REUTLINGEN. Eine gute Entwicklung in der Baukonjunktur sieht der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Reutlingen, Ewald Heinzelmann, derzeit im Landkreis und auch landesweit. »Dass Handwerker hingegen schlecht zu bekommen seien, wie manche glauben, trifft generell nicht zu und ist allenfalls im Einzelnen mal ein Problem«, so Heinzelmann in dem Mediengespräch. Sowohl für die Bauhauptgewerke (Rohbau), als auch die Ausbaugewerke (Innenausbau) weist der Konjunktur-Index im vierten Quartal des vergangenen Jahres gegenüber 2016 mit 79,2 (76,7) und 76,7 (69,3) Punkten Steigerungen aus. Die Auftragsauslastung bei ersteren betrug rund 13 Wochen, bei letzteren 10 Wochen. Auch die Umsätze im privaten Wohnungsneubau und bei öffentlichen Bauaufträgen legten deutlich zu.

Nachfrage verhalten
»Auffällig ist der Rückgang bei den Modernisierungen«, stellte Kreishandwerksmeister Dieter Laible fest. Dabei sind die Preise bei den Handwerkerleistungen relativ stabil geblieben. Lediglich rund 20 Prozent der Betriebe mussten diese wegen gestiegener Einkaufspreise erhöhen.  Roman Geiselhart, Obermeister der Maler- und Lackierer-Innung Reutlingen, konstatierte in seiner Branche einen Auftragsrückgang. Die Beschäftigungssituation sei jedoch gut, die Auftragsauslastung läge bei zirka vier Wochen. »Die Nachfrage ist verhalten«, sagte er. Grund dafür sei die Tatsache, so Geiselhart, dass die Hagelschäden von 2013 inzwischen abgearbeitet sind. Zudem hätten einige Kunden das Vorurteil, Handwerker wären zu teuer. Das sei allerdings zu kurz gedacht, denn »eine solide Handwerkerleistung zahlt sich langfristig immer aus«, so der Obermeister. Derselben Meinung ist auch Steffen Mohl, Obermeister der Fliesenleger-Innung Reutlingen: »Viele Betriebe leiden darunter, dass sich die Nicht-Meister ausbreiten und am Markt Druck erzeugen.« Aufgrund nicht fachgerecht ausgeführter Arbeiten nähmen Bauschäden überhand, hat Mohl beobachtet.

Kapazitäten vorhanden
Gerd Renz, Obermeister der Zimmererinnung Reutlingen, führt die Auftragsrückgänge in seinem Gewerk ebenfalls teils auf »die Hagelproblematik« zurück. »Der Hagel hat viel vorweggenommen, jetzt stehen wir wieder auf dem Niveau vor 2013«, erklärte er. Die Auftragsauslastung, so Renz, läge derzeit bei vier bis sechs Wochen. »Eine normale Situation.« Allerdings machte er für die verhaltene Nachfrage weitere Gründe aus: den Trend zu Fertighäusern sowie die gesetzlichen Vorgaben bei Sanierungen. »Letztere machen das Bauen teuer.« »Wegen des Investitionsstaus im Privaten muss die wichtige Message nach außen lauten: Die Kapazitäten in den Betrieben sind vorhanden, und sie können auch kurzfristig abgerufen werden«, betonte der Obermeister.