Kommt er, kommt er nicht? Die »Gesellschaft Kultur des Friedens (GKF)« feierte ihr 30jähriges Bestehen in Tübingen und Stuttgart mit Gedenkveranstaltungen, Aktionen und dem neuen »Projekt Friedensparlament«, das zusammen mit Friedens-Initiativen der vorherrschenden Rüstungs- und Kriegspolitik entgegenwirken will. Angekündigt war auch der griechische Schriftsteller und Komponist Mikis Theodorakis. 
Der Begriff »Kultur des Friedens« geht auf einen Kongress 1988 in Tübingen mit Künstlern, Wissenschaftlern und Menschenrechts- und Friedensaktivisten zurück, die eine neue »Denk- und Handlungsbewegung« zur Bewältigung politischer Konflikte anstrebten. Zahlreiche Prominente waren und sind der Gesellschaft verbunden und unterstützten sie, darunter Karola Bloch, Christa Wolf, Prof. Hans-Peter Dürr, Prof. Walter Jens, Franz Alt, Konstantin Wecker und von Anfang an Theodorakis, inzwischen 92 Jahre alt. 

Lang ist auch die Liste der Projekte in Kriegs- und Krisenregionen, in denen sich die GKF stets für ihre Ziele stark gemacht hat. So engagierte sie sich unter anderem in Kolumbien, Griechenland, Afghanistan, Iran, Irak, Ägypten, Palästina, Israel, Chile, Bosnien und dem Kosovo mit Kampagnen wie Friedensuniversitäten, Partnerschaften, Camps, Kongressen oder Konzerten. Mit Eifer und Nachdruck leistete die Gesellschaft ihren Beitrag zu mehr Verständigung und vielleicht auch etwas mehr Friedfertigkeit in der Welt. Der Wert ihrer Arbeit kann nicht hoch genug bewertet werden, dank auch des unermüdlichen Einsatzes von Mitarbeitern und Helfern, allen voran des Vorsitzenden und Mitgründers Henning Zierock. Höhepunkt des GKF-Geburtstags sollte ein Abend mit Musik und Wortbeiträgen in der proppenvollen Tübinger Stiftskirche sein, den Zierock moderierte. Und um es gleich vorweg zu sagen: Es wurde eine ziemliche zähe Veranstaltung mit erheblichen dramaturgischen Längen und Schwächen.

Der Abend geriet zu einer Ein-Mann-Show von und mit Zierock. Warum waren nicht einige der langjährigen Vor-Ort-Mitstreiterinnen und Mitstreiter eingebunden, bei aller Ernsthaftigkeit des Anlasses vielleicht eine Prise Humor einbringend? Die Aufführung der »Mauthausenkantate« von Mikis Theodorakis, eine musikalische Kostbarkeit als Chorprojekt von Konstantin Wecker, dem Theodorakis-Chor sowie Schülerinnen und Schülern des Uhland-Gymnasiums unter Mitwirkung des Tübinger Ärzteorchester eindrucksvoll vorgetragen, hätte in der Programmabfolge deutlich nach vorne gerückt gehört. Denn es war schon sehr spät geworden, und manche Kinder konnten ihr Gähnen kaum unterdrücken. Kein Wunder, sie hatten ja auch einen langen Tag. Regelrecht einschläfernd wurde es dann gegen Schluss, als sich Zierock nochmals und nochmals ein Musikstück wünschte und das geneigte Publikum auf die Uhr schauen ließ. Etliche Gäste waren sicher auch gekommen, den bis zuletzt angesagten hochbetagten Theodorakis noch einmal zu sehen, den sie in vergangenen Tagen schätzen und lieben gelernt haben. Doch daraus wurde nichts, nachdem Zierock erklärt hatte, der greise Mann aus Griechenland habe mitteilen lassen, er könne aus gesundheitlichen Gründen die Reise nach Deutschland nicht antreten.er noch auf der Webside der »Gesellschaft Kultur des Friedens«. Ach ja, es gab auch die Glanzpunkte. Neben dem Chorprojekt waren das der unverwüstliche Konstantin Wecker, der mit ein paar seiner schönsten Lieder begeisterte und der Tübinger Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Jürgen Wertheimer mit einem pointiert-geistvollen Redebeitrag zum allgemeinen Kriegsgewinnlertum.