Sie machen seit anderthalb Jahren von sich reden. Aber nicht im Schlechten, im Gegenteil. Der VfL Pfullingen beherrscht die Landesliga Staffel 3 und schickt sich an, in die Verbandsliga aufzusteigen. Nach dem zweiten Platz in der Vorsaison hat sich das Team um Trainer Michael Konietzny noch einmal gesteigert und führt in der Winterpause die Tabelle mit vier Punkten Vorsprung an. Kein Grund abzuheben findet Fußball-Abteilungsleiter Timo Schyska, der seit 2009 die Geschicke der Abteilung führt. Der 47-Jährige kennt das Fußballgeschäft und weiß, wie schnell es auch andersherum laufen kann. »Es ist noch gar nichts entschieden«, sagt er und fordert weiterhin hohe Konzentration in jedem Spiel. »Wenn wir nachlassen, dann verlieren wir die Spiele.« In der vergangenen Woche begann der Spitzenreiter mit der Vorbereitung auf die Rückrunde. 

Hallo Timo Schyska, wo hängt im Hause Schyska die Tabelle der Landesliga Staffel 3?
Timo Schyska: Im Archivordner.

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Nicht sichtbar für alle und so bescheiden?
Schyska: Wir sind in einem Stadium der Runde, wo die Tabelle noch gar nichts aussagt.

Gleichwohl ist es ein souveräner erster Platz. Das kann sich ja durchaus sehen lassen. Ihr führt mit vier Punkten die Tabelle an, und die Zeitungen schreiben von Langeweile wie in der Bundesliga. Planen Sie denn schon für die Verbandsliga, wie es eine Zeitung angeraten hat?
Schyska: Die letzten Spiele haben gezeigt, dass wir immer an die Grenze gehen müssen. Wir sind mit Sicherheit keine Übermannschaft. Wir haben gesehen, wenn wir ein wenig nachlassen, verlieren wir die Spiele. Insofern haben vier Punkte noch gar nichts auszusagen. Natürlich machen wir uns auch Gedanken, wie es aussehen könnte. Aber wir wissen, wir haben noch ein hartes, hartes Stück Arbeit vor uns. Dafür gilt uns ganze Konzentration. Es ist noch gar nichts entschieden. Insofern kann ich über solche Aussagen in der Zeitung nur mit dem Kopf schütteln.

In der Vorsaison waren sie Zweiter. Hat dieser zweite Platz dazu geführt, dass die Mannschaft noch stärker geworden ist?
Schyska: Dieser zweite Platz hat dazu geführt, dass die Mannschaft gesehen hat, was sie zu leisten in der Lage ist. So gesehen hat das auch dazu beigetragen, dass wir auch gut dastehen. Natürlich sind auch die Ansprüche gestiegen, insbesondere der Druck von außen. Man muss mit dem Druck auch umzugehen wissen.

Wo liegt denn der Grund für das konstant starke Auftreten?
Schyska: Der Stamm der Mannschaft ist seit Jahren zusammen. Wenn wir uns überlegen vor ein paar Jahren waren wir in der Winterpause noch Vorletzter. Mit Jochen Class kam ein Mann, der es geschafft hat, das Potenzial der Mannschaft zu wecken. Sein Nachfolger Michael Konietzny knüpft an diese Arbeit an. Der Stamm der Mannschaft ist seit Jahren zusammen und wir haben auch entscheidende Verstärkungen aus der eigenen Jugend, aber auch von außen, von niederklassigen Verein wohl gemerkt, dazubekommen. Das fügt sich jetzt erfolgreich zusammen.

Euer Verein, so hört man zumindest von Außenstehenden, ist momentan ein schönes Beispiel dafür, was ein funktionierendes Kollektiv alles erreichen kann. Da gibt es Stimmen wie: Ich geh zum VfL, weil sie eine hervorragende Spielanlage haben und da spürt man den Teamgeist«. Dieser Funke scheint auf die Zuschauer übergesprungen zu sein.
Schyska: Solche Aussagen freuen mich natürlich. Aber man sieht es auch an der Zuschauerstatistik. Wir liegen da auf dem zweiten Platz hinter Bösingen mit im Schnitt 270 Zuschauern. 

Gibt es denn Neuzugänge jetzt in der Winterpause?
Schyska: In der Rückrunde kommt Jochen Frey zurück, der in der Vorsaison mit 18 Toren unser bester Torschütze war. Er spielte ein halbes Jahr in Albstadt, kann aber jetzt beruflich den Aufwand in der Verbandsliga nicht mehr leisten. Er ist ein sehr kompletter Spieler und kann auf vielen Positionen eingesetzt werden. Es ist durchaus eine Verstärkung für uns. Man muss aber auch sehen, dass Dominik Früh, der unser bester Torschütze in der Vorrunde war, jetzt studienbedingt nach Berlin geht und zehn Spiele fehlen wird. Insofern ist es ein gewisser Ausgleich. Zudem bekommen wir mit Mike Kemmler einen Torwart hinzu. Aber auch er füllt eine Lücke, weil Lukas Hillenbrand nach Glems gegangen ist in der Winterpause.

Wie sieht es mit den Verletzten aus?
Schyska: Philipp Bobinger hat sich im letzten Spiel der Vorsaison einen Kreuzbandriss zugezogen. Er kommt jetzt wieder zurück, steigt in der Vorbereitung wieder ein, war damals Stammspieler. Dann Dominik Grauer, der sich im vierten Spiel schwer verletzt hat, die Knie-OP gut überstanden hat. Aber er braucht noch eine Weile. Auch auf die anderen Verletzten hoffen wir wie Patrick Lehmann, Tobias Hauser oder Maurizio Lauretti. Wir hoffen, dass sie früher oder später wieder einsteigen können. Dann haben wir einen Kader, der durchaus in der Lage ist, wenn er alles gibt, weiterhin vorne mitzuspielen.

Der Erfolg mit dem Fußball verbindet sich ja auch mit dem Namen Schyska. Sie sind aber von Haus aus kein Fußballer. Wie sind sie denn in diese Verantwortung gerutscht?
Schyska: Das ist so eine Geschichte, die das Leben halt so schreibt. Mitte der 80er Jahre hat ein Großteil meiner Kumpels Fußball gespielt beim VfL. Ich hab da immer zugeschaut und bin dann irgendwann mal vom Trainer gefragt worden, wenn Du sowieso da bist, könntest du für uns doch auch die Berichte schreiben. Das war der Anfang.

Und kein Ende in Sicht.
Schyska: Oh doch. Es ist meine letzte Amtszeit. 2017 ist Schluss.

Machen wir am Ende noch ein Gedankenexperiment. Wenn man die Tabelle der Landesliga anschaut und die Tabelle der Oberliga mit dem SSV Reutlingen, ergibt das ja eine interessante Konstellation. Wenn jetzt also Schluss wäre, und der SSV Reutlingen absteigen würde, dann käme es zu einem Derby. Habt ihr schon mal darüber gesprochen oder ist das überhaupt kein Thema?
Schyska: Das ist kein Thema und bar jeglicher Realität. Ich bin mir sicher, dass der SSV nicht absteigt. Insofern stellt sich die Frage nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir in der nächsten Saison gegen die Zweite des SSV in der Bezirksliga spielen, ist da schon höher. Denn auch unsere Zweite strebt nach oben. Was dabei herauskommt, steht noch in den Sternen. Ich gehe nicht davon aus, dass wir in der nächsten Saison mit der ersten Mannschaft ein Pflichtspiel gegen die Erste des SSV Reutlingen bestreiten.

Aber dass ihr aufsteigen wollt, ist schon ein Thema.
Schyska: Klar wir beschäftigen uns damit. Und es ist ja auch nicht ausgeschlossen. Wir haben viel dafür gearbeitet, nicht nur auf dem Platz, sondern auch drum herum. Unter anderem mit dem Bau des Kunstrasenplatzes. Das war schon ein großer Schritt nach vorne. Wir ernten gerade die Früchte unserer Arbeit. Aber wenn wir nicht aufsteigen, dann hört der VfL nicht auf zu existieren. Das Leben geht weiter. Wir sind nicht mit Gedeih und Verderb auf diesen Aufstieg angewiesen.

    Interview von Dieter Reisner