Noch einmal eine Geschichte über ein Schwimmbad in Tübingen? Auch wenn ein Neubau inzwischen als notwendig angesehen wird, so soll der Leser mit dem Thema nicht überfordert werden. Freilich: Das neue Schwimmbad ist Teil der Tübinger Zukunftsplanung, wie sie vergangene Woche im Tübinger Gemeinderat abgesegnet wurde, einstimmig, wie gesagt wird. Bei einem Etat von knapp 370 Millionen Euro steht im Nahbereich auch noch eine Sporthalle in Derendingen und, ebenfalls, danach auch noch eine Konzerthalle im Programm. Auch wenn bestenfalls Kosten für Vorplanungen anfallen werden, so hat sich die Unistadt allerhand auf die Schultern geladen. Dabei soll nicht außer Acht gelassen werden, dass in das Hallenbad Nord bereits im kommenden Sommer noch einmal die Handwerker einziehen werden, wobei das Gebäude, wie ein Mitarbeiter der Stadtwerke es formuliert, vor plötzlichem Einsturz gesichert sei. Eine solche Zusicherung befreit förmlich. Reden wir weiter über die großen Projekte der Stadt: Die Stadtbahn, die Neuordnung am Europaplatz, Mietwohnungsbau, die rege Bautätigkeit auf der Oberen Viehweide, Uniklinikum ... Oberbürgermeister Boris Palmer wächst vieles zu schnell, ließ er beim Neujahrsempfang der Stadt wissen. So soll der Technologiepark auf der Oberen Viehweide nicht über den bekannten Umfang wachsen, große Gewerbeflächen wie der Saiben in Derendingen und Gebiete wie der Steinenberg (Klinikum) und Sarchhalde (Universität) sollten nach Möglichkeit bis in die 30er Jahre unbebaut bleiben. Eine Art Wachstumsbremse könnte man sagen, um den Laden zusammenzuhalten und die Übersicht zu bewahren. Wobei sich Palmer kaum selbst gemeint haben konnte, denn selbstironisch fügte er noch hin zu, dass »ausgerechnet die Entscheidungen erstaunlich oft richtig gewesen seien, die gegen meine Stimme entschieden worden sind.« Freilich hat Palmer deutlich ausgemacht, dass »die Dynamik des Wachstums Tübingen zu überfordern« drohe: »Wir müssen es daher stärker steuern und kontrollieren als in den vergangenen zehn Jahren.« Gleichwohl weiß Palmer nur zu gut, dass die Stadt mit einem weiteren Wachstum der Arbeitsplätze und der Bevölkerung rechnen muss. »Ich denke, das ist richtig so. Denn Tübingen ist keine Insel«, folgert der Tübinger OB, »wir haben mit den Kliniken, dem Cyber Valley und der Universität mindestens drei Einrichtungen von landesweiter Bedeutung und deshalb eine Verantwortung, die weit über die Stadtgrenzen hinausgeht.« Und: »Wir können nicht wieder hinter den Stadtmauern verschanzen.« Also baden gehen gilt nur für den Bau eines neuen Hallenbads.