Darf das Universitätsklinikum in der Oberen Sarchhalde bauen, oder nicht? Die Klinik will sich dort und auf dem Oberen Schnarrenberg ab 2027 beträchtlich erweitern, in dem Naherholungsgebiet sollen mehrere Hochhäuser mit Forschungseinrichtungen errichtet werden. Das Käsenbachtal mit dem Abschnitt Sarchhalde ist eine Natur- und Kulturlandschaft innerhalb Tübinges. Es sei ein ökologisches Kleinod mit seltenen und schützenswerten Tieren und Pflanzen, so das Ergebnis mehrerer Gutachten. Zudem wirke sich eine Bebauung der Sarchhalde nachteilig auf den Luftaustausch aus.
Die Bürgerinitiative Käsenbachtal sammelte rund 3 000 Unterschriften gegen das Projekt. Der Gemeinderat hat beschlossen, die Areale als Sonderbaufläche im Flächennutzungsplan auszuweisen. Es gab drei Gegenstimmen. 
Müssen klinische Versorgung und Forschen räumlich eng beieinanderliegen?
Die Entfernungen zwischen Klinik-Standorten in Deutschland und ihren (universitären) Forschungseinrichtungen sind oft groß: 30 Kilometer in Leipzig, 10 in München, 7 in Dresden, 158 in Bochum, rund 20 Kilometer sind es in Berlin. 
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG), von denen in vieren die Tübinger Universitätsklinik Partner ist. Sie sind auf über 80 Standorte mit mehr als hundert beteiligten Hochschulen, Universitätsklinika und außeruniversitären Forschungseinrichtungen verteilt.

»Mit diesem Ziel vor Augen verfolgen die DZG eine Forschungsstrategie… Das heißt, dass die Mitglieder der Deutschen Zentren nicht nur intern, sondern auch mit weiteren universitären und außeruniversitären Partnern vernetzt sind«, heißt es beim BMBF.
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer verfolgt in der Frage, ob klinische Versorgung und Forschen räumlich eng beieinanderliegen müssen, keine klare Linie. »Aus für mich einsehbaren Gründen können diese Flächen nur an das Klinikum und die Morgenstelle angrenzen«, sagte er in seiner Neujahrsrede im Januar 2017. An anderer Stelle meinte der OB: »Ich sehe mich außerstande zu beurteilen, ob räumlicher Abstand für die Forschung ein Problem ist.«
Ein Bebauungsplan für die Sarchhalde ist vor Ablauf von zirka zehn Jahren nicht zu erwarten. Parallel läuft die Neufassung des alten Flächennutzungsplans von 1979 im Nachbarschaftsverband mit der Stadt Reutlingen und sechs Gemeinden. Der Nachbarschaftsverband hätte bei einem Bebauungsbeschluss ein Wort mitzureden. Zudem gehören rund 80 Prozent der Sarchhalden-Flächen Privateigentümern, Verkaufsunwillige müssten enteignet werden. Ein Zeit- und Gerichtsmarathon stünde bevor. Erinnerungen an Stuttgart 21 werden wach. Will man das? 
Einwände von Naturschützern gegen bauliche Großprojekte sind allenthalben an der Tagesordnung. In Sachen Sarchhalde stehen aber offensichtlich die Interessen des Klinikums im Vordergrund. Kaum geprüft, werden Überlegungen etwa zur Nachverdichtung auf dem Klinik-Areal gleich wieder verworfen. Warum verlagert das Klinikum Teile von Verwaltung, Versorgung, Forschung und Logistik nicht nach außerhalb - etwa in die Gewerbegebiete der Nachbarschaftsverband-Kommunen?