REGION. Weniger Verkehrsunfälle mit Personenschaden, deutlicher Rückgang bei der Zahl der Schwerverletzten, leichter Rückgang bei der Zahl der Menschen, die auf den Straßen der Landkreise Esslingen, Reutlingen und Tübingen ihr Leben verloren haben – insgesamt zeigt sich Polizeipräsident Professor Alexander Pick durchaus zufrieden mit der Bilanz. »Sorgen bereitet uns aber nach wie vor die hohe Anzahl der Motorradfahrer unter den Verkehrstoten und die Unfallursache Geschwindigkeit bei den jungen Fahrern«, sagte der Polizeipräsident bei der Verkündigung der Zahlen. Dem Landestrend entsprechend stieg die Zahl der Verkehrsunfälle im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Reutlingen im vergangenen Jahr um fast sechs Prozent auf 30 168 an. Zum ersten Mal wurde damit die 30 000er-Marke übersprungen. Der Anstieg ist ausschließlich auf Unfälle mit Sachschaden zurückzuführen, die sich um 1 795 auf 26 865 erhöhten. Bei 3 303 (2015:
3 398), das sind elf Prozent aller Unfälle, kamen Personen zu Schaden. Der volkswirtschaftliche Gesamtschaden beträgt über 476 Millionen Euro.


Nach einem Anstieg der Verkehrstoten im Jahr 2014 ist die Zahl der Menschen, die bei Verkehrsunfällen starben, nach einem bereits im Jahr 2015 verzeichneten Rückgang auch 2016 nochmals leicht zurückgegangen. Bei 27 Unfällen verloren 30 Menschen ihr Leben, das sind zwei weniger als im Jahr 2015 (30 Unfälle/32 Getötete). 16 der Getöteten waren als Fahrer oder Beifahrer in einem Pkw unterwegs, neun waren Motorradfahrer. Unter den Toten waren auch drei Fußgänger und zwei Radfahrer. Eine erfreuliche Bilanz ist bei der Entwicklung der Zahl der Schwerverletzten zu verzeichnen, die sich von 761 um fast zehn Prozent auf 691 reduzierte. Dies ist auf deutliche Rückgänge um 16,8 bzw. 14,5 Prozent in den Landkreisen Esslingen und Tübingen zurückzuführen, während die Zahl der Schwerverletzten im Landkreis Reutlingen um neun (3,4 Prozent) anstieg.


Die Zahl der Leichtverletzten bewegt sich mit einer nur geringen Steigerung um zehn auf 3 529 auf Vorjahresniveau.Die detaillierte Auswertung der über die reinen Kleinstunfälle hinausgehenden Unfälle ergab als häufigste Ursache mit 2 578 Unfällen wieder Fehler beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren, gefolgt von 2 093 Vorfahrts- und 892 Abstandsverstößen und 813 mal überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit. Je schwerer aber die Unfallfolgen sind, desto mehr kommt als Ursache Geschwindigkeit zum Tragen. Bei allein 13 und damit rund der Hälfte der 27 tödlichen Unfälle und bei jedem vierten Unfall mit Schwerverletzten war dies die Hauptunfallursache oder zumindest mitursächlich.
Nach einem Anstieg im Jahr 2015 sank die Zahl der alkoholbedingten Unfälle im Jahr 2016 mit 358 nur leicht unter das Niveau des Vorjahres (366). Unfälle mit Personenschäden schlagen dabei mit fast 38 Prozent und damit weit über einem Drittel zu Buche. 174 Menschen (2015: 180) wurden verletzt, 54 davon schwer (2015: 55).


Nochmals leicht um vier auf 28 sind die Unfälle zurückgegangen, die durch Drogeneinfluss verursacht wurden. Sieben Personen wurden leicht verletzt. 2015 waren es sechs gewesen.Im Rahmen der polizeilichen Verkehrsüberwachung wurden über 1 200 Fahrzeugführer wegen Fahrens unter Alkoholeinwirkung und 374 Fahrer wegen Fahrens unter Drogeneinwirkung zur Anzeige gebracht. Um 26 und damit um rund 11,5 Prozent auf 199 sind die Verkehrsunfälle gesunken, in die Kinder (bis 13 Jahre) verwickelt waren. Die Zahl der schwer verletzten Kinder ging um 17 auf 45 zurück, während 243 Kinder (2015: 232) leicht verletzt blieben. Am häufigsten verunglückten Kinder mit Fahrrädern (111) oder als Fußgänger (68). Eine positive Entwicklung ist bei den Schulwegunfällen zu verzeichnen. Nicht nur die Zahl der Unfälle ging um fast 22 Prozent auf 61 und damit auf den niedrigsten Stand im Fünfjahresvergleich zurück, auch wurden deutlich weniger Kinder verletzt. Die Zahl der schwer verletzten Kinder verringerte sich um 60 Prozent von 25 auf zehn, 52 (2015: 59) wurden leicht verletzt. Todesopfer waren nicht zu beklagen. In der Mehrzahl verunglückten die Schüler mit dem Fahrrad (39) oder als Fußgänger (19).


Zum zweiten Mal in Folge stieg die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Beteiligung »junger Erwachsener« (18 bis 24 Jahre) wieder an. Bei 2 564 Unfällen (2015: 2.529) kamen 14 Menschen (2015: sechs) ums Leben. Der Anteil der getöteten jungen Erwachsenen an der Gesamtzahl der tödlich Verunglückten liegt im Jahr 2016 bei 26,7 Prozent. In 55 Prozent der Unfälle setzten die jungen Erwachsenen die Ursache. Als Hauptursache wurden mit 23 Prozent Vorfahrtsverletzungen registriert. Während bei den Gesamtunfallzahlen die Ursache Geschwindigkeit bei etwa elf Prozent liegt, fällt diese Ursache bei den von jungen Erwachsenen verursachten Unfällen mit 18,7 Prozent besonders ins Gewicht. Die Unfälle mit Senioren ab 65 Jahren stiegen erwartungsgemäß entsprechend der demografischen Entwicklung weiter an. 2016 waren es 2 402 Unfälle, 111 und damit 4,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Waren im Jahr 2015 13 Menschen gestorben, ging die Zahl der tödlich Verunglückten auf acht zurück. 64 Prozent der Unfälle wurden von den daran beteiligten Senioren verursacht. Hauptursachen sind Vorfahrtsverstöße (26 Prozent) und Fehler beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren (24 Prozent). Mit 2,8 Prozent spielt die Ursache Geschwindigkeit bei den Senioren so gut wie keine Rolle.