Eine Elektrogitarre begleitete den ersten Baggerbiss im Hinterhof des Sudhauses in Tübingen. Damit kann das Kulturzentrum an der B 27 im Süden endlich mit der Erweiterung seines Saales, genauer eines Anbaus, rechnen. 800 Gäste sollen in Zukunft darin Platz finden, es wird eine bewegliche Bühne geben, Ton- und Lichttechnik werden dann auf dem neuesten Stand sein. Insgesamt sieben Millionen Euro soll die Aufrüstung kosten, hat man vorausgerechnet, wenn man so sagen will. 

Bis Ende 2020 soll alles abgeschlossen sein, glaubt man heute wenigstens. Bis zum Herbst 2019 wird es keine Comedy-Stube geben. Womit auch der Tübinger OB Boris Palmer froh sein kann, weil er nicht mehr ins Kreuzfeuer des Spotts geraten kann. Palmer selbst bedauerte diese Enthaltsamkeit und Komiker Helge Thun wird sich wohl in dieser Zeit nicht mehr nach allen Seiten als Reutlinger ausgeben müssen, um nicht Attacken augesetzt zu sein, die nach Palmers Facebook-Auftritten Tübingern durchaus passieren können und konnten. Zurück zur Wirklichkeit: Zehn Jahre hat es gebraucht, bis aus den Plänen in Tübingen ein Beschluss wurde. »Misslichkeiten« und »Unwägbarkeiten« sind für die Zeitverzögerung ins Feld geführt worden, gar nicht zu reden davon, dass die Stadt damals kein Geld hatte, um in die Kultur zu investieren. Deswegen ist es um so bemerkenswerter, dass die Führung des Hauses mit einem abwechslungsreichen Programm die Kundschaft bei der Stange hielt. 

Geschäftsführer Adalbert Sedlmaier war es, der beim musikalischen Baggerstich freimütig bekannte, dass man die neue Halle für alle öffne: »Wir haben weit geöffnete Türen.« Noch nicht ganz vergessen ist indes auch noch, dass die Bewohner der Gartenstadt sich seit Jahren lebhaft darüber beschwerten, dass zu viele zusätzliche Fahrzeuge die schmalen Straßen noch mehr verengten. Ihnen war auch die Nachtruhestörung derart auf die Nerven gegangen, dass sie zu ihren Zusagen an dern geplanten Erweiterungsbau verlangten, nachts wieder schlafen zu können. Die Stadt ihrerseits sorgte dafür, dass der Händler mit den wunderschönen Gartenplastiken das Feld räumte. Den Anwohnern wurde auch zugesichert, dass ein Parkplatz hinter einer Betonmauer den Lärm neutralisieren werde.

Jetzt, wo der erste Spatenstich getan ist, darf als sicher gelten, dass der Anbau Gestalt annehmen wird. Was noch nicht sicher ist, ob die Nachbarn sich mit der neuen Lage anfreunden können.Ganz sicher ist, dass der kleine Saal und der Biergarten während der Bauarbeiten geöffnet bleiben beziehungsweise bespielt werden. Der große Saal bleibt bis Oktober geschlossen, ist dann wieder bis April 2020 bespielbar und schließt dann erneut bis zum Abschluss der gesamten Bauarbeiten. Einige Veranstaltungen werden je nach Thema ins Sparkassencarre oder auch in die Stiftskirche »ausgelagert«.