Noch ist weder ein Einzelner gesichtet worden, geschweige denn ein ganzes Rudel, dennoch beschäftigt der Wolf bereits jetzt die Schäfer. Ende September brannten in ganz Deutschland Mahnfeuer, eines davon loderte in Gächingen in den Himmel. Schäfer und Jäger wollten damit auf die Gefahren aufmerksam machen, die sich aus der raschen Ausbreitung des Canis lupus, wie der Wolf lateinisch heißt, ergeben. Siegbert Lamparter, Schäfer in St. Johann-Gächingen, hat eine dezidierte Meinung zum Wolf: Für ihn ist die Ausbreitung ein Problem, das einen ganzen Berufsstand gefährdet.
Das ist die eine Seite der Medaille. Auf der anderen befinden sich die Naturschützer, die seit Jahrzehnten für die Wiederansiedlung des Wolfes in Mitteleuropa kämpfen. Es sind zwei Gruppen, die nur schwer miteinander reden können, ohne rote Köpfe zu bekommen. Aber sie werden miteinander reden müssen, denn Fakt ist, dass sich die Wölfe in Deutschland vermehren. Schon immer hatten die Menschen, anders als beim domestizierten Hund, zum Wolf ein ambivalentes Verhältnis. In früheren Jahrhunderten wurde das Raubtier verfolgt und getötet: 150 Jahre lang war er hierzulande ausgerottet. Gegen 1850 verlieren sich die letzten Hinweise zu den wenigen, übrig gebliebenen Wolfsrudeln im heutigen Raum Brandenburg. Doch auch in der ehemaligen DDR standen die Wölfe auf der Abschussliste. Erst seit der Wiedervereinigung wurden die Wölfe in ganz Deutschland unter Schutz genommen und so gründete ein Wolfspaar, das aus Ostpolen stammte, im Jahre 2000 das erste Wolfsrudel in der sächsischen Lausitz.
 Laut Zahlen des Naturschutzbundes (Nabu) befanden sich im April 2017 in Deutschland vermutlich 61 Wolfsrudel und neun Paare. Die dauerhaft mit Wolfsrudeln und Paaren besiedelten Bundesländer sind Brandenburg (24), Mecklenburg-Vorpommern (4), Niedersachsen (11), Sachsen (18) und Sachsen-Anhalt (11). In Bayern sind zwei Paare und in Thüringen ein Einzeltier bekannt. Noch kein Wolf gesichtet wurde im Saarland. Gesehen wurden welche in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und in Hessen. In den meisten Fällen sind die Tiere weiter gewandert, wurden überfahren (zum Beispiel Baden-Württemberg und Hessen, 2016) oder illegal erschossen (zum Beispiel Rheinland-Pfalz).

Der Wolf hat keine Feinde außer dem Straßenverkehr und Jägern, die es mit dem Gesetz nicht so genau nehmen. Angriffe auf Menschen in Deutschland sind seit dem Jahr 2000 nicht bekannt. Selbst Polizisten dürfen einen Wolf nicht einfach erschießen, wenn er angefahren vor ihnen auf der Straße liegt, so weit oben steht das Tier auf der Artenschutzliste. Diesen Aufwand hat der Wolf verdient, sagen seine Freunde. Wer den Wolf schützt, gefährdet den Menschen, meinen die andern. 
Der Gächinger Siegbert Lamparter spricht seinen Kollegen aus der Seele, die der Meinung sind, dass die Beweidung der Schwäbischen Alb durch Schafe und damit auch die Landschaftspflege zurückgehen werden, wenn der Wolf komme. Daran werde sich auch nichts durch Elektrozäune ändern, die staatlicherseits bezuschusst werden. Große Herdenschutzhunde, die alles angreifen, was sich einer Herde nähert, hält er ebenfalls für problematisch. Diese zu zügeln sei sehr schwer, meint Anette Wohlfarth vom Landesschaftzuchtverband Baden-Württemberg. Sie plädiert dafür, dass sich die Schäfer auf die Rückkehr des Wolfes vorbereiten. Was vor allem nottut, ist eine Versachlichung der Diskussion, die Bedenken der Schäfer sind ernst zu nehmen, den diffusen Ängsten der Bürger sollte entgegen getreten werden. Dass Leute sich nicht mehr in den Wald trauen, weil sie befürchten einem Wolf zu begegnen, ist Ausfluss einer Panikmache, genauso gut könnte man davor warnen, sich nicht mehr am Straßenverkehr zu beteiligen. Seit der Jahrtausendwende ist kein Mensch in einem deutschen Wald an einem Wolfsbiss gestorben, aber 51 000 im Asphaltdschungel.