Mit einer Befragung der Haushalte im Quartier Kreuzerfeld und Kreuzerfeld-Süd lotete die Stadtverwaltung Rottenburg mögliche Entwicklungsperspektiven auf verschiedenen Ebenen aus. Der Bürgerbefragung sollen noch Gespräche und Workshops mit den Bürgern folgen.

Eigentlich eine sehr gute Idee. Nur, dass die Bürger die Haushaltsbefragung nutzten, um ihren Kropf zu leeren und aufzuzeigen, wo es derzeit hier auf den Nägeln brennt. Die Stadt nutzt die Bürgerbeteiligung, um Handlungsansätze herauszuarbeiten und daraus Projektideen zu skizzieren. Die Befragung diente in erster Linie zur Lokalisation von ersten Themen. Eines der Ergebnisse ist etwa, dass die Anwohner im Kreuzerfeld und vor allem im Kreuzerfeld-Süd ein Nachbarschaftshaus oder eine Begegnungsstätte für Erwachsene vermissen.

Zudem vermisst die Gruppe der Erwachsenen ein Café oder ein Restaurant. Viele der Befragten würden sich sogar in einem Nachbarschaftshaus engagieren, gaben sie bei der Befragung an. Kindern und Jugendlichen fehlen Jugendräume oder Jugendtreffpunkte und schöne Spielplätze. Dies ist erstaunlich, da im Bebauungsplan für Kreuzerfeld-Süd ein Nachbarschaftshaus mit einem Grundstück verankert ist, dieses aber bis heute noch nicht gebaut wurde. Manch einer der Häuslesbauer in Kreuzerfeld-Süd fühlte sich bislang vielleicht etwas von der Stadt verschaukelt, wartet vielleicht bis heute darauf, was aus dem dafür reservierten Grundstück wird.


Zumindest die Bürgerwerkstatt, die im November Stadt und Bürger an einen Tisch bringen soll, wäre eine gute Chance, dass Wünsche konkretisiert werden können. Zudem ist ein Quartiersspaziergang geplant. Im kommenden Jahr soll ein Arbeitskreis Kreuzerfeld entstehen, der Ziele formuliert und Maßnahmen empfiehlt. Das gesamte Projekt mündet dann Ende des kommenden Jahres in einen Abschlussbericht. Eine erste Standortbestimmung waren die Ergebnisse der Haushaltsbefragung, und siehe da: 20 Prozent der angeschriebenen Haushalte machten mit, dies sind insgesamt 214 Haushalte. Was gegen den Wohnstandort Kreuzerfeld spricht, benannte die Mehrheit der befragten Haushalte mit der mangelnden Infrastruktur. Auch wurde die schlechte ÖPNV- und Busanbindung kritisiert.

Auch sei die Bebauung zu dicht, und etliche der Bewohner fühlen sich auch abgeschnitten, abgehängt und vernachlässigt. Dies zeigt einigermaßen deutlich, dass im Kreuzerfeld und Kreuzerfeld-Süd eine regelrechte Trabantenstadt entstanden ist, jedoch ohne die hier notwendige Infrastruktur, ohne Treffmöglichkeiten für Jung und Alt und mit mangelnden Busanbindungen. Wer hier alt ist, hat es sicherlich nicht leicht – und der Weg zum nächsten Ladengeschäft ist auch weit. Gerade im Dätzweg und Kreuzerfeld gibt es nurmehr einen Bäcker, ein Metzger fehlt, und um zum Supermarkt zu kommen, braucht man das Auto. Im Kreuzerfeld leben laut der Befragung überdurchschnittlich viele Kinder und Jugendliche, und auch die haben es im Stadtteil auf der Anhöhe nicht leicht, Gut, es gibt Kindergärten, eine Kita sowie Schulen.


Aber gerade für Jugendliche fehlen Räume, zum Treffen nach der Schule, zum Bolzen und Fußballspielen.
Dass die Anwohner auch mit der Bebauungsdichte unzufrieden sind, zeigt, dass man das Areal Kreuzerfeld-Süd bis zum Anschlag ausgemostet hat. Auch jetzt werden noch die letzten Bauplätze und Grünstreifen bebaut. Schade eigentlich, doch es gibt auch Positives zu berichten aus der Befragung. Viele der Befragten schätzen die Naturnähe, der Rammert ist nicht weit. Bleibt feszuhalten, dass man sich zumindest um ein Café oder Nachbarschaftshaus bemühen sollte – ansonsten wird Kreuzerfeld-Süd nicht nur Trabantenstadt, sondern bald auch Geisterstadt und Schlafstadt.