In Tübingen nimmt das Gastro- und Kneipensterben inzwischen dramatische Ausmaße an. Die Ouzeri Faros samt angegliedertem Art-Café auf Waldhäuser-Ost wurde geschlossen, das Gebäude wird komplett abgerissen. Das Grundstück gehört dem österreichischen Öl- und Gasunternehmen OMV und soll verkauft werden. Wie es künftig genutzt wird, ist unklar. Das Restaurant Museum in der Wilhelmstraße wurde im Sommer dichtgemacht, der Pächter musste aufgeben. Die Museumsgesellschaft als Eigentümerin und überdies wichtige Kulturveranstalterin sucht zwar händeringend eine Nachfolge, doch wann der renommierte Gastrobetrieb wieder öffnen soll, ist fraglich.   
Auch den traditionsreichen Bierkeller in der Nauklerstraße gibt’s nicht mehr. Vor mehr als 35 Jahren von Studenten als Kneipen-Kollektiv eröffnet, lief er mit seinen vielfältigen kulturellen Angeboten bis vor kurzem überaus erfolgreich und passte immer noch sehr gut in die heutige Zeit. Obwohl der Gemeinderat für den Erhalt des Bierkellers votiert hatte, und trotz Protesten der Bierkeller-Freunde ist jetzt Schluss. Die Mensa wird umfangreich saniert und umgebaut, deswegen steht das Studentenlokal im Weg. Eine Suche nach einem Ersatz blieb erfolglos.
Es habe mal ein Treffen mit dem Bauamt und einem Vertreter der Universität gegeben, bei dem die zur Debatte stehenden alternativen Räumlichkeiten schnell wieder vom Tisch waren, so die Betreiber. Man habe einen Raum im Brechtbau und die  »Alte Physik« zunächst noch in Erwägung gezogen. Diese Möglichkeiten seien jedoch als ungeeignet verworfen, darauf das Gespräch beendet worden.
Vor einigen Tagen wandten sich das jüngste Betreiber-Kollektiv sowie etliche Bierkeller-Gänger in einem offenen Brief erneut an die Stadtverwaltung und monierten, dass sie von dieser nicht nur wenig Rückendeckung sondern in puncto Kneipen-Alternativstandort überhaupt keine Antwort bekommen hätten. Zwar betonten die Betreiber, dass es sie freue, »dass die Stadträtinnen und Stadträte die Bedeutung des Bierkellers für die Studierenden und jungen Leute erkennen und daraus die Forderung nach neuen Räumlichkeiten an Universität, Studierendenwerk und das Amt für Vermögen und Bau Baden-Württembergs erhoben haben«. Auch im kommenden Semester hätten sich gerne wieder zahlreiche akademische und nichtakademische Stammtische regelmäßig im Bierkeller getroffen. Ein weiteres Gespräch mit der Verwaltung sei dringend vonnöten. »Nach der Resolution des Gemeinderates möchten wir hiermit die Stadt höflich um einen Termin für ein Gespräch bitten, bei welchem auch unkonventionelle Ideen Gehör finden sowie alle denkbaren Lösungsansätze unvoreingenommen besprochen und ergebnisoffen diskutiert werden können.«
Man müsse sich erstmal einen Termin geben lassen, ließ Oberbürgermeister Boris Palmer dagegen verlauten und bestritt, von den Bierkeller-Betreibern bisher direkt angesprochen worden zu sein. Überdies sei die Zahl der Konzessionen limitiert, die Stadt verfüge nicht über geeignete Liegenschaften.   
Erst vor kurzem wurden auch die »Goldenen Zeiten« (früher Parkgaststätte) dicht gemacht. Die Kneipe gehört der Stadt und fällt der Umgestaltung des Busbahnhofs zum Opfer. Nennenswerten Widerstand hat es zuletzt nicht gegeben, ein länger zurückliegender Antrag, das Gebäude aus Gründen des Denkmalschutzes zu erhalten, wurde von der zuständigen Behörde vom Tisch gewischt. Nachdem vor einigen Jahren ein engagierter neuer Pächter die Gaststätte wieder auf Vordermann brachte, entwickelten sich die »Goldenen Zeiten« unter dem neuen Namen zu einem kulturellen Kleinod mit festem und nicht selten hochkarätigem Programm.
Der Branchen-Bundesverband Dehoga sieht den Grund für die allgemeine Krise des Gastgewerbes darin, dass sich  die traditionellen Gaststätten und Wirtshäuser einer immer größeren Konkurrenz aus dem Einzelhandel, dem Lebensmittelhandwerk und der  Tankstellen gegenüber sehen. Gleichzeitig wachse die Bedeutung der Systemgastronomie, also von Ketten. Deshalb müssten viele aufgeben. In der Universitätsstadt Tübingen liegen die Gründe woanders. Hier ticken die Uhren anders, denn es fehlt nicht allein der gute Wille, vielmehr die  Fähigkeit zur Einsicht. 
Was läge näher, als etwa den Abriss der »Goldenen Zeiten« durch eine Alternative für den Bierkeller engagiert zu kompensieren, oder gerne  auch umgekehrt. Durch ihre Ignoranz trägt die Stadt gerade  dazu bei, einen wichtigen Teil der städtisch gewachsenen Kneipen-(Kultur)  zu liquidieren.