Die Neckarbrücke und die Mühlstraße in Tübingen sind für Autofahrer gesperrt. Seit vergangenem Donnerstag sieht man mehr als deutlich, dass nach jahrelangem Planen tatsächlich auch die Neuordnung am Bahnhof und Europaplatz in Angriff genommen worden ist.  Am Donnerstag vergangener Woche durfte zunächst einmal OB Boris Palmer mit dem Bagger das Vordach des Hauptbahnhofs abreißen. Ganz vertraut haben die Planer dem Palmerschen Baggerbiss indes nicht so ganz: Er durfte gerade mal symbolisch die erste Schaufel schwingen, ehe ein Fachmann an die Hebel ging. Wie Palmer zugreifen kann, hatte man schon vor Jahren am Kepler-Gymnasium erschreckt zur Kenntnis nehmen können. Sei’s drum.


Jetzt darf man davon ausgehen, dass es am Europaplatz künftig keinen Durchgangsverkehr mehr geben wird.  Die Bushaltestellen werden auf Ost-West-Richtung ausgelegt, es wird ein »Radhaus« für rund 
1100 Fahrräder unter der Erde geben, am Nordrand zum Anlagensee soll es eine Radservicestation, über dem Radkeller  ein Café geben. Ob der Umbau gerade die zwei Jahre in Anspruch nehmen soll, darf angesichts der Gewohnheiten landauf landab bezweifelt werden. Ganz sicher ist, dass das Großunternehmen die Stadt (und die Zuschussgeber) rund 26 Millionen Euro kosten wird. Der Fortschritt der Baumaßnahmen wird auch, wie man jetzt weiß,  von der finanziellen Manövriermasse der Stadt abhängen. Palmer hatte vergangene Woche schon durchblicken lassen, dass die fetten Jahre vorbei sein werden. Der Gemeinderat wird noch in diesem Monat ausschwitzen müssen, was er sich noch wird leisten können. Dazu gehört dann auch die Stadtbahn, die ja immer noch nicht abgeschrieben ist.


Nicht vergessen sind die Jahre fruchtlosen Diskutierens, man wollte auf dem Europaplatz ein Kaufhaus bauen, keiner der Vorschläge schien eine qualifizierte Mehrheit zu erhalten. Dann bildeten sich laienhafte Planungsgruppen, die das leisten wollten, was Fachleute zuvor nicht schafften.  Dann war wieder eine Weile Ruhe. Die Kommune beruhigte die Karlstraße, allein noch die Friedrichstraße führte stadtauswärts und zum Bahnhof, und dann kam der Palmer-Einfall, die Neckarbrücke und die Mühlstraße für Kraftfahrzeuge  zumindest mal für zwei Jahre zu sperren. Was aus diesem Projekt wird, zeigt sich im November. Ginge es nach dem OB, bliebe die Achse Neckarbrücke-Mühlstraße auf Dauer gesperrt, und ähnlich wie sein OB-Kollege in Stuttgart will er die Innenstadt ganz für den Autoverkehr sperren. Doch bis dahin  wird aber noch reichlich Wasser den Neckar hinunterfließen.