REUTLINGEN. Ein straffer Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr, der Rückblick auf ein recht turbulentes Jahr 2017, die Einstimmung auf erwartet härtere Zeiten sowie harmonisch verlaufende Abstimmungen bzw. Wahlen ohne jegliche Gegenstimmen prägten die Vertreterversammlung der Volksbank Reutlingen in der Stadthalle. Nach über 23 Jahren als Vorstandsmitglied, davon 16 Jahre als Vorstandsvorsitzender, war es zugleich der letzte Vorstandsbericht, den Josef Schuler vor 144 stimmberechtigten Vertretern und weiteren Gästen ablegte. Ende Juni geht der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Reutlingen in den Ruhestand. 

Großes Abschiedsfest
Verbandsdirektor Gerhard Schorr vom Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband würdigte mit sehr persönlichen Worten die Verdienste von Josef Schuler, der mit großer Leidenschaft und Einsatz die Bank auch durch schwierige Zeiten sicher geführt und nun ein grundsolides gutes Haus übergeben kann. Zu diesem Fazit kam auch der Aufsichtsratsvorsitzende Jörg Berner in seiner Laudatio, die er allerdings eher knapp hielt, da zu einem späteren Zeitpunkt noch ein Abschiedsfest für Josef Schuler anberaumt ist. Zuvor hatte Gerhard Schorr den langjährigen Aufsichtsrat Edmund Sautter geehrt, der nach 24 Jahren im Ehrenamt bewegt Abschied von »seiner Volksbank« nahm. Wie Edmund Sautter hat auch Ursula Sommer auf eine Wiederwahl verzichtet, war bei der Versammlung allerdings verhindert. Im Blick auf die prognostizierten und im Genossenschaftssektor wahrscheinlich auch anstehenden Zusammenschlüsse, folgten die Vertreter dem Vorschlag des Aufsichtsrats, zunächst keine Nachwahl für die beiden nun freiwerdenden Sitze vorzunehmen. Nicolette Amhoff und Jörg Berner wurde als Aufsichtsratsvorsitzender beziehungsweise stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende einstimmig wiedergewählt. 

Zusammenschluss verteidigt
Der Aufsichtsratsvorsitzende erläuterte den Vertretern ausführlich, welche Gründe Vorstand und Aufsichtsräte bewogen hatten, Sondierungsgespräche mit der Vereinigte Volksbank eG Sindelfingen einzugehen. Dabei nannte er unter anderem die herausfordernde Marktentwicklung und die weiter zunehmenden gesetzlichen und regulatorischen Anforderungen. 
Nach vielen Gesprächen und durchweg offenen und konstruktiven Verhandlungen seien beide Häuser bei der finalen Bewertung allerdings zu dem Entschluss gekommen, final noch kein abschließendes, gemeinsames Zielbild vereinbaren zu können. Beide Seiten haben sich allerdings darauf verständigt, die Türen gegenseitig weiter offenzuhalten, um jederzeitige Wiederaufnahme der Sondierungsgespräche oder auch eine andere Form der Zusammenarbeit zu ermöglichen. 
Jörg Berner fasste abschließend zusammen, dass perspektivisch klar die Notwendigkeit zu einer anderen Größe der Volksbank Reutlingen für die künftige, adäquate Betreuung des Kernmarktgebiets gesehen wird und zwar in prosperierenden und dichter besiedelten Märkten. Die »Pausentaste« bedeute nicht das Ende der Sondierungsgespräche, sondern versetze beide Häuser in die Lage, nochmals in sich zu gehen. 

Schulers letzter Bericht
Vorstandsvorsitzender Josef Schuler präsentierte in seinem Bericht über das Geschäftsjahr 2017 zufriedenstellende Zahlen, verhehlte aber auch nicht, dass es laut Eckwertplanungen im Kerngeschäft des Zinsüberschusses in den nächsten Jahren noch »deutlich ungemütlich« werden könne für die Volksbank. Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnte dieser immerhin noch bei 24,7 Mio. Euro gehalten werden. Doch die Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches Bankgeschäft werden zusehends schwieriger. Wirtschaftlich gesund, gut aufgestellt und strategisch positioniert, kann die Volksbank die naheliegenden Herausforderungen noch erfolgreich meistern. Es bleibe aber fraglich, ob dies auch für die weitere Zukunft ausreiche. 

Mitglieder gesunken
Trotz der gerichtlichen Auseinandersetzung um Negativzinsen sind die Kundeneinlagen um rund 100 Mio. Euro gestiegen – ein Plus von 5,6 Prozent. Auch bei den Krediten war eine Steigerung um 2,2 Prozent zu verzeichnen, allerdings lag man damit unter dem geplanten Wachstum von vier Prozent und ist deshalb nur bedingt zufrieden mit dem Ergebnis. »Dieses Feld wird schwieriger«, stellte der Vorstandsvorsitzende fest, der Wettbewerb um jede einzelne Finanzierung nehme wahrnehmbar zu – zu Lasten auch der Margen. Das gesamte betreute Kundenkredit- und Kundenanlagen-volumen stieg 2017 auf 3 Mrd. 65 Mio. Euro (+ 126 Mio. Euro).  Das Eigenkapital ist quotal stabil geblieben und die derzeit geforderten neun Prozent habe man mit einer Gesamtkapitalquote von 17,7 Prozent deutlich überfüllt. Die Gewinn- und Verlustrechnung weist neben dem gehaltenen Zinsüberschuss eine leichte Steigerung bei den Provisionserträgen aus. Weil sonstige betriebliche Erträge leicht zurückgingen, liegt das operative Ergebnis bei ebenfalls leicht reduzierten 39,7 Mio. Euro. Bei den Kosten fällt vor allem der deutliche Rückgang bei den Personalaufwendungen um rund eine Mio. Euro auf. Allerdings werde für 2018 hier wieder eine leichte Erhöhung erwartet. Das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit ist um rund zwei Mio. Euro auf 10,5 Mio. Euro gestiegen.

Somit verbleibt ein Jahresüberschuss von rund 1,9 Mio. Euro. Mit Zustimmung der Vertreterversammlung bekommen die Mitglieder wie im Vorjahr drei Prozent Dividende ausgezahlt. Die Zahl der Mitglieder ist 2017 auf 2 9307 Mitglieder gesunken, darunter 717 Mitglieder, die ausgeschlossen wurden, weil sie nicht mehr aktiv mit der Bank zusammenarbeiten.  Seinen letzten Vorstandsbericht schloss Josef Schuler mit der Versicherung, die Versammlung stets offen und ehrlich über die maßgeblichen und kritischen Punkte der Volksbank Reutlingen informiert zu habe und bedankte sich für das Vertrauen, dass die Vertreter ihm, seinen Kollegen und dem gesamten Aufsichtsrat immer entgegengebracht haben.