Fallen wir doch einfach gleich mit der Tür ins Haus: Gehen Sie am kommenden Sonntag wählen - in Ammerbuch, in Tübingen, in Bodelshausen, in Metzingen, in Münsingen, in Reutlingen oder in Zwiefalten.
Auch wenn manche Plakate entlang der Straßen mit sinnfreien Parolen langweilen und nach Auffassung vieler Zeitgenossen die Unterschiede zwischen einigen Parteien nicht gerade groß sein mögen: Es könnte sein, dass am 24. September die Zahl der Nichtwähler erstmals größer ist als das Stimmenergebnis der stärksten Partei im Lande.
Das wäre ein Armutszeugnis für die Demokratie.
Als der »Wahl-O-Mat«, der so genannte Online-Ratgeber für Unentschlossene im Internet freigeschaltet wurde, klappten zwar die Server der Bundeszentrale für politische Bildung immer wieder zusammen. Doch dann waren viele Nutzer enttäuscht, weil eine Menge Fragen über Wahlpräferenzen doch recht suggestiv formuliert sind. Und dann lesen wir: »Der Ausbau erneuerbarer Energien soll vom Bund dauerhaft finanziell gefördert werden.« Ja, was denn sonst? Dafür hat sich die Politik doch schon vor Jahren und über alle Parteigrenzen hinweg entschieden - da bedarf’s doch keiner »Wahl-O-Mat«- Frage. Indes gibt es bei den Polit-Experten die Auswahl »Stimme zu, nicht zu oder neutral«. Da fällt einem nur noch ein: »Ich bin dich nicht blöd«. An sich ist die Idee mit dem Wahl-O-Mat so schlecht aber nicht. Schließlich können mit Blick auf all die anderen Themen politikerverdrossene, hartnäckige Nichtwähler schon eine Menge...

Impulse bekommen, doch am Urnengang teilzunehmen.
Wenngleich sich viele Fernsehzuschauer, nicht nur die politische Konkurrenz, am Ende des »TV-Duells« - oder war’s eher ein »Duett«? - von Merkel (CDU) und Schulz (SPD) kopfschüttelnd fragten: Weshalb haben sich die beiden nach diesem harmonischen Treffen nicht mit Küsschen verabschiedet? 
Das drückt die Laune, vor allem weil so wichtige Themen wie Bildung, die absehbare Armut im Alter, die für Handwerker und andere Betriebe auf dem Lande schnelle Internet-Verbindung - oder auch das Gesundheitssystem samt Pflege gar nicht behandelt wurden. Stattdessen entblödete sich der populistische Dampfplauderer Claus Strunz von SAT1 nicht, so private Dinge abzufragen wie das Datum des letzten Kirchgangs von Angela Merkel und Martin Schulz.
Nicht nur über diese peinliche Luftnummer ärgerten sich auch die emsigen, hoch engagierten, ehrenamtlichen Wahlkämpfer vor Ort, in den Städten und in den Dörfern. Sie gehen oft noch – ganz altmodisch aber sympathisch ist es allemal - von Haustür zu Haustür. Sie stehen bei bald jedem Wetter auf den Marktplätzen, verteilen ihre Überzeugungen und Kugelschreiber - und werden hier und da von frustrierten Trübsinnigen beleidigend angegangen.
Herrscht da etwa allenthalben Politikfrust? Nein, denn es gibt glücklicherweise auch Lichtblicke.
Die Podiumsdiskussionen der Tageszeitungen in der Region zwischen Rottenburg und dem Ermstal waren gut besucht. Auge in Auge mit den örtlichen Kandidaten durften denen Fragen gestellt werden. Das Publikum erlebte sie »live«, bildete sich seine Meinung vor Ort.
Und ginge es nach den Kindern und Jugendlichen in Deutschland, wäre eine geringe Wahlbeteiligung kein Thema. In vielen Schulen wurde schon in der vergangenen Woche gewählt. Die Beteiligung war hoch, und im Vorfeld brachten die Buben und Mädchen sogar ihre selbst gestalteten Wahlplakate für die »U18-Bundestagswahl« mit. Selbst in Jugendklubs oder in Sportvereinen wurden Wahlkabinen aufgestellt, dies in bundesweit rund 1600 Wahlbezirken.
Gehen wir am Sonntag wählen! Mit dabei sein, mitgestalten, Stellung beziehen: Wer das für sich in Anspruch nimmt - und im Kollegen- und Freundeskreis ernst genommen werden will, muss auch mitspielen im großen Orchester der Demokratie.
Und politikverdrossenen Pessimisten, die immer nur sagen »das Glas ist halb leer…« - antworten Optimisten mit Blick auf all die großen Herausforderungen »…… aber nicht mehr lange!«