Jetzt hat es ihn doch erwischt. Nachdem es lange Zeit danach ausgesehen hatte, als hätte der Bierkeller unter der Mensa in der Tübinger Wilhelmstraße weiter ein Auskommen, soll die »Baumgarten-Mensa« jetzt nicht nur saniert werden, sondern der dazugehörende Keller in Zukunft Platz für ein Lager des Studierendenwerks bieten. 
Dass die jungen Leute, die über Jahrzehnte hinweg das Lokal eigenverantwortlich geleitet hatten, nun doch ausziehen müssen, hat eine einfache bauliche Bewandtnis: Der Umbau bringt es mit sich, dass die Decke im Bierkeller abgesenkt werden muss, weil die Cafeteria der Mensa zum künftigen Universitätsplatz umgestaltet wird. Die Betonrampe soll zurückgebaut werden.
Das lässt die Kneipe unerträglich schrumpfen (vielleicht wäre auch dem Brandschutz nicht mehr Genüge getan).
Mit dem Umbau der Mensa soll im kommenden Jahr begonnen werden, vier Jahre später soll sie an den alten Standort zurückkehren. In der Zwischenzeit wird der Mensabetrieb in die Shedhalle in der Schlachthausstraße ausgelagert. Rund 30 Millionen Euro wird die Sanierung des denkmalgeschützten Teils der Mensa mit den Glasfassaden kosten.
Man wird am Ende sehen, ob die Nostalgie nicht doch erhebliche Kosten bringen wird. Tübinger Gemeinderäte sprechen jetzt schon von einer »großen Geste des Landes an die Stadtgesellschaft«.
Ganz sicher ist indes, dass der rückwärtige Küchentrakt abgerissen und neu gebaut wird. Schon an der Außenfassade blättert die Farbe ab.
Der Neubau wird größer als der bisherige Block, er rückt etwas näher an die Nauklerstraße heran, der bisherige Grünstreifen wird verschwinden, Bauminseln sollen den Grünschwund auffangen. Dass allein vier Jahre Bauzeit anberaumt sind, hat nichts damit zu tun, dass die Kosten gestreckt werden müssten. Der Bauherr betont, dass allein für die Schadstoffsanierung sieben Monate angesetzt sind, drei Monate werden ganz offensichtlich für Einrichtung einer Baugrube benötigt. Ein Ausblick für die kommenden Jahre: Nördlich der Mensa soll der Universitätsplatz entstehen, von der Mensa bis zum Kupferbau den Verkehr beruhigen, der Einbahnring zwischen Wilhelmstraße und Hölderlinstraße wird dann nach den Bauarbeiten aufgehoben.
Wie all die Neuerungen dann zusammenwirken sollen, wird sich dann zeigen, wenn in Tübingen die Stadtbahnpläne umgesetzt werden müssen.
Und der »Bierkeller«? An einen Ersatz hat man sich bisher nicht so recht getraut, da war wohl auch der Protest nicht laut genug. Im Februar 2019 wird er geschlossen.