Das alte Jahr ist vorbei, das neue hat kaum begonnen. Zeit, noch einmal zurückzuschauen, denken manche vielleicht. Doch warum nicht den Blick schon mal nach vorne richten? Zwar ist das Neue immer für Überraschungen gut, doch vieles ist berechenbar, oft weiß man schon vorher, was kommt. Schau’n mer mal!


Januar 2020. Die Tübinger Stadtwerke geben bekannt, dass sich die Wiedereröffnung des Nordbades weiter verzögern wird. Der Grund: Eine spezielle Untersuchungsmethode habe ergeben, dass die Deckenkonstruktion des Gebäudes sogenannte Vogelnester aufweist. Ein erneutes Sicherheitsrisiko für die Badegäste, das der Betreiber nicht eingehen will, nachdem diverse »Kiesnester« inzwischen beseitigt werden konnten. Als voraussichtlicher Eröffnungstermin wird jetzt Oktober 2023 angegeben.

 
Februar 2020. Immer häufiger beschweren sich Passanten, weil sie nachts in der Innenstadt von falschen Polizisten angesprochen werden. Diese sind aber leicht zu erkennen, da sie grüne Uniformen tragen. 


März 2020. Offenes Wetter, längere Tage, draußen kann wieder gearbeitet werden. Insgesamt 283 Baustellen werden in der Stadt errichtet. Für den Autoverkehr komplett gesperrt sind bis auf weiteres unter anderem die Wilhelmstraße vom Lustnauer Tor bis zum Nordring, die Hegelstraße ab dem Schloßbergtunnel, die Westbahnhofstraße bis zur Rheinlandstraße, die Gartenstraße, die Stuttgarter Straße sowie die Mühlstraße (für immer). Es wird empfohlen, Tübingen weiträumig zu umfahren. Umleitungen über Reutlingen, Böblingen, Rottenburg und Mössingen sind ausgeschildert. 

April 2020. Kein Aprilscherz: Der Marktplatz ist ab sofort für Fußgänger gesperrt und darf nur noch von Radfahrern genutzt werden. Zur besseren Orientierung wird die gesamte Fläche blau angemalt, der Brunnen rot, damit keiner dagegen fährt. Ausnahmeregelungen gelten für die Gemeinderäte und Mitarbeiter des Rathauses.

Mai 2020. Baustopp am Omnibusbahnhof. In der Bahnhofsunterführung wurde eine seltene Fledermausart gesichtet. Das Wildermuth-Gymnasium heißt von jetzt an Thunberg-Gymnasium. 

Juni 2020. Die neue Wahl-App »Big Brother« muss von allen Tübinger Bürgerinnen und Bürgern heruntergeladen werden und ist künftig verpflichtend. Die analogen Wahlen sind mit der Einführung der App hinfällig. Entwickelt wurde die digitale Anwendung von Google, Facebook, Amazon und Huawei. 

Juli 2020. Oberbürgermeister Palmer setzt am Zinser-Dreieck spontan den Spatenstich zum Bau der Stadtbahn. Das Projekt sei von ihm kurzfristig beschlossen worden. »Als OB muss ich da niemanden fragen«, sagt er. Überdies habe er entschieden, die Bahn komplett alleine zu bauen. »Das spart Kosten, das Geld können wir gut für neue Radwege brauchen.« 

August 2020. Der Gemeinderat beschließt, die Reutlinger Straße ab der Blauen Brücke für den Autoverkehr zu sperren. Sie soll zu einer vierspurigen, blau markierten Fahrradstraße werden und in »Wir-machen-blau-Promenade« umbenannt werden.

September 2020. Im Stadtgebiet werden erste Landwirte enteignet, weil sie auf ihren Äckern keine Wohnbebauung zulassen wollen. 

Oktober 2020. Plötzlicher Kälteeinbruch. Der Baustart der Stadtbahn verzögert sich. OB Palmer nutzt die Zeit, um den Baggerführerschein zu machen.

November 2020. Das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg teilt mit, dass Tübingen schon im kommenden Jahr die Landesgartenschau ausrichten und kurzfristig für Lindau einspringen muss, da der Stadt am Bodensee wegen ihrer hohen Gartenschau-Ausgaben das Geld ausgegangen ist. 
Jetzt ist Eile geboten. Im alten Botanischen Garten rücken Trupps mit Elektro-Kettensägen und E-Planierraupen an, die Männer rufen laut: »Kommt! ins Offene, Freunde!« Die gesamte bisherige Anlage wird eingeebnet, damit ein neuer, naturnaher Park entstehen kann. 

Dezember 2020. Die Stadtverwaltung gibt bekannt, dass Silvester in Tübingen mit sofortiger Wirkung abgeschafft ist. »Zu viel Krach, zu viel Müll, zu viel Feinstaub«, lautet die Begründung. Zudem diskriminiere der Gedenktag des heiligen Papstes Silvester I. alle Nicht-Katholiken, heißt es weiter. Die Verwaltung empfiehlt, den Abend des »Jahresultimo«, so der neue Name, im Dunkeln und klimaneutral zu Hause zu verbringen. Wir hoffen, dass uns alle Leserinnen und Leser des TÜpisch treu verbunden bleiben und wünschen ein fröhliches und gesundes 2020!