Das junge Gesangstalent verzauberte das Publikum unter anderem mit dem Stück »Journey to the past« aus dem Musical »Anastasia«. 

Zudem wurde an diesem Tag die Verdienstmedaille der Stadt Reutlingen gleich zweimal verliehen. Beide Reutlinger Bürger zeichneten sich durch herausragendes ehrenamtliches Engagement aus. Günther Digel leitet und organisiert seit 1971 die Reutlinger CVJM-Spendenaktion für Projekte von Brot für die Welt. Helmut Walz konnte man jahrelang an den Markttagen pünktlich um acht Uhr hören. Denn da blies der »Wächter vom Turm« auf der Marienkirche. Als Turmbläser ließ er seinen Morgengruß über die Altstadt Reutlingens erschallen - und das 47 Jahre lang. Für ihren unermüdlichen Einsatz bekamen sie nun von Oberbürgermeisterin Barbara Bosch im feierlichen Rahmen des Bürgerempfangs 2019 die Verdienstmedaille überreicht.                                                                                                                                                                                                                                            –rw/boe