Erneut haben die Wildschweine zugeschlagen: dieses Mal auf dem Tübinger Schlossberg. Sie verwüsteten Gärten und Wiesen, die danach wie ein Schlachtfeld aussahen. Nach der Nordstadt haben die Schwarzkittel inzwischen auch die Weststadt entdeckt. Sie beanspruchen Terrain auf der Suche nach Futter und machen Anpflanzungen platt. Die Tübinger Wildschweine kommen aus dem Schönbuch auf private Grundstücke, wo sie teils erhebliche Schäden anrichten. 

Seit Anfang 2018 tauchen die Säue vermehrt in Tübinger Wohngebieten auf. Sie finden vielerorts ein gutes Nahrungsangebot durch Obstbäume, Nussbäume und Komposthaufen. Die Stadtverwaltung hat vor einem Jahr zwei erfahrene Jäger damit beauftragt, die Tiere auf nicht eingezäunten Grundstücken im Bereich Öhlerweg, Öhler, Käsenbachtal und Sarchhalde zu jagen. Zudem hat der Landkreis Tübingen im Februar dieses Jahres eine Ausnahmegenehmigung zur Bejagung der Wildschweine auf drei ausgewählten Flurstücken im Bereich Ob der Grafenhalde und Käsenbachstraße erteilt. Offensichtlich mit nur mäßigem Erfolg. Die Borstentiere sorgen das ganze Jahr über regelmäßig für Stoff und teils bizarre Geschichten. Wildschweine randalierten schon in Innenstädten, beschädigten Start- und Landebahnen von Flugplätzen, verursachten Unfälle und verwüsteten Friedhöfe. Nachdem sich in der Vergangenheit meist Landwirte über Wildschweine auf ihren Äckern und Feldern beklagt haben, schlagen nun immer mehr Kommunen Alarm, darunter Großstädte wie Berlin, Köln oder München. Borstiges Fell, flinker Lauf – ein Wildschwein trifft man heutzutage schon lange nicht mehr ausschließlich im Wald. Warum kommen die Wildschweine in die Stadt? Gründe dafür gibt es viele. Das Wildschwein hat hierzulande keine natürlichen Feinde im Wald wie den Wolf oder den Luchs. Zudem kann eine Wildschweinpopulation ihren Bestand innerhalb eines Jahres theoretisch verdreifachen. Warum sollte das Schwein freiwillig in Wald zurück wollen?

Wildschweine sind zwar sehr scheue Tiere, aber man sollte sie unbedingt meiden. Zudem gehen von den Schwarzkitteln auch andere Gefahren aus. So sie sind in Verkehrsunfälle verwickelt, wie unlängst in Reutlingen. Als Überträger der Afrikanischen Schweinepest stellen sie eine beträchtliche Gefahr dar. Doch wie soll es weitergehen, lassen sich die Säue überhaupt stoppen? Die Stadt Tübingen unterstützt  Gartenbesitzer beim Beantragen eines Wildzaunes und will den Jagddruck aufrechterhalten.  Ausnahmegenehmigungen zum Abschuss wurden bis zum Jahresende verlängert. Zwei weitere Jäger unterstützen beim Abschuss, zwei weitere Hochsitze und Nachtsichtgeräte wurden finanziert. Doch auch Anwohner können dazu beitragen, die Tiere fernzuhalten. Sie sollten Wildschweine auf keinen Fall füttern, Fallobst einsammeln und Komposthaufen sicher abdecken. Außerdem empfiehlt es sich, das eigene Grundstück möglichst mit einem Elektrozaun gegen den unerwünschten Besuch zu sichern. Die Tübinger Bürgerinitiative »Keine Wildschweine in Wohngebieten«  fordert Unterstützung von der Stadt, etwa auch durch die Errichtung von Zäunen.


Weitere Möglichkeiten der Abschreckung sind das Anbringen  von Duftmarken etwa durch Menschen- oder Hundehaare in ziemlich engen Abständen, Vogelscheuchen, akustischen Vorrichtungen, der Einsatz von Mineral- und Kalkdüngern, die elementaren Schwefel enthalten, Kirrungen, Ablenkfütterungen und Wildäsungsflächen im Wald sowie eine gezielte Bejagung.  Der Einsatz sogenannter Repellents, also Vergrämungsmittel, gegen Wildschweine in Form von Schwefel-Linsen hat sich ebenfalls bewährt. Diese sollten zusätzlich angefeuchtet werden, damit sie einen noch intensiveren  Geruch verbreiten.