BAD URACH. Der Gang auf das Rathaus ist nicht so oft mit freundlichen Gedanken verbunden – mal von der Meldung einer Kindsgeburt oder der Bestellung des Heiratsaufgebots abgesehen. Da macht es dann schon einen Unterschied, wie einen so ein Gebäude empfängt. Die Kurstadt Bad Urach konnte mit dem Eingangsbereich in ihren Verwaltungssitz nicht punkten: Dunkel eng und eher abschreckend wirkt das Erdgeschoss – die achtziger Jahre lassen grüßen. Doch nun soll alles anders werden. Im Technischen Ausschuss stellte Thomas Jaschinschki, Gebäudemanager der Stadt, die Pläne des Architekturbüros Keppler aus Münsingen vor. Er vertrat den erkrankten Gerhard Keppler. Grundvoraussetzung sei es das Erdgeschoss auszuräumen, um Raum zu schaffen für eine großzügige Flurzone mit Empfangstresen und Wartebereichen, von wo aus man in die durch Glaswände abgetrennten Behördenräume gelange. Abgebaut werden soll seinen Worten zufolge zudem die derzeitige Deckenabhängung. Damit will man den Flur bis zur historischen Decke in etwa fünf Meter Höhe zu öffnen, gleichzeitig den Blick auf bauliche Details wie Stützen und Kopfbänder freigeben. 

Bürgerbüro und Eingangsbereich sollen mit viel Glas und Lichteinfall eine neue Atmosphäre schaffen, die Menschen einladen, das Rathaus zu betreten. In diesem Zusammenhang sollen bürgerfreundlich die Dienststunden des Bürgerbüros ausgeweitet werden. Zehn Stunden mehr sollen es werden, statt bisher 19,5 später 29,5. Unter anderem ist das Bürgerbüro dann auch am Samstagvormittag von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Der höhere Personalaufwand soll durch eine 70-Prozent-Stelle abgedeckt werden. Der Gebäudemanager sprach von einem »Quantensprung«. Er bezog sich auch auf seine eigenen Erfahrungen. Als er vor 30 Jahren bei der Stadt angefangen habe, sei schon von einem Umbau des Eingangsbereichs, des ehemaligen Fruchtkastens, die Rede gewesen. Nun sei es endlich soweit. »Zeitgemäße Arbeitsbedingungen für die Rathausmitarbeiter schaffen«, nannte es Bad Urachs Bürgermeister Elmar Rebmann. Der Eingangsbereich entspreche seit längerem nicht mehr den Anforderungen die in Punkto Helligkeit, Übersichtlichkeit aber auch beim Schall- und Brandschutz heutzutage gefordert würden. 

Rebmann bezifferte die Kosten für die Sanierung des Erdgeschosses inklusive einer Sanierung der Fassade am Nebengebäude mit rund 1,05 Millionen Euro. Als Vorteil wertete der Bürgermeister, dass sich das Rathaus zum Einen im Sanierungsgebiet Nördliche Innenstadt II befinde und zum Anderen dass es sich um ein stadtprägendes Gebäude handele. Im Klartext bedeutet dies: Es fließen Fördergelder von über 50 Prozent vom Landesamt für Denkmalpflege, exakt 535 000 Euro. Die Genehmigung hat das Landesdenkmalamt zwar noch nicht erteilt, aber in Aussicht gestellt. Die Stadt muss demnach aus dem eigenen Geldbeutel noch 515 000 Euro hinzusteuern. Nach der Präsentation der Pläne im Technischen Ausschuss wurden sie auch dem Gemeinderat gezeigt. Grundsätzlich gefiel, das was Architekt Keppler entworfen hatte, einigen war der Eingangsbereich etwas zu puristisch ausgefallen. Hier sollen Verwaltung und Architekturbüro noch nach Verbesserungen suchen. Am 29. Januar wurde der optimierte Plan vorgestellt. Das tatsächliche Ergebnis lag uns allerdings bei Redaktionsschluss noch nicht vor. Baubeginn könnte bereits im September sein. Nicht länger als ein Jahr soll die Bauphase dauern. Ein Umzug der Mitarbeiter ins Stadtmuseum wurde aus Kostengründen abgelehnt.                                                                                                                                                                                               –ew/ber